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Prämissen der Drogenpolitik

Erik Fromberg, Franz Trautmann

Einleitung

Im Gros der Veröffentlichungen zum Thema Drogen finden ausschließlich die negativen Eigenschaften dieser unter diesen Begriff gefaßten psychoaktiven Substanzen Beachtung. Der Konsum dieser Stoffe wird in der Regel nur in seinem problematischen Gehalt, als riskante und schädliche Handlung, wahrgenommen. Psychoaktive Stoffe werden in Begriffen wie Drogen und Rauschgifte reduziert erfaßt. Damit wird ein essentieller Teil ihrer Realität ausgeblendet. Eine rationale Auseinandersetzung mit diesem Thema ist aus diesem einseitigen, von nicht-reflektierten Wertungen bestimmten Blickwinkel nicht möglich. In eine Diskussion über das Für und Wider von Drogenkonsum, über Inhalte und Position von Drogenpolitik in dem Spektrum zwischen Prohibition und Legalisierung, müssen - stellt man sich eine (einigermaßen) ausgewogene Stellungnahme zum Ziel - sowohl die (möglichen) negativen als auch die (möglichen) positiven Eigenschaften von Drogen einbezogen werden. Diese Forderung gilt für die heute verbotenen Stoffe, wie Cannabis, MDMA und andere Designerdrogen, Heroin und Kokain genauso wie für die legalen Mittel Alkohol, Tabak und Kaffee.

Die negative Einstellung gegenüber (illegalen) Drogen wird reflektiert in der negativen Bewertung des Konsums. Drogenkonsum gilt als krankhafter Versuch, Realität zu meistern oder der Realität zu entfliehen, als aus frühkindlichen Schädigungen zu erklärendes Fehlverhalten, etc. Konsequenterweise wird hier ausgeblendet, daß gegenwärtig als Drogen negativ qualifizierte Substanzen durchaus auch aus positiv bewertbaren Motiven verwendet werden können, daß sie für den Konsumenten positive Eigenschaften haben. Ein Beispiel dafür sind die Opiate, die - unter anderem - eine hoch-potente Heilmittelqualität haben. Die Geschichte der Opiate belegt nicht nur, sondern verschafft zudem Einblick in die Entwicklung der negativen Bewertung dieser Stoffe.

 

Die Opiatgeschichte

Ausgrabungen von Resten neolithischer Siedlungen in der Schweiz, aus der Cortaillod- Kultur (3200-2600 vor Christus), zeigen, daß bereits damals Papaver kultiviert wurde, wahrscheinlich wegen des Nährwertes der Mohnsamen, die zu 45 Prozent aus Öl bestehen. Unzweifelhaft ist damals auch bereits die leicht narkotische Wirkung dieser Pflanze entdeckt worden (Merlin 1984). Die stark narkotische Wirkung der milchigen Substanz, die man erhält, wenn man die Schale der Mohnkapseln ritzt, und die in getrockneter Form als Opium bekannt ist, dürfte nicht viel später entdeckt sein. Die Schriften von Theophrastus aus dem dritten Jahrhundert vor Christus sind die erste schriftliche Quelle aus dem Westen, in der Opium erwähnt wird.

Ärzten aus Arabien waren die heilsamen Effekte von Opium wohl bekannt, und arabische Händler verbreiteten es im Osten. In Europa wurde es von Paracelsus (1493-1541) introduziert. Und so konnte der Engländer Sydenham in 1680 schreiben: "Among the remedies which it has pleased Almighty God to give to man to relieve his sufferings, none is so universal and so efficacious as opium."

