Werner Stangls Lehrtext.Sammlung
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SoSe 95 (S) Jugend und Medien 28122 Dozent
Dr. Ulrich Lange
Hausarbeit von: Nils Michaelis
Strukturelle Ähnlichkeiten von Jugendkultur und politischem Radikalismus am Beispiel der jungen Welt
Inhaltsverzeichnis
1.1. Der Weg zum Untersuchungsthema
1.2 Das Untersuchungsthema
1.3 Warum in die Tiefe gehen?
2. Das Außen von
Jugendidentität und Jugendkultur
2.1. Zeichen und Außen
2.2. Das Außenverhältnis
2.3. Jugendkultur und Außen: Zusammenfassung
3. Kommunikation vom Außen zum Innen
3.1. Vorerst rätselhafte Kommunikation im
Außen
3.2. Das Außen gerinnt zum Kommunizierbaren
3.3. Erste Anschlüsse vom Innen ans Außen
3.4. Medien und marktorientierte Mainstreamkonstitution
3.5. Übernahme von Außenideen durch das Innen
4. Das Außenverhältnis der
jungen Welt
4.1. Geschichte der jungen Welt als Zeitung der FDJ
4.2. Der Gremliza-Kurs
4.3. Das Außen der jungen Welt, Tageszeitung ohne
Parteiverweis
5. Zusammenfassung: Ähnliches und
Trennendes von politischem Radikalismus und Jugendkultur
Literaturangabe
1.1. Der Weg zum Untersuchungsthema
Die Jugend ist vielschichtig und Jugendmedien sind es auch.
Ein guter Grund, das Spektrum der Jugendmedien nicht bei "MTV"
beginnen und bei "Bravo" enden zu lassen. Wie verhält es sich
also mit Jugendlichen, die ihr Selbst- und Weltverständnis nicht
aus kommerziell orientierten Mainstreammedien beziehen, die nach
eigenen Wegen suchen, sich und die Umwelt zu verstehen, denen
Mainstreaminformation und Kultur bei der Suche nach Information und
Kultur eher hinderlich ist, als das sie sich darin wiedererkennen
könnten? Die in Berlin ansässige junge Welt schien
für dieses Untersuchungsfeld geeignet zu sein, trug sie doch a)
die junge Zielgruppe schon im Namen und stand b) für politische
und kulturelle Positionen, die alles, nur nicht Mainstream waren. Der
erste Interviewtermin mit dem Chefredakteur der jungen Welt,
Klaus Behnken, drohte diese Erwartungen zunächst zu
enttäuschen.
Die erste Frage, "wie jung ist die junge Welt?" zielte auf
eine genaue Standortbestimmung im Bezug auf die von uns
vorausgesetzte Zielgruppe Jugendliche und Jungerwachsene. Der Name
junge Welt, so Behnken, sei weniger Programm, als eine Art
halbwegs gut eingeführtes und bekanntes Markenprodukt. Eine neue
Tageszeitung zu gründen sei nahezu undenkbar, "daran ist schon
Augstein gescheitert", einzig der taz sei das Unmögliche
gelungen, doch die Zeit ihrer Gründung war eine ganz andere als
die heutige. Im Übrigen seien die von der jungen Welt
vertretenen linken Positionen nicht eine Frage des Alters.
Jugendlichkeit tauche eher als grobe Orientierung auf:
"Möglichst respektlos" wolle die junge Welt inhaltlich
sein und "locker" in der Form. Wir forschten weiter: Wie das mit der
Pleite und dem Weitermachen danach war, wollten wir wissen. Da , so
Behnken, hagelte es Leserbriefe, gab es in der Volksbühne eine
sehr erfolgreiche Veranstaltung für die junge Welt,
wurden landesweit Unterstützergruppen aktiv, die
überwiegend aus jungen Leuten bestünden. Was sagt denn die
Abonnentenkartei zur Altersstruktur der Leserschaft, fragte mein
damaliger Coautor Felix Steinbild. Die Leserschaft teile sich in zwei
Gruppen, die Lesergruppe der 40-bis 50-jährigen mache ca. 30 bis
40 Prozent aus und hält der jungen Welt seit FDJ-Tagen
die Stange oder gar seit der Gründung 1947, ihr Anteil ist seit
der politischen Radikalisierung der Zeitung allerdings am sinken, bei
den 30 bis 40-jährigen klafft ein Loch in der Statistik, den
Hauptanteil der Leserschaft bilden junge Leser im Alter zwischen 17
und 30 Jahren, Tendenz steigend. Diese Gruppe war es auch, welche
sich am nachhaltigsten für den Erhalt der Zeitung engagierte,
"so schlecht sie auch ist, so viele Fehler sie auch
hat."(Behnken)
Das waren unerwartete Ergebnisse: Obwohl es die junge Welt
nicht darauf anlegt, gerade junge Menschen anzusprechen, scheint sie
ein gerade bei dieser Lesergruppe bestehendes Bedürfnis zu
treffen.Die junge Welt im Rahmen der Thematik "Jugend und
Medien" aufarbeiten zu wollen - das hatte dieses Gespräch
ergeben - erforderte eine neue Fragestellung. Um die Affinität
zu verstehen, die sich aus einer politisch radikalen Positionierung
ergeben und spezifischen Eigenschaften von "Jugendlichkeit", bot sich
folgendes Untersuchungsgebiet an:
1.2. Das Untersuchungsthema
Die Bestimmung der Selbstwahrnehmung als "Außen" soll als "mentales Konzept Jugend" herausgearbeitet werden und zunächst bezogen werden auf Jugendkultur und Subkultur. Dieses Modell des "Außen" soll in einem zweiten Schritt auf die Junge Welt übertragen werden, um über ihre inhaltliche Positionierung ihr Selbstverständnis zur Medienrolle der "vierten Gewalt" zu analysieren. Das Außen soll quasi als Standort für die Möglichkeit kultureller wie journalistischer Erkenntnisgewinnung untersucht werden. Ferner möchte ich die Prozesse schildern, die auf die Integration der im Außen entstandenen Diskurse in die Hauptkultur zielen.
1.3. Warum in die Tiefe gehen?
"Junge, wer mit zwanzig kein Anarchist gewesen ist, aus dem
wird nie ein guter Demokrat", sangen FSK [1]
im "Blue Yodel für Herbert Wehner" und verwiesen auf das, was
mein linker Englischlehrer einst als "Diagonalkarriere"
bespöttelte: Ein "von links unten, nach rechts oben."
verlaufender Verfall eines rigiden Moralismus zugunsten eines
kleine-Brötchen-backenden Realismus. Im Jugendalter neigt der
Mensch zur Rigidität und Radikalität und liest dann eben
vermehrt Blätter vom Schlage der jungen Welt. Na und? Mit
dieser ebenso richtigen wie oberflächlichen Erklärung
möchte ich es nicht bewenden lassen. Jugendliche
Radikalität und Rigidität, das erwähnte "mentale
Konzept Jugend", sollen tiefergehend analysiert werden. Als zentrales
Erlebnismoment von Jugend setze ich deren Status des "Außen",
im Verhältnis zur diskursbestimmenden Hauptkultur der
Erwachsenengeneration, deren Gesetzgebung und Geschichte, Ideologien
und Ideale und deren Medien. Über dieses
Außenverhältnis soll ebenfalls am Beispiel der jungen
Welt, deren Verhältnis zu anderen Medien und der 4.
Gewaltrolle, die strukturelle Affinität zur Jugend
herausgearbeitet werden. Über die Analyse des
Außenverhältnisses soll ein Verständnis von
Jugendidentität, Jugendkultur, Jugendmedien bzw. Jugendbezug von
Nicht-Jugendmedien entwickelt werden. Nach dieser Abfolge sind auch
die folgenden Kapitel gegliedert.
2. Das Außen von Jugendidentität und Jugendkultur
Jugendkultur, als gesonderter Teil der Hauptkultur,
ermöglicht für den Jugendlichen u.a.
Identitätsfindung. Hinter der Aussage "Ich bin ein Mod/ Raver/
Jungelist/ Houser etc." oder "Ich steh in letzter Zeit total auf Goa/
Deep House/ dieses britische Gitarrenzeug" steht, wenn nicht der
Anschluß an eine durch Musik verkörperte Lebens- und
Erlebnisweise, so doch eine ebenso schwer begründbare, wie doch
sehr ernste Emphase für die durch Musik produzierten Zeichen und
Bedeutungen. Eine aus einem jugendkulturellen Zusammenhang
entstandene Identität interpretiere ich als eine Kategorien
produzierende Denk- und Erlebnisweise, die ihrerseits Antworten und
Verortungen auf Fragen der typisch jugendlichen Sinnsuche
bereithält. Aus dieser Eigenpositionierung entsteht eine
Handlungsweise und aus dieser Handlungsweise eine Geschichte des
jeweiligen Ichs, und aus allem eine Identität zu nennende
Gesamtheit. Jugendkultur ist ein Weg der Identitätsfindung unter
vielen. Ich begreife Jugendkultur als sich ständig
veränderndes Medium, auf welches sich in unterschiedlichem
Ausmaß ein Teil der Jugendlichen bezieht. Bezieht sich ein
Jugendlicher nicht auf Jugendkultur, so ist diese Verweigerung
ihrerseits eine Positionierung (klassisch vielleicht im Typ des
Pollunder-tragenden "Nerds" konfiguriert) die das, was in der
Jugendkultur mitschwingt, - aus welchen Gründen auch immer -
nicht teilen mag und sich z.B. einer Technikkultur anschließt
und dann ständig mit Zahlen um sich wirft.
