Werner Stangls Lehrtext.Sammlung
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Ingrid Kromer
Abschied von der Kindheit?
Die Lebenswelten der 11- bis 14jährigen Kids.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
Dieses Pilotprojekt, durchgeführt im Auftrag des BM für Jugend und Familie, gibt einen Einblick in die Lebenswelten der 11- bis 14jährigen Mädchen und Burschen und beleuchtet jene Dimensionen, die für den Übergang zwischen Kindheit und Jugendalter charakteristisch sind beziehungsweise als bedeutsam erlebt werden. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen das Wissen um die spezifische Lebenssituation der Kids dieser Altersstufe erweitern und gleichzeitig zu einem besserenVerstehen und daraus folgend zu einem adäquatem Umgang mit Heranwachsenden anleiten.
Derzeit findet in Österreich die Altersgruppe der 11- bis 14jährigen in aktuellen Kinder- und Jugendstudien kaumBerücksichtigung, da sich Jugendstudien meist auf Personen ab dem 15. Lebensjahr und Kinderstudien auf Personen bis zum 12. Lebensjahr konzentrieren. Die Kids werden somit in der (außerschulischen) Kinder- und Jugendforschung vernachlässigt, obwohl es gegenwärtig in Österreich mehr als 380.000 Mädchen und Burschen im Alter von 11 bis 14 Jahren, das sind 4,8% der Gesamtbevölkerung gibt.
Die besondere Situation der 11- bis 14jährigen Kinder und Jugendlichen ergibt sich unter anderem daraus, daß sie am Übergang zwischen Kindheit und Jugendalter stehen, und ihr Selbstverständnis vom Eintritt in die Jugendkultur und dem Zurücklassen ihrer Kindheit bestimmt wird. In dieser Phase der Frühadoleszenz beginnen Heranwachsende den Übergang von einer primär familienzentrierten zu einer auf das gesamtgesellschaftliche System bezogenen Identität zu vollziehen. Ziel dieses Entwicklungsstadiums ist es, daß der/die Heranwachsende weiß, wer er/sie ist, was er/sie will und warum das zu wollen sinnvoll sein kann.
In unserer Untersuchung geht es vor allem um eine überblicksartige Beschreibung einer vernachlässigten" Altersgruppe, die im Übergang zwischen Kindheit und Jugendalter steht. Auch diese Studie kann daher einer Gesamtporträtierung der Altersgruppe der 11- bis 14-jährigen nicht gerecht werden, jedoch können Tendenzen und Richtungen aufgezeigt werden.
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Kind oder JugendlicheR?
Bei der Repräsentativerhebung (KIDSí95-R) wurden Kids befragt, wie sie sich selbst einschätzen würden, also als Kind, als Jugendliche/r oder als Erwachsene/r.

Mehr als die Hälfte der befragten 11- bis 14jährigen Kids (63%) definieren sich als Jugendliche. Bei der Auflistung nach Alter ist ersichtlich, daß sich ab dem 12. Lebensjahr bereits mehr als die Hälfte der Kids als Jugendliche/r fühlen und nur die 11jährigen sich überwiegend (62%) als Kind einstufen.
Die Ergebnisse der qualitativen Interviews mit den Eltern verstärken den Eindruck, daß es sich bei den Kids überwiegend um Jugendliche handelt. Der überwiegende Anteil der befragten Mütter beobachtete im letzten Jahr deutliche soziale, physi-sche und psychische Veränderungen bei ihren 11- bis 14jährgen Töchtern und Söhnen und verstärken den Eindruck, daß wir es bei den 12- bis 14jährigen Kids mit Jugendlichen zu tun haben.
Bei Gruppendiskussionen wurde durch die Schul- und FreizeitpädagogInnen ebenfalls eine Positionierung in der Frage: Sind 11- bis 14jährige Kids Kinder oder Jugendliche? vorgenommen. Die PädagogInnen sehen in dieser Altersgruppe große &endash; insbesondere geschlechtsspezifische und stellen einen Bruch zwischen dem 12. und 13. Lebensjahr fest. Die 11/12jährigen würden sie eher als Kinder und die 13/14jährigen eher als Jugendliche definieren.