Opium wurde bis Ende des 19. Jahrhunderts in breitem Rahmen als Heilmittel verwendet. Das war allerdings in einer Zeit, in der ein an eindeutige Regeln und gesetzliche Bestimmungen gebundener ärztlicher oder pharmazeutischer Stand nicht existierte. Es stand jedermann frei, Opium zu produzieren, zu importieren, oder zu verkaufen. Der orale Konsum von Opium, entweder in Tabletten- oder - häufiger - in flüssiger Form, als sogenanntes Laudanum, einer Opiumtinktur, oder als Paregoric, einer Kampfer-Opium-Tinktur, war weit verbreitet. Man sah darin nichts besonderes. In einer Zeit, in der es kaum wirksame Medikamente gab, war Opium eines der wenigen Mittel, das, wenn auch nicht kurativ, dann aber doch zumindest palliativ Wirkung zeigte. Es ist denn auch nicht verwunderlich, daß die Verwendung von Opium als Heilmittel nicht selten fortgesetzt wurde, wenn der unmittelbare Anlaß nicht mehr gegeben war; eine Situation, die durchaus vergleichbar ist mit der Verwendung van zum Beispiel Benzodiazepines in der heutigen Zeit. Opium wurde als 'Trostspender' in allen Schichten der Gesellschaft verwendet.

Mitte des 19. Jahrhunderts begann - hauptsächlich in England und den Vereinigten Staaten - die Problematisierung des Konsums von Opium (und seinen Derivaten). Zu Anfang war es praktisch ausschließlich der Konsum in der Arbeiterklasse, der Besorgtheit erregte und mehr und mehr negativ bewertet wurde. Verschiedene Faktoren waren in diesem Prozeß bestimmend. Neben einiger tatsächlich problematischer Aspekte des weitverbreiteten und nicht-regulierten Opiumkonsums - so führte die Tatsache, daß Laudanum-Tinktur von verschiedenen 'Drogisten' mit unterschiedlichem Opiumgehalt produziert wurde im Zusammenhang mit der wachsenden Mobilität der Arbeiter zu Überdosisfällen - spielten wirtschaftlich, rassistisch, moralistisch und religiös motivierte Argumente eine wichtige Rolle (Berridge und Edwards 1981). So war zum Beispiel von Opium als stimulierendem Mittel die Rede, womit suggeriert wurde, daß Opium nicht als Heil- sondern als Genußmittel verwendet wurde. Die Ärzte spielten in diesem Zusammenhang eine prominente Rolle. Sie setzten sich im Rahmen ihrer professionellen Profilierung - Mitte des 19. Jahrhunderts - als in einer eigenen Standesorganisation vereinigten Berufsgruppe vehement dafür ein, daß 'Gifte' - unter anderem Opium, das in diesem Zusammenhang eine wichtige weil öffent lichkeitswirksame Rolle spielte - nur noch auf ihre Veranlassung erhältlich sein sollten. Diese professionelle Profilierung des 'Ärztestandes' bedeutetet also auch (den Anspruch auf) Monopolisierung der medikamentösen Behandlung. 'Medizinische Verwendung' sollte nach Auffassung der Mediziner heißen, daß Ärzte das Alleinrecht, Opium zu verschreiben und zu verabreichen, haben.

Die Einführung des Suchtbegriffs - nicht nur im Zusammenhang mit Opium- sondern auch mit Alkoholkonsum - trug zu der notwendigen Mobilisierung der Öffentlichkeit bei. Sucht wurde als Krankheit definiert, deren Behandlung ausschließlich der Kompetenz der Ärzte zugeordnet wurde (Enfield 1992; Yvorel 1972). Sucht blieb allerdings eine der Krankhei ten, bei deren Behandlung das Ausbleiben der Heilung - im Gegensatz zu dem allgemein üblichen Standard - nicht auf das Versagen des Arztes oder der Medizin, sondern auf das Versagen des Patienten zurückgeführt wird.

Selbstverständlich widersetzten sich die Verkäufer von Opium - die Vorläufer der heutigen Apotheker - gegen diese Monopolisierung. Dieser Widerstand dauerte allerdings nicht lan ge. Auch die Apotheker gründeten im Rahmen ihrer professionellen Profilierung eine ei genständige Standesorganisation. Auch hier stand die Forderung zentral, daß der Verkauf von Giften nur anerkannten Apothekern gestattet sein sollte. Und auch hier war die Kon trolle des Verkaufs von Opium ein wichtiges, weil publikumswirksames Thema. Diese Bemühungen von Ärzten und Apothekern resultierten in England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der ausschließlich im medizinischen Rahmen zugelassenen Verwendung von Opium und seinen Derivaten, wie zum Beispiel Morphium, Kodein und - später - Heroin. Die Geschichte, wie funktioneller, eingebürgerter Konsum von - unter anderem - Opium zu einem Problem wurde, ist ausführlich und eindrucksvoll in dem monumentalen Werk 'Opium and the people' von Virginia Berridge und Griffith Edwards beschrieben (Berridge und Edwards 1981).