Die Notwendigkeit oder die allgemeine Tendenz jugendlicher Menschen,
sich bei der Identitätsfindung in positiver oder eben
abgrenzender Weise auf Jugendkultur zu beziehen, entsteht aus einem
mit der Industrialisierung eingesetzten und sich seit dem
beschleunigenden Verfall von Traditionen, feststehenden
Rollenbildern, Systemen zur Welterklärung (ableitbar aus den
Disziplinen Religion, Philosophie, Physik usw.). Mit dem Auf- und
Niedergang von Industriezweigen, Regierungen und
Wirtschaftssystemformen, dem Um- und Abbau des Sozialstaates entsteht
ein wildes Durcheinander und mit diesem ein, auf jeweilige
Situationen bezogener Zeitgeist, aber eben kein auf Transzendentalien
verweisendes System der Welterklärung und Moral. Mit einem
bündigen "anything goes" faßte Paul Feyerabend dieses
Problem der Erkenntnistheorie zusammen und zersplitterte damit die
Möglichkeit zur Verortung in ein allgemein als verbindlich
voraussetzbares Erklärungsmodell.Wohlgemerkt: Diese
Notwendigkeit zur Konstruktion steht als Option im Raum, sie
aufzugreifen ist aber eher Sache von Minderheiten. Die Mehrheit
übernimmt fertige Sinnsysteme, kümmert sich um all das
nicht, bezieht Identität aus der Sicherheit einer sozialen und
beruflichen Position. Für die in und um Jugendkultur entstehende
Ästhetik, Philosophie, allgemeine Denk- und Lebensweise aber ist
die Beantwortung solcher Fragen zentrales Moment. Fend schreibt:
daß der moderne okzidentale Rationalismus gleichzeitig
Ansprüche provoziert und ihre Verwirklichung erschwert: Es sind
dies insbesondere Provokationen und Ausblendungen von Ansprüchen
an Autonomie, Sinnerfüllung und Selbstentfaltung, von
Ansprüchen sozialer Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, aber
auch von Ansprüchen an Erleben, an Glück, an Akzeptanz und
auch an Irrationalem, deren Pflege zu neuen Kulturen der
Lebensführung in verschiedenen Sektoren der Gesellschaft,
insbesondere auch bei Jugendlichen geführt haben. Das wichtigste
Spannungsmoment ist jenes zum Individualisierungsschub, also zur
sozialhistorischen Entfaltung der Autonomie der Person , die der
okzidentale Rationalismus selbst mitgestaltet hat." [2]
Verstärkend wirkt sich in dieser Situation der Sinnsuche aus,
daß der Jugendliche noch nicht "im Leben" steht, oft über
Schonzeit und damit Denkzeit verfügt, die an einem Platz "im
System" gebundenen Regeln noch nicht bei Strafe des Rausschmisses zu
akzeptieren hat. In dieser Position entsteht ein häufig von
Mißverständnissen durchwachsener und in Fragen der
Bewertung gern undifferenzierter Blick auf die durch die
Erwachsenengeneration zu verantwortende Welt. Diesem
gleichermaßen aus Außenperspektive und Erfahrungsmangel
entstandenen Rigorismus möchte ich bei allen
Mißverständnissen zugestehen, zu durchaus fundierten und
der historischen Rückschau standhaltenden Bewertungen zu kommen.
So entzündete sich der erste große Generationenbruch der
Nachkriegsgeschichte an der an Völkermord grenzenden
Kriegsführung der USA in Vietnam. Mit Langstreckenbombardements
auf ein Bauernvolk diskreditierte sich ein ganzer Wirtschafts-,
Politik- und Kulturzusammenhang. Mit all dem nichts zu tun haben zu
wollen und doch nicht tatenlos zusehen dürfen, wie es noch die
Elterngeneration der 68er während des Faschismus tat, trieb die,
die die Sinnfrage stellten auf die Barrikaden, in den Untergrund
oder, als Guerilleros des Geistes, durch die Institutionen.Vor diesem
Hintergrund ist Sinn, sind Fragen der Ethik, Entscheidung über
Lebensziele und eben Identitäten immer individuell und stets neu
zu konstruieren. Jugendkultur in all ihren Fraktionen werte ich als
ein wichtiges Bezugssystem für diese Konstitution. Ihrerseits
bezieht sich Jugendkultur auf Philosophien, Ästhetiken,
Literatur, die lange vor und / oder außerhalb des jeweiligen
jugendkulturellen Kontextes entstanden oder Traditionslinien
begründeten, in der jeweiligen geschichtlichen Situation aber
als kompatibel erscheinen. Insofern werden durch Jugendkultur
Philosophien auf ihren lebensweltlichen Ursprung
rückübertragen und dadurch getestet. Abstrakt und
Zeitenübergreifend gesprochen, verbinden sich Sinnfrage und
Außenperspektive zu a) rigiden moralischen Urteilen b)
Utopischen Modellen eines besseren Zustandes c) Vorstellungen von
Wegen diesen zu erreichen. Dies mag für eine Protestgeneration,
eine politisierte noch dazu, so zutreffend sein, aber wie
verhält es sich mit apolitischen Generationen wie in den 50er
Jahren, der Yuppiekultur der 80er, den "Friede, Freude, Eierkuchen"
feiernden Ravern der 90er? Ist nicht überhaupt Jugendkultur
letztlich als Innovationspool für die Werbe-, Textil-,
Musikindustrie zu verstehen? Kommt dem bißchen immer wieder
aufflammenden Protestlertum nicht eher die Rolle zu, nach Art des
Durchlauferhitzers eine politisierte Öffentlichkeit zu
schaffen?
Beide Ansätze sind, wenn auch auf den ersten Blick
gegensätzlich, zwei Seiten derselben Medaille. Einem
differenzierteren Blick auf Ursprünge und eventuellen Protest
und Utopiecharakter von Jugendkulturen möchte ich als zentrale
Wahrnehmungskategorie von Jugendlichen, deren Aussenverhältnis
zur diskursbestimmenden Kultur der Elterngeneration setzen. Davon
ausgehend soll dem durch Medien vermittelte Übergang von
Zeichen, Codes und Ideologien der Jugendkulturen in die Produktions-
und Ideologiesphäre der Hauptkultur nachgegangen werden.
2.1. Zeichen und Außen
Durch welches Medium findet Jugendkultur am signifikantesten zu sich selbst? Was ist der Kult an der Jugendkultur? Was fordert Reaktionen ein, seien sie positiv, negativ oder pures Unverständnis? Musik, genauer gesagt das weite Feld der Popmusik. Jugendliche können Film-, Comic- oder Computerfans sein, im Skateboard die einzige Möglichkeit sehen, sich unentfremdet fortzubewegen, den Schrank voller Bach- und Beethooven-Tonträger haben oder davon überzeugt sein, durch Thomas Mann den höheren Weihen der deutschen Kultur teilhaft zu werden. Wenn man aber in der Zurückschau fragt: "Wie fühlten sich die 70er von innen an", dann erklingt ein Sound der Zeit: Es fängt immer mit einer Faszination an: der Kraft der Musik, Gefühle zu fokussieren, in einem ästhetischen Gefüge Befindlichkeiten Plastizität zu verleihen." [3]
Wenn Musik ein so zentrales Medium ist, ein Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen und das Außenverhältnis der Standpunkt des Jugendlichen für seinen Blick auf die Welt ist, dann wäre es nur naheliegend, wenn in Musik dieses Außenverhältnis sich widerspiegelt und die unter a), b), c) genannten Kategorien eine Überführung in Zeichen und Ästhetik finden.
2.2. Das Außenverhältnis
Popmusik spricht von sozialer Bewegung und Beweglichkeit und kennt dabei im Prinzip nur eine Richtung: von der absoluten Ausgeschlossenheit des einzelnen (sei es politisch, rassistisch, ökonomisch ausgeschlossen, einsam, fremd) zur utopischen Eingeschlossenheit aller ("Befreiung, Revolution, Einigkeit, Kommunikation")[4] .
Betrachtet man die außerhalb der kommerziellen Sphäre
kursierenden Musiken, dann sind sie entweder unmittelbar auf Formen
und Stile rückführbar, die sich in einem, z.T. über
Generationen tradierten, und nicht unbedingt an Jugend gebundenen
Außenverhältnis einer Minderheitenkultur gebildet haben
(zumeist Schwarze in den USA), oder es wurden, z.B. in Europa, darauf
basierend neue Formen entwickelt. Träger dieser Entwicklung
waren freiwillige Exilanten, deren Exil verschiedene Ursprünge
haben konnte und die die von jenseits des Ozeans herübergewehten
Klänge in ihr eigenes Universum einbauten, um so im kreativen
Akt das Medium mit Botschaften zu füttern (z.B. über
soziales Leben des Exilanten, politische Statements, literarische
Verweise, Anwendung des importierten Stils auf Ideen der
europäischen Avantgarde ).
Die Nachkriegszeit begann mit Rock'n'Roll. Seine Energie
rekurrierte hauptsächlich auf den Blues der schwarzen Kultur. In
seinen Riffs klang, auch wenn der Sound mitunter stark
verwässert war, Trauer, Angst, Wut, Sex, soziale Mobilität,
die Freuden der Kriminalität, Heilsversprechungen. In Europa
begannen die Beatles und die Stones als Rhythm and Blues-Bands ihre
Karrieren mit dem Anzapfen dieser spezifischen Energie. Von diesem
Ausgangspunkt entwickelten sie eigene Stilistiken, blieben aber als
Bürgerschreck (Stones) oder großmäulig von
"Revolution" (Beatles) Singende weiterhin dem Außen
verpflichtet.