Man wird wohl sagen müssen, daß Kids weder nur Kinder noch nur Jugendliche sind. Die 11- bis 14jährigen Mädchen und Burschen sind beides, wobei tendenziell bei den 11jährigen von Kindern und bei den 12- bis 14jährigen von Jugendlichen zu sprechen ist.
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FreundInnen und Freundschaftsgruppen
Die Daten der vorliegenden Studie Abschied von der Kindheit? Die Lebenswelten der 11- bis 14jährigen Kids" zeigen deutlich auf, daß FreundInnen und Freundesgruppen eine zentrale Bedeutung für die Frühadoleszenten besitzen. Neben der Familie werden sie zur bedeutsamen Sozialisationsinstanz. Freunde und Freundinnen als außerfamiläre Bezugspersonen sind für Kids eine wesentliche Instanz um diese Zeit des Umbruchs zu bewältigen. Freundschaftsbeziehungen stehen an Wichtigkeit der Eltern-Kind-Beziehung nur um wenig nach, wobei sich mit zunehmenden Alter deren Bedeutsamkeit noch steigert.
Eine wichtige Freundschaftsform ist bei den 11- bis 14jährigen Kids die fixe (Gleichaltrigen)Gruppe von Mädchen und/oder Buben; also die Clique, die überwiegend aus 6-10 Personen besteht. Ein Viertel der befragten Kids gibt an, Mitglied einer bestimmten Gruppe zu sein, wobei mit zunehmenden Alter die Gruppe wichtiger wird. Signifikante geschlechtsspezifische Unterschiede sind dabei nicht zu finden. Peer-groups sind keine Domäne der Burschen mehr.

Neben Freundschaften der Kids mit mehreren Mädchen und/oder Buben in lockeren Verabredungsformen hat die enge Beziehung zu einem/r oder mehreren allerbesten FreundInnen besondere Bedeutung für weibliche und männliche Kids. Der/die beste FreundIn ist jene Person, der man seine Probleme anvertraut und bei der man sich in Zeiten des Umbruchs, der psychischen und physischen Veränderung, so wie man ist, akzeptiert fühlt. Diese Freundschaftsbeziehungen werden meist in der mittleren Kindheit geknüpft und stehen für Kontinuität und Verläßlichkeit.
Betrachtet man die Orte genauer, wo Freundschaften geknüpft werden, so wird deutlich, daß die Schule eindeutig der vorrangigste Raum für das Kennenlernen von FreundInnen ist. Ein weiterer wichtiger Ort ist die Nachbarschaft. Darüber hinaus ist Schule nicht nur der soziale Raum, in dem Freundschaften geknüpft sondern vor allem auch intensiviert und gepflegt werden.
Die eindeutige Präferenz von gleichgeschlechtlichen FreundInnen/Freundesgruppen in der mittleren Kindheit lockert sich langsam zugunsten geschlechtsheterogener Beziehungen und weicht einem neu erwachenden Interesse für das andere Geschlecht. D.h., mit zunehmendem Alter gewinnt das Zusammensein mit gemischtgeschlechtlichen FreundInnen/Freundesgruppen an Bedeutung.
Das Verhältnis der Buben zu den Mädchen ist einerseits durch Distanz und Abwertung, andererseits durch den Wunsch nach Annäherung gekennzeichnet. Im Vordergrund steht zunächst die Abwertung des anderen Geschlechts. Mädchen sind für Buben aber auch begehrenswerte Objekte. Die Annäherungsversuche der Buben sind oft rauh und aggressiv und bieten die Möglichkeit, die Ambivalenz zwischen wollen und eigentlich noch nicht wollen" auszuleben. In ihren erotischen Wünschen werden die Buben nicht selten zurückgewiesen, denn für die gleichaltrigen Mädchen sind sie oft noch zu jung", diese wenden sich eher älteren Burschen zu.
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Freizeitkultur
Die häufigsten und beliebtesten Freizeitaktivitäten von 11- bis 14jährigen Kids sind aufgrund der quantitativen und qualitativen Ergebnisse folgende vier Aktivitäten: Bei Mädchen kommt an erster Stelle mit meinen FreundInnen etwas unternehmen und bei Burschen Fernsehen/Video ansehen, an zweiter Stelle kommt bei beiden Geschlechtern Musik hören, den dritten Rang nimmt bei Mädchen Fernsehen/Video ansehen und bei den Burschen Sport betreiben ein. Dieses Ergebnis bestätigt die wichtige Rolle von Musik im Leben der 11- bis 14jährigen Mädchen und Burschen. Ein Vergleich mit der Kontrollgruppe zeigt, daß Musik hören für die 15- bis 17jährigen noch einen größeren Stellenwert in ihrer Freizeit einnimmt.