 

Drogenkonsum mehrdimensional

Dieser kurze historische Exkurs beleuchtet die Hintergründe des Umschlags der Bewertung von - unter anderem - Opium. Was erst als Heilmittel in hohem Ansehen stand, wurde in nerhalb von wenigen Jahrzehnten beinahe ausnahmslos negativ als 'Droge' angesehen. Dieser verengte Blickwinkel blendet andere Verwendungszwecke als - negativ bewerteten - Genuß beinahe völlig aus, den vorhandenen Belegen für ein breiteres Verwendungsspektrum, zum Beispiel als Heilmittel, zum Trotz. Der Einsatz von Morphium aber auch von anderen Opiaten, bis hin zum Heroin, als Analgetika in der gegenwärtigen Medizin unterstreicht die Bedeutung, die diese Gruppe psychoaktiver Stoffe bis heute hat. Für andere illegale psychoaktive Stoffe gilt das Gleiche: Cannabis kann unter anderem wirkungsvoll eingesetzt werden in der Behandlung von Glaukom, AIDS, etc. (Grinspoon und Bakalar 1994), MDMA (XTC) im Rahmen von Psychotherapie (Greer und Strassman 1985; Greer und Tolbert 1986).

Drogen sind also - wie ihre medizinischen Verwendungsmöglichkeiten zeigen - im Hinblick auf die Motive für ihren Konsum keine eindimensionale Realität. Neben der negativ gewerteten Dimension der Realitätsflucht und der medizinischen Verwendbarkeit können Drogen, ob es nun um Opiate, Kokain oder Cannabis geht, durchaus - ohne ernsthafte Probleme einer unkontrollierten Abhängigkeit (Murphy u.a. 1989; Cohen 1989; Cohen und Sas 1993) oder irreversibeler Gesundheitsschäden - auch als Genußmittel verwen det werden. Sie können wegen ihrer entspannenden aber auch wegen ihrer berauschenden Wirkung konsumiert werden. Drogenkonsum kann außerdem auch im Hinblick auf religiöse/transzendente Erfahrungen eine Funktion haben. Die Effekte bestimmter Mittel auf das Bewußtsein, die Beeinflussung der Wahrnehmung sind in diesem Rahmen bestimmend. Das heißt, der Konsum psychoaktiver Stoffe ist eine komplexe, vielschichtige Realität, er kann unterschiedliche Funktionen haben.

 

Drogenkonsum als Ritual

Neben den bereits erwähnten Verwendungszwecken - als Genuß- und als Heilmittel - können psychoaktive Stoffe auch im Rahmen von - religiösen oder anderen - Ritualen verwendet werden. Dafür gibt es gerade in nicht-westlichen Kulturen sehr eindrucksvolle Beispiele. In diesem Rahmen sieht man nicht selten, daß die Kontrolle der psychoaktiven Stoffe und ihres Konsums einer Person obliegt, die aus westlicher Sicht vielfach geringschätzig als 'Medizinmann' bezeichnet wird. In der Regel handelt es sich hier um Konsumformen, in denen - ähnlich dem Opiumkonsum in unseren Breitengraden vor ein/zwei Jahrhunderten - medizinische und rekreative Verwendung problemlos mit einander verbunden sind. Dieser Konsum wird vielfach mit dem Begriff 'Ritual' bedacht, wobei dieser allerdings nicht im exklusiv-religiösen Sinn interpretiert, sondern als ein an bestimmte Regeln gebundenes Element einer Kultur verstanden werden sollte. Harding und Zinberg definieren Ritual in diesem Zusammenhang als "the stylised, prescribed behaviour surrounding the use of drugs" (Harding und Zinberg 1977). An Hand von ein paar Beispielen kann dies illustriert werden.