Velvet Undergound, wichtiger Einflußgeber für Grunge oder REM, entstanden in den 60ern an der Schnittstelle von Avantgardekunst, Heroinabhängigkeit, Popart und Verweisen auf Sado-Maso-Sex. Mit ihnen wurde das Außen auch für den literarisch geschulten Mittelschichtsintelektuellen annehmbar, dem Soul und die Beatles noch zu durchschaubar oder oberflächlich waren.
Die Wurzeln des Techno gehen auf musikalische Stile zurück,
die sich in den frühen und mittleren achtziger Jahren in den
schwarzen Gettos der Industriestadt Detroits mischten.
House entstand aus Disco und war der Sound, zu dem eine
hedonistisch orientierte, zahlenmäßig kleine Schwulenszene
abfuhr. Dabei wurden Energien frei, die auch auf Nichthomosexuelle
ansteckend wirkten.
Reggae war ebenfalls Musik des Ghettos von Kingston/Jamaika und erfuhr internationale Popularisierung, als Bob Marley begann, Zeichen und Werte der in Jamaika doppelt ausgegrenzten Rastafarianismusreligion zu übernehmen. Mit diesem Schritt exportierte Marley ein auf Stolz und Gegenwehr zielendes Ideologiegemisch, das in den mittleren siebziger Jahren von den ansonsten verfeindeten Hippies und Punks gleichermaßen geschätzt wurde.
Hip Hop ist ein weites Feld der Stile und damit der Konnotationen. Hip Hop ist daher ein gutes Beispiel für die universelle Transportfähigkeit eines Mediums / Stiles, einer Ästhetik oder Kunst, für die vielfältigen Ideologien und Wünsche einer Generation. Von marxistischen Termini und Analyseweisen (Beatnigs, KRS One) reichen Hip Hop Texte über religiös motivierte Hinwendungen zum Islam der Nation of Islam (X-Clan) oder der Cypress Hill Fraktion, die immer wieder einen um Marihuanawolken gewobenen spiritualistischen Lebensstil beschwört, bis zur Selbstreferez auf die durch Schwarze geprägten Teile der US-Kultur (A Tribe Called Quest), oder Selbstreferenz, die auf der Suche nach kulturellem Erbe bis nach Afrika vordringt (Jungle Brothers) und in einem Abwasch den Tribalismus (Gesang von der Black Nation") mitbegründet. "Im Hip Hop ist , wie in kaum einer anderen Musikform, dieser Ausgangspunkt (die Faszination f. Hip Hop, Anm. d. V. ) immer schon durchkreuzt vom komplexen Ineinanderwirken von Ästhetik und Sozialem." [5]
Wobei "Sozialem" vom Rapper in einem politisierten Sinne gemeint sein kann, aber nicht muß. Immer aber geht er von einem Außenverhältnis aus, sei es aufgrund einer rassistischen Herrschaftsideologie, die die Absonderung von Bevölkerungsteilen in Ghettos produziert, von Kulturhegemonie, die eine mit Konnotationen aufgeladene Kultur als tonangebende definiert für die "african roots" keine Rolle spielen, oder sei durch den eigenen von der Macht kriminalisierten Drogenkonsum. Dabei wird der rassistischen Hauptkultur keineswegs immer ein Wertesystem der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit entgegengesetzt. In einer Kultur, in der u.a. dem Pimp (Zuhälter), als sozialem Aufsteiger und Stilproduzent eine Leitbildfunktion zukommt, sind bürgerliche, in der Tradition des Humanismus wurzelnde Ideale kaum zu erwarten. "Pop ist eher links als rechts oder Mitte. Dennoch reicht die konventionelle Definition von links nicht aus, um die Politik von Pop zu beschreiben. Pop ist auf seiner inhaltlichen Ebene weder notwendigerweise die Musik der Arbeiterklasse, der Frauen, der Rassifizierten, ja überhaupt ein Agent sozialen Fortschritts, noch generell vernünftig. Die Foucaultsche Auffassung von der Gegenmacht kommt der politischen Position von Pop näher, die alle möglichen Grade von Blindheit und Beschränktheit nicht nur mitschleppen kann, sondern oft zur Voraussetzung hat."[6]
Das Beispiel des Hip Hop zeigte, daß für die Produktion kreativer, neuer ästhetische Systeme eine Eigenwahrnehmung als Außerhalb zur Hauptkultur stehend vorausgeht. Sie findet von dieser Außenperspektive ausgehend zu einer Kritik der Hauptkultur. So erstaunlich das Ausmaß der Affirmation und der puren Naivität in den Texten und Reden des Love-Parade-Veranstalters Dr. Motte auch ist, so lassen sich doch auch in der Techno-Kultur Verweise auf das Außenverhältnis bzw. auf Kritik an der bestehenden Hauptkultur erkennen. Techno und House wurden von Typen erfunden, die außer der Aussicht auf eine dem Hedonismus dargebrachte Nacht nicht viel vom Leben zu erwarten hatten (Industrieller Niedergang der Motorcity Detroit)[7] . 1982 wollte der Bürgermeister Detroits die Stadt zum Notstandsgebiet erklären, da viele Einwohner an Hunger litten.
Was in der Musik keine Verzweiflung, sondern eben Hedonismus produzierte und darüber hinaus die Entschiedenheit der Macher sich mit den spezifischen ästhetischen Eigenheiten der Musik kreativ auseinanderzusetzen. Im Europäischen Kontext ist Techno dann ein offenes, für jedermann codierbares ästhetisches Medium. Ich betone dies, da Techno zu fraktioniert ist um diesem als Gesamtsystem allgemeingültige Kritiken und Ziele zu unterstellen. Hier kann nur versucht werden, am Beispiel einer Fraktion Grundfunktionen zu abstrahieren: Es gibt die Trance und Goa- Fraktion, die für die Weiterführung ewiger Hippiewerte von Gemeinschaftlichkeit in Absonderung vom rat race gebietenden System steht, unterfüttert von einem im Buddhismus geerdeten Humanismus und einem ebenso New Age- haften wie postmodernen Verzicht auf rationalistische wie verbindliche Denkmodelle. Mit diesem Verzicht auf politische Analyse sehen sich Goaraver eher in der Rolle, das Kapital zum Humanismus zu therapieren als es zu analysieren oder gar zu bekämpfen ("das Ozonloch bedroht uns alle, laßt uns die alten Differenzen über Bord werfen und gemeinsam handeln."[8]). Eine Aussage, die sinngemäß zwar bei einem Interview mit der Band Galliano fiel, von Teilen der Technokultur aber voll übernommen wurde.).
Delphine (das Yin-Yang-Symbol bildend) ersetzen Che Guevara. Dabei aber weiterhin eine Revolution/Utopie anstrebend: "Wir haben die Vorahnung, daß die Visionen, die heute zur "Raving Society" entwickelt werden, einen großen gesellschaftlichen Impact haben, vielleicht einen bedeutenderen als die Theorien und Ideologien der 68er Bewegung auf die heutige Gesellschaft." [9] Vorerst werden diese Utopien in inselartigen temporären autonomen Zonen realisiert, dem hier und jetzt des Utopischen.
Auch hier ist wieder der Rekurs auf das Außen anzutreffen: Mit dem Verweis auf Kulturzusammenhänge mit ganzheitliche Weltsichten und ritualisiertem Zugriff auf Grenzheitserlebnisse und Transzendenz (gemeint ist die Emphase der Goa-Fraktion für die Drogenkulturen südamerikanischer Indianerstämme oder Hochkulturen wie die der Mayas) bezieht man sich auf Erlebnisformen die in einem christlich geprägten ebenso wie trance- und ekstasefeindlichen Kulturzusammenhang, so nicht vorgesehen sind.
Von diesem, aus dem Idealismus entlehnten Ansatz versucht sich die Gruppe "radical rave" abzusetzen indem sie die auf Veranstaltungen erwirtschafteten Überschüsse z.B. den Aufständischen in Chiapas zukommen läßt, und auch sonst bemüht ist Aufklärung über die Auswirkungen neoliberaler Wirtschaftspolitik unter die Tänzer zu bringen.
Derartige Seitenarme zum Hauptfluß der Geschichte sind underground (ein Begriff, der dem von mir eingeführten Begriff "Außen" ähnelt), sehen sich selber auch als "underground resistance" -so der Name eines bekannten Houselabels. Überhaupt: Stets ist es der Underground, wo Kreativität und Credibility zur Coolness sich verbinden, und "cool" ist bekanntlich ein Wort, welches sich schwarze Hipster- und Bebopjunkies in den frühen 50er Jahren ausgedacht haben und das seitdem nicht mehr totzukriegen ist und als Gütesiegel fungiert, um die Dinge zu klassifizieren, die den Kriterien eines jugendkulturellen Kontextes entsprechen oder eben nicht (uncool).