Den Bildungsansprüchen der sogenannten Hochkultur", wie Konzerte und Theater besuchen, kommen die befragten Kids selten bis nie entgegen. Auch die Items Besuch eines Jugendzentrums/Freizeitclubs und Besuch einer Kinder-/Jugendgrupperangieren auf den letzten Plätzen der Freizeitaktivitäten. Dies entspricht auch den Einschätzungen der Kinder- und Jugendverbände, die Kids dieser Altersgruppe kaum zu ihren Mitgliedern zählt.
Signifikante Geschlechtsunterschiede zeigen sich vor allem bei folgenden Freizeitaktivitäten: Während Burschen deutlich häufiger Sport betreiben, sich mit dem Computer beschäftigen/ spielen und Sportveranstaltungen besuchen, bevorzugen Mädchen Bücher lesen, Schreiben von Liedtexten, Tagebuch und Gedichten sowie Tanzen. Geschlechtsspezifisches Rollenverhalten beeinflußt auch heute noch das Freizeitverhalten der Kids.
Die unterschiedlichen Musikstile und Musikrichtungen stehen im Zentrum des kulturellen Interesses von Heranwachsenden. Innerhalb der Gleichaltrigengruppe ist die Aneignung eines spezifischen durch den Musikkonsum vermittelten Lebensstils von hohem Statuswert und kennzeichnet Individualität und Nicht-Angepaßt-Sein. Auf die Fragestellung Welche Art von Musik hörst Du gerne bzw. am liebsten? nannten die befragten Kids drei Lieblingsstile, die sie aus 14 vorgegebenen Itemsauswählten.

Mehr als die Hälfte der befragten Mädchen und Burschen bevorzugen die Pop-Musik. Dann unterschieden sich die Geschmäcker: bei Mädchen kommt an zweiter Stelle Kuschel-Rock und bei Burschen Techno. An dritter Stelle steht bei Mädchen Techno und bei Burschen Hip-Hop. An vierter Stelle kommt bei den Mädchen Hip-Hop und bei den BurschenHeavy Metal. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Präferenz der Burschen für härtere Rhythmen; Mädchen hingegen bevorzugen eher einen weicheren melodiöseren Musikstil als Burschen.
Weiters zeigen die Ergebnisse, daß sich der favorisierte Musikstil mit dem Alter und auch mit der Selbsteinschätzung, Kind oder als Jugendliche/r, korreliert. So ist zwar Popmusik nach wie vor die Lieblingsmusik und die ersten fünf Stilrichtungen bleiben innerhalb einer 5er Rangliste, aber weitere typische Musikstile, die jugendkulturelle Bedeutung haben wie Independent, Dance oder Grunge nehmen mit dem Alter und dem Selbstverständnis als Jugendliche/r zu, während Volksmusik und Schlager signifikant an Bedeutung verlieren.
Burschen nennen Sport betreiben an dritter Stelle als ihre häufigste Freizeitbeschäftigung im Gegensatz zu den Mädchen (achter Stelle) und drücken damit auch die besondere Wichtigkeit für sie aus. Diese besondere Affinität der Burschen gerade in der Zeit der Frühadoleszenz für Sport läßt sich u.a. damit begründen, daß die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtsrollenidentität verstärkt Bedeutung hat und Themen wie Leistung, Stärke, Erfolg, Konkurrenz oder Körper in der Begeisterung für Sport ihren Ausdruck finden.
Auch Mädchen betreiben aktiv Sport &endash; wenn auch nicht den Volkssport" Fußball und so ausdrücklich definiert wie bei den Burschen. Ihre sportlichen Aktivitäten sind sehr vielfältig und reichen von Reiten (der Mädchensport für eine bestimmt Schicht schlechthin) bis Billardspielen, von Rollschuhfahren bis Wandern. Sport ist jedoch nur eine Freizeitbeschäftigung neben vielen anderen Möglichkeiten. Für Mädchen ist Sport nicht in diesem großen Ausmaß für die Identitäts- und Rollenfindung bedeutsam ist wie für die Burschen gleichen Alters.