So findet zum Beispiel der Konsum von Khat in Jemen in einem sozialen Kontext statt, der dem rekreativen Alkoholkonsum in der westlichen Kultur ähnelt (Kennedy 1987). Nach der Arbeit, die früh am Morgen beginnt und gegen Mittag endet, geht man auf den Markt, kauft ein Bündel Khat, trifft sich dann mit Bekannten in einem eigens für den Kahtkonsum bestimmten Raum, und verbringt den Nachmittag Khat kauend im Bekanntenkreis. Man unterhält sich in entspannter Atmosphäre beim Genuß einer Portion Khat, ähnlich wie man sich im Westen bei einem Glas Bier oder Wein unterhält.

Ähnliches gilt für den Konsum von Kava (Piper mythisticum) in Ozeanien. Einer der ersten Berichte über den Kavakonsum, von Foster, einem jungen Biologen, der zum Stab von Cook auf dessen zweiten Reise über den Stillen Ozean gehörte, beschreibt, wie zwei neue Freunde sich treffen, um ihre Freundschaft mit einem Becher Kava zu besiegeln. Sie tun das in der für sie imponierendsten, vielleicht von ihnen sogar als heilig geachteten, Umgebung, die sie finden können, in der Kabine von Cook an Bord der "Resolution". Zusammen Kava trinken fungiert nach wie vor nicht selten als symbolische Bestätigung von Brüderlichkeit und Kameradschaft, sowohl zwischen Leitern und ihren Anhängern, zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, als zwischen Freunden (Lebot u.a. 1992). Eine vergleichbare Funktion hat der Tabakkonsum bei den nordamerikanischen Indianern, bei uns nicht selten simplifizierend als Rauchen der Friedenspfeife bekannt.

Der Konsum von Betelnüssen in Südostasien und großen Teilen von Ozeanien ähnelt dagegen mehr dem bei uns gebräuchlichen Konsum von Tabak und Kaffee. Das gleiche gilt für den Konsum von Kokablättern bei den Andes-Indianern. Man konsumiert der angenehm, leicht aufputschenden Wirkung wegen.

Ein Beispiel eines anderen Bezugsrahmens, in dem der Konsum psychoaktiver Substanzen als Ritual sich abspielen kann, ist die Verwendung des Extraktes der westafrikanischen Tabernanthe Iboga bei Initiationsriten geheimer Zirkel, von denen der Bwiti-Kult am bekanntesten ist.

Die Verwendung von Fliegenpilzen bei den sibirischen Schamanen läßt sich dagegen wiederum gut vergleichen mit der Verwendung von Halluzinogenen wie Ayahuasca, Ololiuqui und anderen Aufbereitungen von Kräutern, Kakteen und Pilzen in der 'Neuen Welt'. Aus unserer Perspektive ist der Rahmen, in dem dieser Konsum sich abspielt, in erster Linie medizinisch-religiös bestimmt. Dies sagt allerdings mehr über unsere Horizontverengung als über die große, mehr Bedeutungen umfassende Rolle, die dieser Konsum in anderen Kulturen gespielt hat und spielt.

Zusammenfassend kann man festhalten, daß in allen Kulturen psychoaktive Substanzen, was auch immer ihre jeweilige Wirkung ist, eine wichtige Funktion haben. Das ist nicht nur auf die psychoaktive Wirkung des Stoffes zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, daß der Konsum von Regeln bestimmt ist (Szasz 1980; Grund 1993). Das heißt, es geht hier um rituellen Konsum, wie unterschiedlich die - vielfach ungeschriebenen - Regeln auch sein mögen.

Harding und Zinberg charakterisieren diese Regeln wie folgt:

"1. They define and approve controlled use and condemn compulsive use.

2. They limit use to physical and social settings conducive to a positive drug experience.

3. They incorporate the principle that use should be kept infrequent enough to avoid dependence/addiction and to maximize the desired drug effect.