Das Export-Import-Verhältnis, das Innen-Außen-Verhältnis und das Zusammenzurren von all dem durch Popmusik beschreibt Diedrich Diederichsen: "Ein primärer Anti-Integrationismus ist auch Voraussetzung für die Würde (Coolness) des (immer schon) politischen Einwandes. Deswegen ist Popmusik in der Regel auf der inhaltlichen Ebene anti-integrationistisch, während sie natürlich objektiv internationalistisch, interkulturell funktioniert und gerade Kontakte zwischen den verschiedenen, freiwillig oder unfreiwillig Marginalisierten herstellt, die weder offiziell eingeplant sind, noch sich auf die Logik des Kulturimperialismus reduzieren lassen. Die Kanäle der Popmusik sind heutzutage die einzigen, in denen ghettoisierte wie ausgestiegene Jugendliche und Erwachsene über die Schranken der Ghettos, Subkulturen und Stämme hinweg, gegen die segregationistischen Tendenzen des nur formal globalen Kapitalismus kommunizieren können." [10]
2.3. Jugendkultur und Außen: Zusammenfassung
Jugendkultur zielt u.a. auf die Schaffung eines neuen Menschentyps. Sein Anspruch: Jeder von Entfremdung und Kulturindustrie infizierte Lebensform (uncool) ist eine auf Integrität, Schönheit, Autonomie (cool) zielende Alternative entgegenzusetzen. Zur Konstitution ihres ästhetischen Systems sind für Jugendkultur drei Momente ausschlaggebend:
1. Eine als defizitär empfundene, weil Widersprüche oder Ausgrenzung produzierende Hauptkultur.
2. Die Geschichte der Jugendkultur selbst, und mit ihr der Versuch, den Musik zur Zeit" genannten Nachhall des Weltlaufes, in eine dem Jetzt adäquate Form zu überführen.
3. Outlawfiguren durch Ausgrenzung (Schwarze, Rocker,
Schwule, Junkies) oder dissidente Intellektuelle wie Literaten
(Kerouack, Brinkmann, Goetz), Regisseure, Wissenschaftler (Chomsky,
Leary, Hall)
Die exilierten Stilproduzenten bewegen sich nach der kreativen
Erschaffung einer Ästhetik auf das Innen zu und das Innen will
es wissen. Womit wir uns langsam dem Übergang von underground"
zum Mainstream nähern, der Wendung von Minderheitenkultur auf
corporate culture, der Fähigkeit der Macht, das Andere als
Modernisierungsdiskurs sich einzuverleiben und wie dieser
Prozeß über Kommunikation vermittelt wird.
3. Kommunikation vom Außen zum Innen
Schaut man MTV oder VIVA, so ist Protestpotential oder Utopismus
allenfalls als Spurenelement erkennbar. Dominierend ist dagegen die
Inszenierung von Images, die Behandlung ewiger Themen wie Liebe,
Eifersucht, persönliches Glück/ Unglück. Es fragt sich
an diesem Punkt ob die Überwiegende, sich in den
Plattenverkaufscharts niederschlagende Jugendkultur nicht viel eher
an solchen quasi archetypischen Themen sich abarbeitet, als an
Protestpotential oder Utopismus. Wird hier also ein Minderheitenteil
der Jugendkultur mit der Jugendkultur als Gesamtphänomen
verwechselt?
Die Frage so zu stellen, hieße MTV als Anfang von Jugendkultur zu setzen und nicht als deren Endpunkt, kurz: Jugendkultur mit Jugendsubkultur gleichzusetzen. MTV kommt in etwa die Funktion zu, welche einst die Zeitschrift Tempo innehatte, zu welcher festgestellt wurde, daß sie stets mit zwei Jahren Verspätung all die Diskurse ihrem Tempoleser zugänglich macht, die bei denen, die sie entwickelten, längst ad acta sind.
Tempo und MTV sind in diesem Sinne Mittler zwischen der stilproduzierenden Exilanten/Minderheit (deren Eintritt in die Hauptkultur unter Wahrung der im Außen aufgebauten Identität erfolgt) und einer nach verständlich gemachten Zeichen suchenden Mehrheit (die ihren Eintritt in die Hauptkultur zu den Bedingungen vollziehen möchte, die ihnen genannt werden, den Außenstatus mithin als unerträglich empfinden würde).
Das Außen - "the privileged poor"[11]
Poor, weil sie von Jobs zu Jobs sich hangeln und die Zahlen stets auf der Sollseite des Kontos stehen, privileged, weil sie um die Themen wissen (Intellektuelle) oder ahnen (Fans), die im Außen verhandelt werden, was der Türsteher erkennt und sie umsonst in die Disco läßt. Ideen, Lebensgefühl, Ideologien werden hier "gelebt" vor der Voraussetzung eines weitgehend (vorerst noch) freiwilligen Exilantentums. Die zum Underground zu zählende Jugendkultur meint es ernst und hat doch viel Spaß, die besten Partys, die feinste Musik, kurz: Das Neue, nie Dagewesene, auf das irgendwie utopisch Verweisende. Das ruft die Zaungäste auf den Plan. Doch bevor diese über den Zaun schauen, um diesen dann zu überklettern, bevor er ganz abgerissen wird und zum offenen Tor für jedermann wird, steht Kommunikation. Kommunikation verläuft in verschiedene Richtungen mit verschiedenen Zwecken.
3.1. Vorerst rätselhafte Kommunikation im Außen
Wenn ein neuer Zeitgeist in einer noch nicht manifesten, noch
nicht geronnen Form in Spurenelementen, rätselhaften Zeichen von
was auch immer, sich niederschlägt, ist stets das temporär
sich bildende und meist nur wenige Nummern durchhaltende Fanzine oder
Artzine zur Stelle[12].
In ihm kommen all die mit höchster Emphase, Herzblut und
Selbstaufopferung verbundenen[13]
Entschiedenheiten über einen way-of-life zur Sprache [14],
finden Künstlergruppen zueinander. Fanzines und Artzines sind
überwiegend (nicht immer) im schwer zugänglichen
Papier-Klebe-Schere-Layout gehalten, sind unleserlich gesetzt und nur
für die Erreichbar, die ohnehin bestimmte Platten-,
Zeitschriftenläden oder Kneipen frequentieren. Kurz: Man predigt
vor den ohnehin Bekehrten, hat dabei aber Neues zu sagen.
3.2. Das Außen gerinnt zum Kommunizierbaren
In der Konsoliedierungsphase einer kulturellen Szene,
also der Entstehung eines Netzes von Plattenläden, Clubs, an
Prominenz gewinnende DJs, verstärkt sich die Tendenz zur
professionalisierten Arbeitsweise. Verbunden ist dies mit dem einem
verstehbareren und zugänglicheren Stil der ästhetischen
Produkte. Exemplarisch für diese Entwicklung dürfte
Jürgen Laarmanns interessantes Technomagazin Frontpage
sein. Produziert in Berlin und beginnend mit einem umsonst in
Plattenläden des Vertauens ausliegenden schwarzweißen
30-Seiter, stand Frontpage für Information über alles, was
für Technoland von Interesse sein könnte, also: Techno/
elektronische Musik/ Tanztempel/ Ansichten stadtbekannter
Plattenverkäufer. Mit der Explosion von Techno zu
woodstockhaftem Ausmaß mit Berlin als Nabelstadt, bildete sich
auch für Frontpage eine neue Ausgangslage. Die
Erreichbarkeit der zum Millionenpublikum angewachsenen potentiellen
Leser war über einige verstreute Plattenläden nicht mehr zu
gewährleisten. Mit der Erscheinungsweise am Kiosk verband sich
ein farbiges Layout, Kaufanreiz schaffende Titelbilder im Stile des
Sterns und eine vermehrt um Stars kreisende Berichterstattung.
Eine Entwicklung im übrigen, die der Underground nicht ungeteilt
mitträgt, Ausverkauf und Verrat witternd. "Mit Sascha Kösch
(DJ und vormals Autor bei Spex, dem immer noch im Außen
halbwegs akzeptierten Mittelding aus Fanzine und regulärer,
professioneller Form) rede ich kein Wort mehr, der schreibt jetzt
für Frontpage", sagte eine Bekannte und brachte das
Hereinbrechen von Corporate Culture in den Underground als Moment des
Verrates auf den Punkt. Trotzdem hat Frontpage immer noch eher
den Status eines Fanzines, als das eines sich mit professionellen
Mitteln des Journalismus aus einer nichtbeteiligten Position sich
nähernden Mediums der Hauptkultur. Die "Professionalisierung" in
Auflage und Form war nur über die Vermassung der Bewegung
möglich doch bleibt die Bewegung weiterhin Hauptansprechpartner
für Frontpage, nicht die Elterngeneration.
3.3. Erste Anschlüsse vom Innen ans Außen
Beginnt ein kultureller Zusammenhang sich zu konsolidieren, einen
erwartbaren ästhetischen Kanon zu formen, mit festen Werten,
neuen Ideologien zu operieren bzw. etablierte Philosophien auf ihre
Lebbarkeit im Hier und Jetzt zu überprüfen, kommt es zu
verwertbaren, weil ausdrucksstarken Bildern. Die Medien der
Hauptkultur treten auf den Plan und stellen aus der Position der
Elterngeneration die zunächst meist bange Frage: "was treiben
unsere Kinder da eigentlich?" Eine Frage, zu deren Beantwortung auch
auf Seriosität bedachte Organe wie der Spiegelgern zum
Genre des Sensationsjournalismus überlaufen. Bekannt ist die
Rattenfängermetaphorik, wenn im Spiegel die neuesten
Entrückungen jugendlicher Experimentierlust geschildert werden.