Mode, als umfassendes kulturelles Gestaltungskonzept, ist auch für 11- bis 14jährige ein Thema. Das richtige Outfit", vor allem im Freizeitbereich, ist für Heranwachsende von entscheidender Bedeutung. Am Bekleidungssektor haben sich bestimmte IN"-Marken wie Diesel, Chiemsee, Replay, OíNeil, Chevignon, Pod and Wet, Doc Martens, Nike, Levis Jeans etabliert, die Kids kaufen und für einen Großteil der Heranwachsenden auch unabdingbarer sind. Fast alle befragten Kids sind sich einig, daß Markenkleidung absolut IN" ist. Jugendmode ist jedoch mehr als Bekleidung, sie präsentiert sich durch verschiedenste Accessoires und Symbole, Verhaltensweisen, bevorzugte musikalische Stile und Freizeitaktivitäten u.v.m.
Gemeinsam ist allen Kids das Bemühen um ein cooles Aussehen, und das verlangt natürlich eine coole Musik und eine coole Ausdrucksweise. Die Daten zeigen auch, daß cool sein vor allem für Burschen eine große Bedeutung hat.
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Lebenswelt Familie
Obwohl in dieser Altersstufe die Gleichaltrigen(Gruppen) als Bezugspersonen und Sozialisationsinstanz zunehmend an Bedeutung gewinnen, bleibt die starke Bindung an die Familie noch im wesentlichen erhalten, auch wenn sie sich mitzunehmenden Alter allmählich zu lockern beginnt. Die Eltern sind nach wie vor die primären Bezugspersonen. Es ist daher angezeigt, eher von einer Umstrukturierung der Beziehung zu den Eltern, als von Ablösungsprozessen zu sprechen.
Im Gegensatz zu den 15- bis 17jährigen unternehmen die Kids noch gerne etwas mit den Eltern. Besonders beliebt sind gemeinsame Ausflüge oder sportliche Aktivitäten am Wochenende sowie gemeinsame Urlaubsreisen. Nur wenn man mit Gleichaltrigen zusammen ist, hat man die Eltern lieber nicht dabei.
Die geschlechtsspezifischen Rollen in der Familie scheinen sich in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich verändert zu haben. Die Väter glänzen nach wie vor durch Abwesenheit und sind die strenge" Instanz, während die Mütter sich nach wie vor um alles kümmern, liebevoll und fürsorglich sind.
Die Mädchen haben in dieser Altersstufe ein distanzierteres Verhältnis zum Vater. Vor allem die älteren Mädchen haben ein konfliktreicheres Verhältnis zur Mutter. Hier scheint sich u.a. der Entwicklungsvorsprung" der Mädchen bemerkbar zu machen, denn entsprechende Konflikte und Abgrenzungsbedürfnisse lassen sich mit Verspätung" bei den 15- bis 17jährigen Burschen feststellen. Trotz des aufbrechenden Konflikte der Mädchen mit der Mutter stehen die Mütter, bei den Mädchen die Vorbilder nennen, an erster Stelle, die Vorbildfunktion der Väter für die Söhne ist bei weitem nicht so ausgeprägt. Die Konsequenzen ihrer Abwesenheit" werden u.a. auch hier ersichtlich.
Bei den Konflikten mit den Eltern handelt es sich um alltäglich Dinge wie Fernsehen, länger Aufbleiben, Schulnoten, Kleidung/Frisur, FreundInnen, laute Musik, freches Verhalten. Im Laufe der Frühadoleszenz nehmen die Konflikte um länger Aufbleiben und Fernsehen ab, alle anderen Konfliktbereiche steigern sich in der Häufigkeit, mit Ausnahme des Konfliktthemas (Un-)Ordnung, das ein gleichbleibender Dauerbrenner ist.