4. They identify potential untoward drug effects and prescribe relevant precautions to be taken before and during use.

5. They assist the user in interpreting and controlling his drug high." (Harding und Zin berg 1977)

Es dürfte deutlich sein, daß diese Regeln, die die Autoren des Zitats im Zusammenhang mit dem Konsum von illegalen psychoaktiver Stoffe erstellt haben (das in dem Original vor kommende Wort 'illegal' ist hier absichtlich weggelassen E.F./F.T.), auch auf den Konsum legaler Substanzen wie zum Beispiel Alkohol angewendet werden können.

 

Drogenkonsum als Realitätsbewältigung

Aus dem vorhergehenden kann man schließen, daß - aus einer kulturhistorischen Perspektive - der Konsum psychoaktiver Stoffe im allgemeinen als Ritual beschrieben werden kann, wobei im Grunde genommen unwichtig ist, ob der Konsum als 'medizinisch', als 'rekreativ' oder als 'religiös' definiert wird. Der Konsum kann dabei verschiedene Funktionen haben, die im vorhergehenden - mehr oder weniger explizit - bereits angesprochen worden sind.

Diese Funktionen können zwei Kategorien subsumiert werden, wobei zwischen einer konkreten und einer symbolischen Funktion unterschieden wird. Bei der konkreten Funktion kann Realitätsbewältigung als zentraler Begriff fungieren. Darunter können verschiedene Funktionen gefaßt werden: Der Konsum psychoaktiver Stoffe kann der Entspannung dienen, das heißt die Substanzen werden als Genußmittel verwendet. Hierfür gibt es viele Beispiele: die Zigarette bei der Arbeit, das Glas Bier oder der Joint nach der Arbeit, usw.

Psychotrope Stoffe können - wie bereits erwähnt - auch als Heilmittel verwendet werden. Dabei geht es häufig nicht um Heilung im eng gefaßten, wörtlichen Sinn, sondern um Linderung. Ein Beispiel dieser palliativen Verwendung ist der ob seiner Effektivität nach wie vor unumstrittene Einsatz von Morphium als Schmerzmittel. Psychoaktive Stoffe sind zudem entsprechend ihrer das Bewußtsein beeinflussenden Wirkung von großer Bedeutung im Rahmen der Behandlung psychischer Probleme. Das gilt nicht nur für die heute legalen Psychopharmaka, wie zum Beispiel die Benzodiazepine. Auch verschiedene gemäß den aktuellen gesetzlichen Bestimmungen illegalen Drogen können in diesem Rahmen erfolgreich angewendet werden, zum Beispiel bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen (Caldwell 1968; Greer und Tolbert 1986).

Eine medikamentöse Verwendung von psychotropen Stoffen ist übrigens nicht nur dann gegeben, wenn die Mittel vom Arzt verschrieben und vom Apotheker verabreicht werden. Selbst-Medikation kann - und darf - als legitime und adäquate Möglichkeit nicht einfach ausgeschlossen werden. Dies gilt nicht nur für legale, nicht-rezeptpflichtige Substanzen. Auch im Bereich des Konsums rezeptpflichtiger oder sogar illegaler Drogen kann diese Realität nicht außer acht gelassen werden. So gibt es zum Beispiel Fallbeschreibungen zu der effektiven Verwendung von Heroin als Antipsychotikum (z.B. Van Epen 1978, S. 109/10). Zudem sollte man in diesem Zusammenhang auch realisieren, daß die Verschreibung von psychoaktiven Substanzen durch einen Arzt nicht gleichbedeutend ist mit der Verwendung dieser Substanzen als Heilmittel im engeren Sinne. So kann der in der Bevölkerung viel vorkommende langfristige Konsum von Psychopharmaka - hauptsächlich von Beruhigungs- und Schlaftabletten - durchaus als gleichbedeutend mit dem Konsum illegaler Drogen gleichbedeutend qualifiziert werden.