Sind Drogen im Spiel, ist kein halten mehr: In "Technohöllen"
(so einst Radiomoderator Barry Graves) findet dann das christliche
Abendland zu seinem endgültigen Untergang, ist die jeweils
letzte Schreibergeneration, die, die an Aufklärung, Hochkultur
und Humanismus noch partizipieren konnte, und nach sich ein Meer aus
Entfremdung, Sittenverfall, Botschaften von Endzeit sieht: "Techno
heißt das Stichwort, dieser vermeintlichen Musikrebellion, die
mit ihren synthetischen Computerklängen gegen herrschende
Popregeln aufzubegehren vorgibt (...) Techno, jene auf schieren
Rhythmus reduzierte, monotone und mit allerlei Fiep- und
Knarztönen verfremdete Tanzmusik, wird von ihren jugendlichen
(oder bloß jugendlichkeitsseligen) Anhängern zuallererst
als Gebrauchsmusik genutzt (...) Die immerfort gleichen Beats
hämmern hypnotisch in den Kopf (...). Erst wenn die Musik
verstummt, scheinen sie aus stundenlanger Tanzverzückung zu
erwachen (...). Die Techno-Jünger scheinen, auch ohne sich
dessen recht bewußt zu sein, die Ideale der New-Age-Apostel zu
beschwören, sie predigen ein großes trockeneisumnebeltes
Wohlgefühl, und sie vergöttern die moderne Technik. Als
seien sie einem Science-Fiction-Film entsprungen, tragen viele
Tänzer bizarre Kostüme, Brustpanzer aus Kunststoff,
Space-Brillen, Gesichtsmasken - und halten es für Symbole eines
angeblich neuen Vertrauens in die Zukunft (...).Viele der jungen
Tänzer haben ihre T-Shirts ausgezogen, Ein Mädchen verteilt
Küsse an Menschen, die sie nicht kennt (...)."[15]
Diese Phase und Form der bürgerlichen Thematisierung subkultureller Lebensformen verändert sich mit deren Eintritt in die beschriebene Konsolidierungsphase. Mit Stars wie jüngst Aphex Twin oder Goldie und ihrer Verbindung von Geschäftserfolg und/oder nachweislich großer Kreativität [16] tritt die Berichterstattung in eine Phase der Beschäftigung mit Inhalten ein. Dabei ist die Rede, wenn nicht immer, so doch tendenziell, weiterhin mit dem soziologisierenden über-etwas-sprechen verwand, und damit grundsätzlich unterscheidbar von jenen mit Herzblut abgerungenen Berichten der Fans/ intellektuellen Fans in Fanzines.
Dieser Eintritt in die Thematik erst zum Zeitpunkt der Konsolidierung hat seinen Grund in der Verkäuflichkeit von Themen, die, wenn sie sich noch in ihrer Gerinnungsphase befinden, die wenigsten Spiegelleser interessieren oder verstehen (weil noch keine, außerhalb des Metaphorischen, kommunikabelen Inhalte existieren), hat doch die Bewegung noch nicht die Phase der Institutionalisierung erreicht und existieren damit noch keine festen Institutionen, an die Außenstehende herantreten könnten. Das Publikum wurde vom Außen noch nicht sensibilisiert. Ein von einem Massenblatt wie dem Spiegel lancierter Bericht würde ins Leere des Desinteresses laufen, wenn beim Publikum weder Begriffe noch Ahnung existierten. Mit Kategorien aber, die auch einem nicht mehr so beteiligten Publikum verständlich sind, beginnt das Ende der Aufladbarkeit eines musikalischen Genres mit den neuen noch ungeklärten Zeichen, das Außen wendet sich ab und geht weiter. Mit dieser Verständlichkeit auch für die weniger sensiblen, geht die Vermassung einher und Türsteher müssen unterscheiden lernen.
Ein weiteres Kennzeichen dieser Berichterstattung ist, daß
das Über-den-Dingen-Stehen eine andere Sichtweise produziert als
eine systemimmanente Kritik. Kategorien wie "Verrat", wie das
Beispiel Sascha Kösch zeigte, können aus diesem Blickwinkel
allenfalls als Kuriosität thematisiert werden, nicht aber als
essentielle Frage. Mit diesem Blickwinkel verwischt sich auch der
Kontext aus dem ein Zeichen entstammt. Ich ging ja von einer
moralischen Position aus, einer Systemanklage aus dem Blickwinkel des
Außen. Da bürgerliche Medien als Teil der vierten Gewalt
letztlich immer mit beiden Beinen auf der freiheitlich-demokratischen
Grundordnung stehen, können sie diesen Blick zwar thematisieren,
nie aber teilen. Der Zusammenhang aus dem ein ästhetisches
Zeichen entsteht bleibt somit immer reduktionistisch. Die Pflicht,
journalistischen Regeln zu entsprechen und der Blick auf ein
interessiertes aber doch in anderen kulturellen Zusammenhängen
lebendes Publikum, produzieren andere Berichterstattungen als eben
die Systemimmanente des Fanzines. Notorisch ist die
Selbstpositionierung des marxistischen Musikologenblattes Spex
als außerhalb des bürgerlichen Journalismus stehend (wir
wollen niemals in die den Rolling Stone, Spiegel oder Tempo
kennzeichnende Berichterstattung verfallen). Der Blick von
Mainstreammedien läßt bei aller Kritik immer die
bürgerliche Seele intakt, bietet Lösungsmöglichkeiten
an, verbindet das nicht involviert sein mit dem Blick des
Flaneurs.
3.4. Medien und marktorientierte Mainstreamkonstitution
Im Mainstreamdiskurs überschneiden sich auf der einen Seite die Suche nach Identitätsfindung durch die Masse (bei Bewahrung des Innenstatus) und der Wunsch der Konsumgüterindustrie (Textilien, Tonträger, Werbung, Konzertveranstalter, usw.) nach Absatz. Auch diese Vermittlung erfolgt durch Medien bzw. Massenmedien. Bravo ist ein Beispiel für mainstreamverwiesene Individuierungsversuche.
Das Haus auf dem Bravo und mit ihr der Mainstream stehen, ist die im Spiegel begonnene und auf die Spitze der Boygroup getriebene Entkontextualisierung von Zeichen. Was aus einer Hungersnot in Detroit entstand, ist nun längst sowohl von den Detroiter DJs gelöst, wie von den freiwilligen Exilanten / Zeichenimporteuren und Weiterverwertern in Europa. Alle Bedeutung, die im Sound der Zeit mitschwang wird entkoppelt und dient im Stil des Gimmicks der zeitgemäßen Inszenierung des Stars [17] , der halb als christlicher Erlöser, halb als Projektionsfläche für eine noch ungewisse, richtungslose Sexualität auftritt. Und die Mädchen, die nicht mit den x-ten Sexerfindern Caught in the act schlafen konnten, werden heftintern an Dr. Sommer überwiesen.
3.5 Übernahme von Außenideendurch das Innen
Jugendkultur ist im ständigen Strom, dabei hochgradig fraktioniert und immer mehr Fragen als Antworten aufwerfend. Ständig drängt Jugendkultur nach innen, will entweder über die Besetzung strategischer Stellen oder über Masse Teil der herrschenden Kultur werden. Das Verlassen des Undergroundstatus ist Verrat an der Sache Außenperspektive, nicht unbedingt aber am sich dort konsolidierten ästhetischen System. Die New Yorker Band Sonic Youth hat während eines Zeitraumes von ungefähr zehn Jahren den Schritt vom extremen Außenseiterstatus des Avantgardemusikers zum Führer des Marktsegmentes Alternative-Rock vollzogen und blieb dabei halbwegs integer. Thomas Groß befand zur zweiten, für das "Industrie"-Label Geffen-Rec. produzierten Sonic Youth LP "Dirty" in der taz: "(Dirty/ Anm. d.V.) hat die letzten Jahrzehnte - vor allem Punk-Rock - integriert, ohne sie als Errungenschaft auszustellen, aber auch ohne bloß damit zu spielen. "Es ist Wahljahr in den USA, und wir haben niemanden, für den wir unsere Stimme abgeben könnten. Nur dagegen.", schreibt Thurston Moore in einem Newsletter, (...). Das kleinere Übel als ewige Wiederkehr des Immergleichen: eine Grußadresse Moores an die Anti-Golfkriegs, Anti-Sozialabbau und Anti-Rassismus-Demonstranten vor dem Weißen Haus, die davon ein Lied zu singen wissen. Witzigerweise sind Sonic Youth heute in etwa da angelangt, wo die Fugs und andere Ende der Sechziger standen, und auch wenn sich die Geschichte nie wirklich wiederholt: aus diesem Stoff ist einmal die APO entstanden." [18]
Ihre Musik ist weiterhin ein offenes System, in dem Kreativität und Bezüge auf undergroundmäßige Coolness Platz haben. Sonic Youth sind übergelaufen und doch nicht korrumpiert, zumindest nicht in dem Maße wie man es sonst kannte. Sie haben es geschafft, zu dem Preis angenommen zu werden, den sie diktiert haben. Thurston Moore, Sänger und Gitarrist der Band fädelte für seine Plattenfirma Geffen-Records als Trend Scout den Vertrag mit Nirvana ein.[19] Unter seiner beraterischen Tätigkeit konnten all jene einen Platz an der Sonne finden, die in den späten 80ern, ob sie es wollten oder nicht, noch strictly underground waren. Mit Sonic Youth kam der musikalische Arm von Slackertum und Generation X ans Definitionsruder.