Das Erziehungsverhalten der Eltern scheint sich in den letzten Jahrzehnten in Richtung eines weniger autoritären Erziehungsstiles geändert zu haben und der Großteil der Eltern ist im Erleben der Kids für sie da, wenn ihre Kinder sie brauchen. Ein Viertel der Befragten gibt sogar an, daß die Eltern alles erlauben was sie wollen." Neben diesem gelockerten Erziehungsverhalten der Eltern darf jedoch nicht übersehen werden, daß mehr als ein Viertel der Heranwachsenden immer das tun muß, was die Mutter bzw. der Vater will und ein Drittel die Eltern als sehr streng erlebt. Beinahe jedeR zehnte Jugendliche hat Angst vor den Eltern.
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Lebenswelt Schule
Der überwiegende Teil der Kids geht gerne in die Schule, aber nicht in erster Linie aus Interesse am Unterricht, sondern weil Schule für die Kids ein sozialer Treffpunkt mit Gleichaltrigen ist. Die unterrrichtsfreie Zeit (z.B. Pausen), und das was neben und trotz des Unterrichts passiert, macht für die Kids die wesentliche positive Qualität von Schule aus.
Das heißt aber nicht, daß Kids generelles Desinteresse am Unterricht haben: meistens sind es einzelne Fächer die die Kids interessieren und derentwegen sie gerne in die Schule gehen, gleichzeitig sind es einzelne Fächer die man unsinnig findet, in denen man Probleme hat, die einem den Spaß an der Schule verderben können.
Lernen in der Schule wird als notwendiges Mittel zur Erreichung späterer Ziele angesehen. Es ist weniger die angebotene Bildungserfahrung, die für Kids den Schulbesuch sinnvoll erscheinen läßt, sondern es herrscht eine instrumentelle" Lernmotivation vor: eine gute Schulbildung, das Wissen bestimmter Lerninhalte ist notwendig, um später einen guten Job und eine gewisse soziale Position zu erreichen. Das heißt aber auch, daß Kids zumindest langfristig einen Zusammenhang zwischen ihrem aktuellen Schulalltag und ihrer späteren Bildungs- und Berufsentwicklung sehen können.
HaupschülerInnen zeichnen sich in einem höheren Ausmaß durch Schulunlust aus als GymnasiastInnen. Das könnte u.a. im als minder erlebten sozialen Prestige der Hauptschule aber auch im von den HauptschülerInnen als geringer eingeschätzten Schulerfolg begründet sein. Buben gehen weniger gern in die Schule und schätzen auch ihre Schulleistungen weniger gut ein als die Mädchen. Die Freude am Schulbesuch und Schulleistung nimmt zwischen dem 11. und 14. Lebensjahr kontinuierlich ab.
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Ausbildungs- und Berufsperspektive
Das finden einer Ausbildungs- und Berufsperspektive ist in dieser Lebensphase noch nicht für alle Kids gleichermaßen ernst. HauptschülerInnen müssen sich früher entscheiden, während für GymnasisatInnen diese Entscheidung noch in weiter Ferne liegt. Die grundsätzliche Entscheidung ob man nach der Schule gleich einen Beruf ergreifen will oder sich noch lieber weiterbilden will, ist für HauptschülerInnen, die diese Entscheidung in naher Zukunft treffen müssen, keineswegs klarer als für GymnasiastInnen. Vor allem die weiblichen HauptschülerInnen weisen ein hohes Maß an Orientierungslosigkeitbezüglich ihres weiteren Ausbildungs- und Berufsweges auf.
Auf die Frage nach einem Traumberuf nennen mehr als ein Drittel der befragten Kids einen bestimmten Berufs(zweig). Die Berufswünsche der Kids sind großteils an der Realität orientiert; Traumberufe wie Popstar, Spieler in der Nationalmannschaft oder Tiefseetaucher werden in dieser Altersgruppe relativ selten genannt.
Eine Ausbildungs- und Berufsperspektive zu entwickeln, ist inzwischen auch für Mädchen zur Selbstverständlichkeit geworden. Insofern ist es in den letzten 30 Jahren zu einer Angleichung der Geschlechter gekommen. Anderseits zeigen sich in den Berufswünschen der Kids nach wie vor deutliche geschlechtsspezifische Präferenzen. Die Burschen tendieren zu typischen Männerberufen (handwerkliche und technischen Berufe) Mädchen in typische Frauenberufe (Krankenschwester, Kindergärtnerin, Lehrerin, Friseurin usw.).