Unter den Nenner Drogenkonsum als Realitätsbewältigung kann auch die Verwendung von - legalen wie illegalen - psychotropen Stoffen mit dem Ziel, die Leistung(sfähigkeit) zu fördern, gefaßt werden. Bekannte Beispiele sind Aldous Huxleys LSD-Konsum und Sigmund Freuds Kokainkonsum. Andere Beispiele sind der Amphetaminkonsum von Fernlastwagenfahrern in Australien und der Konsum von Tranquillizern unter streßgeplagten Berufsgruppen.

Die Verwendung psychoaktiver Stoffe zum Zweck der Realitätsbewältigung wird nicht selten negativ beurteilt, insbesondere wenn es um illegale Drogen geht. Letzteres gilt unter anderem für die Verwendung dieser Substanzen als Genußmittel. Man weist Cannabis- und XTC-Konsum ab, akzeptiert aber Alkohol- und Tabakkonsum, obgleich Alkohol und Tabak nachweislich die Gesundheit stärker beeinträchtigen als Cannabis und Opiate, unter anderem in Form irreversibeler Organschäden. Auch die Verwendung illegaler psychotroper Stoffe als Heilmittel wird in der Regel negativ gewertet. Die medikamentöse Anwendung legaler Mittel, wie zum Beispiel Beruhigungs- und Schlaftabletten, ist dagegen in der Regel akzeptiert. Allerdings wird in der Öffentlichkeit der langfristige, so gut wie unkontrollierte Konsum dieser Mittel mehr und mehr problematisiert und kritisiert. Die Verwendung psychoaktiver Stoffe zur Leistungsförderung wird eher generell negativ gewertet, wie die immer wieder unter dem Reizwort 'Dopingaffären' in den Media auftauchende Berichterstattung belegt.

 

Symbolische Funktion von Drogenkonsum

Wie weiter oben bereits angesprochen wurde, kann der Konsum psychoaktiver Substanzen auch eine symbolische Funktion haben. Ein Beispiel ist die unter anderem in den meisten westeuropäischen Ländern weit verbreitete Gewohnheit: Morgens der Kaffee als Markierung des Übergangs von Entspannung zur Aktivität, von Freizeit zur Arbeit, und umgekehrt nachmittags ein Glas Wein oder Bier als Markierung des Übergangs von Aktivität zur Entspannung, von Arbeit zur Freizeit. Neben der spezifischen Wirkung des Stoffes - Kaffee als 'Upper', Alkohol als 'Downer' - spielt hier die - im Konsumritual - gefaßte symbolische Funktion eine Rolle.

Drogenkonsum hat zudem auch Bedeutung als Bestätigung sozialer Bezüge. Dies gilt in kleinem, inter-individuellem Rahmen, wie das oben erwähnte Beispiel des Kavakonsums zeigt. Es gilt auch in größeren, zum Beispiel (sub-)kulturellen Rahmen, als Bestätigung der Gruppenzugehörigkeit. Letzteres kann an Hand des Drogenkonsums amerikanischer Soldaten in Vietnam illustriert werden. Grob gesagt nahmen Soldaten, die den Krieg befürworteten ihre Zuflucht zum Alkohol, wogegen die Kriegsgegner Heroin bevorzugten. In beiden Fällen ging es wohl primär um Entspannung, um Verarbeitung traumatischer Erfahrungen, um Realitätsbewältigung im permanenten Ausnahmezustand des Kriegsalltags, umgeben von einer fremden Kultur, umgeben von potentiellen Feinden, das heißt um Rausch und Lust gegenüber, Realitätsflucht aus dem angsterzeugenden Kriegsalltag. Die Funktion des Konsums beider Mittel ist einerseits deckungsgleich, nämlich Realitätsbewältigung; andererseits hat die Wahl des Mittels - bestimmt von sozialen, (sub-)kulturellen Faktoren - eine die Gruppenzugehörigkeit bestätigende Funktion (Vgl. Robins 1974; Robins u.a. 1975; Zinberg 1979).