Alle sind zufrieden: Geffen-Records hat eine neue Produktlinie, führte damit eine als Grunge bekannte kulturelle Revolution an, und all die von Sonic Youth zur Firma gelotsten Bands mußten sich nicht über Gebühr verbiegen, um Akzeptanz zu finden. Mit dieser Übernahme steht eine weitergehende kulturelle Umwertung der Werte ins Haus. Die Hauptkultur, ständig auf der Suche nach neuen Produktlinien, Managementkonzepten, einem neuen Käufertypus, Meinungsführern ist auf die Zuarbeit der Innovativen angewiesen. Das in den USA erscheinende Managementmagazin fast company schmiedet aus dieser immerwährenden Tendenz zum Überlaufen eine Blattkonzeption. Unter der Überschrift "revolution incorporated" schreibt Tom Frank: "In der Regel redet die politische Linke in enthusiastischer Weise von Revolution", aber heute, da sich die Linke dem völligen Aussterben nähert, scheint diese Sprache zum Gebiet der Geschäftsideologien geworden zu sein. "(Wissens)-Arbeiter aller Länder vereinigt euch!" (...)Man begrüßt die Kräfte, deren "Annäherung fünfzig Jahre anerkannter Weisheiten über die Grundlage von Arbeit und Wettbewerb umstürzt".(...) Im Porträt eines Computerwissenschaftlers heißt es, er sei ein "Unruhestifter, ein agent provocateur, ein Produkt der Sechziger, der nie sein aktivistisches Feuer oder seine demokratischen Werte verloren hat." [20]
Das Außen ist am Ziel, bekommt Definitionsmacht, kann als
eingeführtes musikalisches Genre den mythologischen
Identitätsstifter für Generationen machen. Damit gerät
immer auch neue Philosophie an die Oberfläche und mit ihr
Zeitgeist. Die Stürme ideologischer Verwerfungen heulen auf
[21]. Zeitgeist
ermöglicht Restauration wie ohne-mich-Deutsche, die Rede von
Revolution wie den Radikalenerlaß, 600 000 Raver in Berlin, die
unter dem Motto "we are one nation" unitiy und love feiern, wie die
Streichung des Artikels 16.
4. Das Außenverhältnis der jungen Welt
4.1. Geschichte und Rolle der jungen Welt als Zeitung der FDJ
Daß es die junge Welt überhaupt gibt, ist ein paar bemerkenswerten Singularitäten der Weltgeschichte zu verdanken. Am Anfang steht eine Zeitung gleichen Namens (aber mit großem "J"), die während des Zweiten Weltkriegs im Londoner Exil von der damals schon als Bündnisorganisation existierenden Freien Deutschen Jugend herausgegeben wurde. In der SBZ und der DDR wurde die Junge Welt das Zentralorgan der gleichnamigen Staatsjugendorganisation. Zuletzt war sie die auflagenstärktste Zeitung der DDR, (...)." [22]
Für die Junge Welt war nach 1989 eine grundsätzlich neue Standortbestimmung erforderlich. Meinungsfreiheit als Voraussetzung, um endlich das schreiben zu können was man für richtig und wichtig hält, war aber noch kein Konzept. Der mit dem Systemwechsel verbundene Rollentausch von der Stütze der Macht zu deren Kritikerin, erforderte eine Positionierung im politischen Spektrum, verbunden mit einer Setzung inhaltlicher wie formeller Schwerpunkte.
In der DDR zielte die Junge Welt als Teil der FDJ darauf, die Jugend für die DDR und gegen Kapitalismus, BRD und USA zu erziehen. Die FDJ fügte sich in dem im Politbüro zentralisierten Machtapparat ein. Das für die "Diktatur des Proletariats" einstehende Politbüro begriff sich als geschichtlich wie ideologisch legitimiert; weitere Instanzen zur demokratischen Entscheidungsfindung, die nicht direkt oder indirekt durch das Politbüro zu legitimieren waren, wurden als potentiell bedrohlich wahrgenommen und nach Kräften verhindert. Die FDJ und mit ihr die Junge Welt diente so der Lenkung nach unten ohne nach oben selbst je mitbestimmen zu können, kurz: ihre Rolle war als grundsätzlich staatstragend definiert.
Mit dem Übergang zum politischen System der Bundesrepublik
war die Machtfrage nicht mehr so klar zentralisiert. Der Pluralismus
teilte Macht zwischen Regierung und Parlament, Bundesrat und
Bundestag, Exekutive und Judikative, Parteien, Verbänden und
Lobbys, den sich als vierte Gewalt verstehenden Medien und
natürlich dem Wahlvolk. Wogegen und wofür sollte die Junge
Welt fortan einstehen? Welchen Ansatzpunkt für Kritik gab
dieses, in der politischen Mitte stabilisierte System her? Der durch
die Massen herbeidemonstrierte und durch Gorbatschow vorhergesagte
Systemzusammenbruch machte eine Weiterführung der alten
Systemkritik an der BRD unmöglich, gleichzeitig konnte man im
Stil der Wendehälse weder die eigenen Biographie umdichten noch
gegen die linken Einstellungen der verbliebenen Leserschaft
schreiben. Die Junge Welt besann sich in dieser Situation darauf,
ihre grundsätzlich staatstragende Funktion weiterzuführen
und fortan im politischen System der BRD konstruktive Kritik von
links zu leisten und nahm fortan, zusammen mit der ihr nahestehenden
PDS, als linke Sachwalterin ostdeutscher Interessen am politischen
System der BRD teil, ohne freilich genauer zu wissen, wie diese
Interessen zu definieren sind und wie man realistisch/konstruktiv und
gleichzeitig links sein konnte. Konzeptionslosigkeit war die
Folge.
"Es war nicht unbedingt selbstverständlich, daß die Junge Welt nach 1989 unter die Räder geraten mußte. Der neue Chefredakteur Jens König, der am 20 November 1989 noch vom alten FDJ-Chef Eberhard Aurich eingesetzt wurde, gab sich alle Mühe, die Zeitung überflüssig zu machen. Königs Junge Welt steuerte einen unentschiedenen, kaum erkennbaren politischen Kurs, der fern an die Wege sowohl der PDS als auch der Bündnis 90-Rechten erinnerte, vor allem aber auf das im Untertitel angesprochene Bekenntnis Ostdeutsche Tageszeitung" setzte. Die publizistische Linie des Blatts griff ein paar Boulevardpresseelemente auf, ohne freilich auch hier eine wirkliche Entscheidung zu treffen. Leitartikel in einem Stil, der die angestrengte Jugendlichkeit der FDJ mit staatstragenden Wenn-ich-Bundeskanzler-wäre-Kommentaren auf das unerquicklichste verband, rundeten das Bild ab. (Einige Edelfedern jener Zeit zieren heute angebrachterweise diverse PDS- und Bündnis 90-Pressestellen.)" [23]
Andreas Fanizadeh beschreibt die Junge Welt in ihrer alten Form
(nach 1989) mit den Worten: "(...) mit ihrem Konzept nach 1989 hat
sie sich ein klein wenig den Ruf erworben, sowas wie die Bildzeitung
für Ost-Linke zu sein. Ihre LeserInnenschaft hat sie mit einer
verwaschenen und populistischen Kritik an der politischen Klasse"
bedient, darüber einen reaktionären Opfermythos
eintrainiert und zur nostalgischen Ost-Identitätsbildung
beigetragen." [24]
Einher ging diese Richtungslosigkeit mit dem freien Fall der
Abonnentenzahl, die vor 1989 bei 1,6 Millionen lag, dann auf 70 000
im Jahr 1992 sank und nochmals auf 30 000 in 1994. Der damalige
Inhaber der jungen Welt, die Mediengruppe Schmidt und
Partner, entschied in dieser Situation den Konkret-Herausgeber
Herrmann L. Gremliza für der Beratung zu einem neuen
Zeitungskonzept heranzuziehen.
4.2. Der Gremliza-Kurs
"Gremlizas Konzept bestand im wesentlichen aus drei Teilen. Zunächst bekam das Blatt ein neues Gesicht (Layout, Anm. d.V.). (...)Gremliza entwarf weiterhin eine neue Blattstruktur, (...). Das markanteste Element war am Anfang sicher die neue Titelseite, auf der die wichtigen Nachrichten des Tages zu einem einzigen Artikel verarbeitet werden sollten. (...) Leider zeigte sich, daß das Verfahren nicht praktikabel war, weil ihm letztlich kaum ein Autor gewachsen war (...). Die erfolgreichste Innovation Gremlizas waren die drei Interviews auf der ersten Doppelseite der jungen Welt, eine Maßnahme, die die unvermeidliche linke Nabelschau täglich mit einem Schuß Realität auf den Boden zurückholte." [25]
Mit diesen formellen Neuerungen verband sich auch ein Tendenzwechsel, dieser "war weniger konkret ausformuliert (...) als vielmehr durch Personalentscheidungen durchgesetzt". [26]
In einem Interview gegenüber der taz mit Hans-Herrmann Kotte äußerte Gremliza zum "Gremliza-Kurs": [27] "Wir können keine komplette Tageszeitung, keinen linken "Klein Tagesspiegel" machen, also werden wir machen, was wir vielleicht können: einen anderen Typ Tageszeitung, der die gewohnten Rituale nicht achtet, nicht die Pflicht des Chronisten, nicht die des Politikberaters und nicht die Rolle der "vierten Gewalt". Die Pflicht des Kritikers ist es, die Kritik zu machen." [28]
Und Kritik muß nach Gremliza nicht immer schon das realpolitisch Erreichbare miteinkalkulieren. "Heute vormittag hat der Bonner Korrespondent des Blattes gesagt, er könne für diese Zeitung nicht weiter arbeiten. Er wolle ein seriöser Journalist bleiben, und seriös zu bleiben, heiße für ihn, daß er Kritik nur üben könne, wenn er zugleich vorzuschlagen wisse, wie es besser geht. Daß er also keine sozialen Forderungen akzeptieren werde, wenn die Fordernden nicht sagen könnten, aus welchem Haushalt die nötigen Mittel kommen sollen. Er muß unbedingt den Schatten- Finazminister spielen, so wie jeder Volontär beim Altöttinger Liebfrauenboten in der ersten eigenen Lokalglosse in die Rolle Schatten-Bürgermeisters schlüpft. In der neuen Jungen Welt wird es diese Attitüde nicht mehr geben."[29]
Mit Jürgen Elsässer begann auf Gremlizas Empfehlung ein ganz besonders unbeugsamer Marxist in der Redaktion der Jungen Welt. [30] Im von ihm mitverfassten Buch "Vorwärts und vergessen?" rechnet er im Kapitel "Das Ende des Reformismus", den Versuchen von SPD, Bündnis 90/die Grünen und PDS eine sozialreformerisch-keynisianische Umverteilungspolitik zu betreiben, die engen und enger werdenden Spielräume vor:
"Doch seltsam: Überall, wo die Bonner Opposition
ihrerseits regiert, betreibt sie eine nicht weniger drakonische
Haushaltspolitik als CDU/CSU und FDP. Dies betrifft nicht nur SPD und
Grüne - man denke an die Sparorgien der Schröder-Regierung
in Niedersachsen oder des Frankfurter Stadtkämmerers Tom Koenigs
sowie Heide Simonis harten Kurs in den Tarifverhandlungen mit der
ÖTV, sondern auch die PDS: In insgesamt fünf Ostberliner
Stadtteilen (...) stellt die Gysi-Partei den Bürgermeister oder
die Mehrheit der Stadträte - in vier davon hat sie die Umsetzung
der vom rot-schwarzen Senat verfügten Sparmaßnahmen ohne
Abstriche vollzogen. (...) Der PDS-Bürgermeister von Hoyerswerda
wurde im Januar 1996 von der "Lausitzer Rundschau" gefragt: Ihre
Partei sagt: Nichts darf den kleinen Leuten weggenommen werden."