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Werte- und Moralsystem
In der Altersphase der 11- bis 14jährigen findet der Übergang von einer moralisch heteronomen zu einer moralisch autonomen Urteilsfindung statt. 11jährige orientieren ihr Handeln und Urteilen eher nach dem Motto: wie Du mir, so ich Dir! bei 14jährigen wogegen die Urteilsfindung eher auf einer Übereinstimmung des eigenen Gewissens mit selbst gewählten ethischen Prinzipien beruht.
Der Wert verläßliche und gute FreundInnen haben ist für die Kerngruppe als auch für die Kontrollgruppe von elf zur Auswahl stehenden Werten am wichtigsten. Werte wie reich und vermögend sein und über andere stehen und bestimmen können sind am unwichtigsten für das Leben der 11- bis 14jährigen.
Anhand einer Faktorenanalyse wurden drei Wertedimensionen gebildet, die deutlich machen, daß für 11- bis 14jährige Kids die Dimensionen individuelles Harmoniestreben und sozialökologisches Harmoniestreben im Vordergrund stehen und Machtstreben weniger wichtig bzw. unwichtig ist. Der Wunsch nach Freiheit, Zufriedenheit, Einigkeit und Einklang mit sich selbst und der Umwelt ist als Ausgleich für das turbulente und veränderungsintensive Leben als FrühadoleszenteR zu interpretieren.

Die 11- bis 14jährigen sind von einem starken Problembewußtsein und politischem Engagement für soziale Umwelt geprägt. Ihre große Sensibilität und soziale Kompetenz für globale Probleme und Konflikte führt bei einem Teil der befragten Kids zu ngsten; bei einem großen Teil der 11- bis 14jährigen Kids lenkt aber gerade diese Unzufriedenheit zum konkreten (politischen) Handeln wie z. B.: Engagement in diversen Organisationen (Panda-Club, Vier Pfoten, WWF, Greenpeace ...) oder Haltungsänderungen im persönlichen Leben (Mülltrennung, Umweltpapier, Radfahren ... )
Eine deutliche Vorverlagerung der Sensibilität für Umweltfragen im umfassendsten Sinne und des politischen Engagements von den älteren Jugendlichen auf jüngere Jugendliche bzw. Kids kann also auch mit den Daten der KIDSí95-Studie für Österreich bestätigt werden.
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Soziale und psychosexuelle Identität
Die Übernahme von Geschlechterrollen und die Auseinandersetzung mit ihnen geht in dieser Altersstufe über weite Strecken in traditionellen Formen von sich. Gleichwohl ist in bestimmten Punkten eine kritische Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Rollenbildern bemerkbar.
Die Verbesserung von beruflichen Chancen und die Arbeitsteilung in der Familie sind Themen die vor allem die Mädchen beschäftigen. Auch die Burschen befassen sich, wenn auch seltener und mitunter defensiv, mit den verändernden Rollen von Mann und Frau.
Die Vorbilder der Kids entsprechen wiederum in der präsentierten Männlichkeit bzw. Weiblichkeit im wesentlichen den bestehenden Rollenmustern. Die Identifikationsfiguren der Burschen (Sportler, Schauspieler und Musiker) entsprechen dem Bild des starken" Mannes, der mitunter auch gegen gesellschaftliche Konventionen verstößt. Die weiblichen Vorbilder (SängerInnen, Models) sind vor allem schön" und zeichnen sich darüber hinaus durch Angepaßtheit aus.
Die Akzeptanz des eigenen Körpers ist für Mädchen in dieser Altersstufe deutlich schwieriger als für Burschen. Sie fühlen sich häufiger unattraktiv und können gemessen an dem vorherrschenden Schöheitsideal, das Schlankheit" propagiert, ihre sich entwickelnden weiblichen Formen" nur schwer akzeptieren.
Die Beziehungen zum anderen Geschlecht gewinnen in dieser Altersstufe zunehmend an Bedeutung, der Beginn koitaler sexueller Beziehungen ist aber für den überwiegenden Teil der befragten Kids erst nach dem 14. Lebensjahr anzusiedeln. Sie sind also keineswegs so frühreif wie gemeinhin angenommen wird. Partnerorientierung, also Liebe und Treue stehen als Werte im Zusammenhang mit Sexualität für die Kids hoch im Kurs.
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Herausforderungen für die Arbeit mit 11- bis 14jährigen