Brähmig antwortete darauf: "Das kann meine Partei sagen, solange
sie keine Verantwortung übernimmt. Sobald sie
Regierungsverantwortung übernimmt, muß sie mitmachen."
Elsässer schreibt weiter, daß das Erreichen der Maastrichter Konvergenz-Kriterien für die Zugehörigkeit zur europäischen Währungsunion zur weiteren Reduzierung der Staatsschulden treibt und diese wiederum nur über die fortschreitende Reduzierung sozialstaatlicher und gewerkschaftlicher Errungenschaften zu haben ist. Hier zitiert er aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einem Artikel über die Sparpolitik der aus der KPI hervorgegangenen, heute sozialdemokratischen PDS Italiens: "Am besten läßt man eine Politik der wirtschaftlichen Vernunft, der Haushaltssanierung, der geringen Staatsausgaben, der Einschnitte in das soziale Netz von der Linken ausführen." Elsässer weiter: "Der Widerstand sei dann geringer, da (FAZ, Anm. d. V.): "vom erklärten linken Schriftsteller Umberto Eco bis zum ehemaligen Chefredakteur der linksdemokratischen Parteizeitung Unit" und baldigen stellvertretenden Regierungschef Veltroni bei den leidgeprüften Italiener um Verständnis für die notwendigen Maßnahmen" geworben werde." Eine im übrigen kapitallogische Entwicklung auf die bekanntlich auch, die "Rechenmaschine"[31] Fugmann-Heesing -auf Bilanzen verweisend- sich beruft und von der Partei zähneknirschend akzeptiert wird. Elsässer: "Die sozialdemokratischen Sparschweinereien sind freilich nicht Ausdruck von Verrat oder Korrumption, sondern Indiz dafür, daß es zum Neoliberalismus im Rahmen des kapitalistischen Systems derzeit keine Alternative gibt."
Systemimmanente Kritik wäre daher Augenwischerei oder
sie greift zu kurz. Elsässer zieht im Vorwort zum genannten Buch
die Konsequenz: "Kommunismus, was sonst?" fragt er provozierend und
führt aus "Der Kommunismus sei unmöglich, höhnen die
Postmodernen. Ihnen wäre mit Wolfgang Pohrt entgegenzuhalten:
"Mit dem Kommunismus verhält es sich wie mit der Oase in der
Wüste. Es ist ziemlich unwahrscheinlich, daß der
Verdurstende sie findet - und dennoch ist sie seine einzige
Hoffnung."[32] Eine
nicht gerade populäre Analyse, sicher aber ist: Hier handelt es
sich um einen Standpunkt. Er kommt im übrigen nicht aus dem
Nichts, sondern bezieht sich auf Adornos Konzept der negativen
Dialektik. Klaus Briegleb brachte dieses, Leo Löwenthal
zitierend, auf folgenden Punkt:
"Leo Löwenthal verweist bis heute darauf, daß die Theorie der Gesellschaft und des bürgerlichen Individuums in der Moderne, vom Rande her" gedeutet werden müsse; er verwendet das Wort Exil für diese Ortsbestimmung (...). Leo Löwenthal drückt das heute so aus: Das negative war das Positive des Nichtmitmachens, der Verweigerung; die unerbittliche Analyse des Bestehenden (...). Man soll nichts vorwegnehmen, was der Mensch in Freiheit tun kann, und muß stets nein sagen zu dem was jetzt geschieht. Wir kommen aus der antithetischen Position Hegels nicht hinaus ... Die Synthese selbst ist nur von den Subjekten zu leisten. Wir sind die beteiligten Mitarbeiter an der negativen Phase des dialektischen Prozesses."[33]
Mit dieser Positionierung, dem angesprochenen "vom Rande her",
bezieht sich die junge Welt auf ein Außen, das wiederum
dem Außen der Jugendkultur ähnelt.
4.3. Das Außen der jungen Welt, Tageszeitung ohne Parteiverweis
Der "Tendenzschutz" ermöglicht dem Verleger einer Zeitung die Festlegung einer "publizistisch politischen Grundlinie." In einem plural verfaßten politischen System soll damit für einen Investor die Kontinuität des politischen Kurses einer Redaktion auf eine gesetzliche gestellt werden. In der Praxis führte diese Regelung zu einer Zuordbarkeit von Tageszeitungen zu einer durch eine Partei vertretenen politischen Programmatik. Dies bedeutet zunächst nicht Parteikonformität in der Berichterstattung. Der Parteienbezug einer Zeitung läßt sich trotz Eigenkennzeichnungen wie unabhängig, überparteilich" am besten mit Vokabeln wie eher" oder eben tendenziell" beschreiben: eher links/SPD, klare CDU-Tendenz usw. Die vertretenen Tendenzen in Kommentar und Berichterstattung lassen sich als die einem jeweiligen Parteiprogramm zumutbaren Standpunkte charakterisieren. Dabei nimmt die Zeitung die Interessen der jeweiligen Parteienklientel wahr und weist die Partei auf Defizite hin, seien es personelle oder programmatische. Eine Zeitung wäre somit bezeichenbar als intellektueller Braintrust, der unabhängig von der Partei, aber doch auf diese zielend, Einschätzungen vornimmt und Diskussionsstandpunkte auslotet. Eine Ausnahme bildet der Spiegel, der diese Zuordbarkeit weniger partei- als themenspezifisch gestaltet, dabei gleichwohl Tendenzen vertritt. [34].
Eine auf die parlamentarische Entscheidungsfindung zielende
Zuordbarkeit ist für die junge Welt nicht gegeben.
Außerparlamentarisch tätigen politischen und kulturellen
Gruppen rechnet man sich zu, ohne allerdings deren Analysen zu
übernehmen. Behnken: Wir sind keine Zeitung nur für
Randgruppen". Trotzdem sind die bei der jungen Welt
tätigen Redakteure politisch oder kulturell sozialisiert. Boris
Gröndahl beschreibt die Zusammensetzung der Strömungen der
Redaktion:
"Letztlich waren sie es, die die junge Welt in den vergangenen zwei Jahren prägten, weit mehr jedenfalls als alles beschriebene Papier. In der Redaktion agierten in wechselnden Kräfteverhältnissen diverse Fraktionen: Vertreter der klassischen antideutschen Konkret-Linie wie Jürgen Elsässer; im weiten Sinne der PDS- Mehrheitslinie zuzurechnende Kräfte wie Günter Kolodziej und Kathrin Gerlof; traditionell-kommunistische Leute wie Dietmar Koschmieder und Loni Dietrich aus der alten Redaktion; später der vom Neuen Deutschland geholte Holger Becker und der Österreicher Werner Pirker; das Cigarre-mit-,C' rauchende post-postmoderne Feuilleton um Stefan Ripplinger, Rayk Wieland, Heike Runge und Klaus Behnken, das wiederum sowohl postmoderne Poplinke wie Sebastian Wehlings, Harald Peters oder Jürgen Kiontke als auch hartgesottene prä-postmoderne Rüpel wie Carsten Otte zu Wort kommen läßt; der autonome und er ex-autonome Flügel (Oliver Tolmein, Wolf Dieter Vogel, Ivo Bozic), die Antifa (Benedikt Pauka); die Ex-Antifa (Benedikt Pauka) und weniger klar einzustufende Einzelkämpferinnen und -kämpfer." [35]
Nachzutragen bleibt, daß Klaus Behnken seit Mitte 1995 Chefredakteur ist und nach redaktionsinternen Auseinandersetzungen Günter Kolodziej und Kathrin Gerlof ganz fehlen und mit ihnen besagte PDS- Mehrheitslinie".
Diese Mischung des politischen Spektrums der Linken widersetzte sich nach Gröhndahl jeglichen politischen Vereinnahmungsversuchen Am schmerzhaftesten mußte und muß dies die PDS erfahren, die die junge Welt stets als ihr natürliches Eigentum betrachtet hat. Jeder Schritt der PDS in Richtung Sozialdemokratie oder linksvölkische Ost-CSU wird von der jungen Welt mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit verfolgt und angeprangert, ohne daß Gysi & Co gegen diese Kritik auf Mitleid machen können. Aber auch die Wünsche der Kreuzberger autonomen Antifa nach einer täglichen Interim, (...) wurden von der jungen Welt zumeist konsequent mißachtet."[36]
Damit begibt sich die jW ins Außen. Sie steht entweder der in die Bedeutungslosigkeit zurückgefallenen DKP nahe, den Autonomen, der Kulturlinken oder allgemein erkenntnistheoretischen Ansätzen, die eine Wissenschaft jenseits der Affirmation [37][38] einfordert.
Die Vermittelbarkeit der in der jungen Welt vertretenen Standpunkte an das politische System der Bundesrepublik, zielt eher auf Basisgruppen und Bürgerinitiativen als auf etablierte Parteien und Verbände. Mit ihrer Positionierung, die den Partikularismus der Basisgruppen überwindet und sich selbst als Zusammenfassung politisch aktiver Teilöffentlichkeiten versteht, verläßt die junge Welt regelmäßig das Areal systemkompatibeler Kritik und bekommt dafür regelmäßig vom Verfassungsschutz Besuch[39] - womit sie wirbt.
5. Zusammenfassung: Ähnliches und Trennendes
von politischem Radikalismus und Jugendkultur
Ist das Außen der jungen Welt mit dem Außen der Jugendkultur vergleichbar? Läßt sich aus der Tatsache, daß die meisten Neuabonnenten der jungen Welt aus der jüngeren Altersgruppe kommen, eine Ähnlichkeit von Jugendkultur und politischem Radikalismus belegen? Oder auf den Punkt gebracht: Ist eine Politisierung kulturvermittelt bzw. haben umgekehrt politisch Linksradikale stets erlesene Plattensammlungen?
Letztere Frage läßt sich verneinen, aber auch nur mit Einschränkungen, denn viele maßgebliche Musikkritiker sind Marxisten und richtig ist auch, daß auf einem SPD- oder CDU- Parteitag noch nie eine auch nur halbwegs hippe Band gesichtet wurde, während umgekehrt auf einem Fest der jungen Welt die coolen Atari Teenage Riot einen Auftritt hatten.
Die Vergleichbarkeit ist eine strukturelle. Aus der Jugendkultur wie aus dem politischen Radikalismus entlehnte utopische Gesamtentwürfe, die sich nicht auf einen Partikularismus beschränken, entstehen im Außen. Dieses Außen ist quasi die Bedingung der Möglichkeit einer Kritik, die keine affirmative sein will, wie auch von ästhetischer Entwicklung. Beide Ansätze sind durch die politischen wie ästhetischen Institutionen nicht oder noch nicht vermittelbar. Die Vermittlung an das Innen erfolgt verzögert und vereinzelt. Kultur wird absorbiert, meist um den Preis ihrer ästhetischen Verwässerung oder der Dekontextualisierung der sie prägenden Zeichen bzw. nachdem eine Ästhetik in eine vermittelbare, weil verständliche Phase übergetreten ist. Radikale politische Forderungen oder als radikal empfundene Erkenntnisse werden ebenfalls vereinzelt und verzögert durch die entscheidungstragenden gesellschaftlichen Institutionen aufgegriffen oder geraten über den Weg der akademischen Thematisierung ins gesellschaftliche Innen der Universitäten.
Verbindungen zwischen den beiden Sphären sind zumeist
so kurzfristig wie regelmäßig. Atari Teenage Riot rocken
zwar für die junge Welt, gehen aber in andere Clubs und
haben ein Publikum, von dem vermutlich nur ein kleinerer Teil die
junge Welt liest. Eine strukturelle Ähnlichkeit
ist vorhanden, nicht mehr und nicht weniger.
Literatur
B., Henning "Ein Reisezug durch Tekkno", 1993
Diederichsen, Diedrich, "Zehn Thesen zu Pop", in Spiegel Spezial, Pop und Politik, 1994
Diederichsen, Diedrich, "Sexbeat", 1985
Elsässer, Jürgen, "Vorwärts und Vergessen?" 1996
Friedrichsen, Jürgen, "Methoden empirischer Sozialforschung" 14. Auflage, 1994
Helsper, Werner, "Jugend zwischen Moderne und Postmoderne" Opladen 1991
Seidl, Claudius "Schrotthaufen der Geschichte", in
Spiegel Spezial, Pop und Politik 1994
Zeitschriften
Frontpage, 1994
Spex, 1996
Der Spiegel, 1996
Zitate aus der taz stammen von der CD-ROM der taz, 1996
Zitty, Nr. 15 u. Nr. 23, 1996
1 FSK sind Freiwillige Selbstkontrolle, eine
seit ca. 1981 aktive, in München beheimatete Band
2 Fend 1988, S. 51 f. zitiert nach Helsper, Werner
1990, S. 12 f.
3 Heiser, Jörg, in der taz vom 3.9.93
4 Diedrich Diederichsen in Spiegel Spezial "Pop und
Politik", 1994
5 Jörg Heiser in der taz vom 3. 9. 93
6 siehe Fußnote 4
7 1982 wollte der Bürgermeister Detroits die Stadt
zum Notstandsgebiet erklären, da viele Einwohner an Hunger
litten
8 Eine Aussage, die sinngemäß zwar bei einem
Interview mit der Band Galliano fiel, von Teilen der Technokultur
aber voll übernommen wurde
9 Frontpage, Nr. 7/94
10 Diedrich Diederichsen, in Spiegel Spezial Pop und
Politik 1994, S. 24
11 vergl. Diedrich Diederichsen "Sexbeat"1985
12 So formierte sich in den späten 80ern im
legendären Münchener Fanzine "Howl" das als Grunge, mit
allem was dazu gehört, ohne daß Grunge als Begriff ein
einziges Mal Verwendung fand.
13 der Fanzinemacher zahlt in der Regel drauf, aber
das macht nichts, denn sein Leben ist ganz dem Fantum unterstellt
14 ich erinnere mich an die in Kerstin und Sandra
Grethers Fanzine "Straight" getroffene Aussage (sinngemäß)
"wenn ich irgendwann kein Ramones-Fan bin, ist es Zeit
abzutreten".
15 Burger, Jörg, "In Computerbeats mischt sich
Katzenjammer" in Süddeutsche Zeitung 27/12/96, zitiert nach
B.,Henning (1993)
16 Vergl. Meldung zum Junglemusiker Goldie in Spiegel
S. 164, Nr.29, 1995
17 "Spuren entfremdeter Arbeit im ästhetischen
Material, denen noch der ödesten Hit seine Form zu verdanken
hat" formulierte es Diedrich Diederichsen, aus dem Gedächtnis
zitiert, die Quelle ist leider nicht mehr auffindbar.
18 Thomas Groß, in der taz vom 3.8.1992
19 Auf deren erstem Cover einer für die
"Industrie" produzierten Platte bekanntlich ein im Pool tauchendes
und nach einem Dollarschein greifendes Baby zu sehen war.
20 Tom Frank, in Spex Oktober 1996
21 Der Rechtsschwenk z.T. ehemaliger
Linksintellektueller (Strauß, Enzensberger, Walser) benutzt
Ansätze (dekontextualisierte versteht sich), die in der
Jugendkultur um 1982 mit einstmals linkem Impetus ihre erste
Anwendung fanden. Vergl. Claudius Seidl in Spiegel Spezial "Pop und
Politik" oder Diedrich Diederichsen in Zitty Nr. 23, 1996
22 Gröndahl, Boris
23 siehe Fußnote 22 S. 105
24 Andreas Fanizadeh, in die Beute 2/1994 S. 49
25 siehe Fußnote 22
26 siehe Fußnote 22
27 Der Chefredakteur der Jungen Welt, Klaus Behnken,
gebrauchte im Interview mit dem Autor und Felix Steinbild Juli 1995
diesen Begriff
28 taz vom 7.5. 1994
29 Gremliza im Interview mit Andreas Fanizadeh, in die
Beute 2/1994, S.50
30 Elsässer kommt noch am ehesten die Rolle des
"Chefideologen" zu, wenngleich ich diese Aussage dahingehend
relativieren muß, daß schon aufgrund der
genossenschaftlichen Organisationsstrukturen der jungen Welt keine
Chefvollmachten vorhergesehen sind und auch Elsässers
inhaltliche Positionen während der Redaktionssitzungen immer
wieder heftiger Kritik ausgesetzt sind.
31 Bruno Preisendörfer in Zitty, Nr. 15, 1996
32 Jürgen Elsässer, 1996
33 Anläßlich einer Laudatio für Leo
Löwenthal zu dessen 90. Geburtstag und der Verleihung des Adorno
Preises an ihn. taz vom 11.2.1995
34 Zunehmend rechte im übrigen, was nicht
verhinderte, daß Ernst Albrecht (CDU) den Spiegel einst als
"linke Kampfpresse" titulierte.
35 Boris Gröndahl in die Beute Herbst 1996 S.
108
36 ebd. S. 108
37 Wonach Aufklärung in Zerstörung und
Selbstzerstörung endet, was die zugrundegelegte These der
"Dialektik der Aufklärung" (1947) von Horkheimer und Adorno
war.
38 vergl. Friedrichsen, Jürgen (1970) über
den Positivismusstreit in den Sozialwissenschaften, S. 15 f.
39 "Hoffentlich macht ihr bald dicht", so ein Polizist
/ Mann des Verfassungsschutzes während einer Durchsuchung der
Redaktionsräume, deren Zeuge der Autor wurde.