 

Droge, Set und Setting

Das Beispiel des Heroinkonsums amerikanischen Soldaten in Vietnam ist aber noch in einer anderen Hinsicht bemerkenswert. Wie Untersuchungen zeigen, hat eine stattliche Anzahl amerikanischer Soldaten in Vietnam im Rahmen einer für sie ungewohnten sozialen Situation, der extremen Erfahrung, an einem Krieg in einer unbekannten und feindlichen Umgebung teilzunehmen, regelmäßig Heroin konsumiert. Das Gros dieser Soldaten konnte allerdings nach seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten den Heroinkonsum ohne nennenswerte Probleme wieder aufgeben (Vgl. Robins 1974; Robins u.a. 1975; Zinberg 1979). Zurückgekehrt in die alte Umgebung war dieser Drogenkonsum nicht mehr funktionell.

Das heißt, Sucht läßt sich nicht auf die Eigenschaften des konsumierten Mittels (und auf Persönlichkeitsfaktoren) reduzieren. Zu den verschiedenen anderen Faktoren, die in diesem Kontext eine wichtige Rolle spielen, muß auch die Situation, in der der Konsum stattfindet, und die im Rahmen dieser Situation entwickelte individuelle Wertung des Konsums des verwendeten Mittels, das heißt die Bedeutung, die dieser Konsum für das Individuum hat, gerechnet werden. Im Bereich der Schmerzbekämpfung bei Krebspatienten zum Beispiel hat die Verwendung von Morphium einen wohldefinierten und damit eindeutigen, von einer langen Tradition bestimmten Zweck, nämlich den eines Heilmittels. Die auf dieser Grundlage, in dieser spezifischen Situation entwickelte Interpretation des Morphiumkonsums hat Einfluß auf die Form, die der Konsum annimmt, und die Probleme, die der Entzug für den Konsumenten mit sich bringt. Suchtverhalten und schwere Entzugserscheinungen werden in diesem Rahmen denn auch selten wahrgenommen.

In diesem Zusammenhang sollte man zudem nicht übersehen, daß der Entzug sogar bei ein und demselben Drogenkonsumenten nicht jedesmal gleich heftig ist (Vgl. MDHG 1987). Auch dieser Befund unterstreicht, daß die jeweilige Situation, in der ein Drogenkonsument sich befindet, entscheidenden Einfluß darauf hat, wie der Entzug sich darstellt. Wie schwierig oder wie einfach ein Entzug ist, hängt damit wesentlich von der Interpretation dieser Situation ab, von der Vorstellung, die das Individuum sich hiervon macht, von den Erwartungen, die daran verbunden werden, und der wahrgenommenen Zukunftsperspektive. Lindesmith's Hinweis auf den Umstand, daß die Bekanntheit mit dem Suchtphänomen diese Erwartungshaltung beim Konsumenten prägt und diesen dafür auch empfänglicher macht, bestätigt das: "Morphine addiction seems to be a case in which foreknow ledge is a dangerous thing, in the sense, that, if the drug is administered regularly, this very knowledge aggravates susceptibility to addiction rather than providing immunity." (Lindesmith 1968, S. 108)

Zinberg hat auf Grund ähnlicher Befunde ein Modell entwickelt, in dem drei Dimensionen die Form, die der Drogenkonsum annimmt, bestimmen (Zinberg 1984). Erstens die Droge selbst, das heißt ihre pharmakologische Wirkung. Zweitens der sogenannte Set. Damit sind die individuellen - physiologischen und psychologischen - Eigenschaften des Drogenkonsumenten gemeint. Dazu gehört auch die im vorhergehenden angesprochene Erwartungshaltung des Konsumenten im Hinblick auf den Entzug. Als dritte Dimension führt Zinberg die Setting an, das heißt die Situation, in der der Konsum stattfindet.

Dieses Modell läßt sich an Hand eines aktuellen Beispiels, dem Konsum von XTC, illustrieren. Dieser Stoff hat eine doppelte, einerseits entactogene und andererseits stimulierende Wirkung. (Unter entactogen wird die 'sozialisierende' Wirkung von XTC angesprochen, die Erfahrungen intensiver erscheinen, Hemmungen abnehmen, ein Gefühl der Entspannung und ein Bedürfnis an sozialem Kontakt entstehen läßt beziehungsweise verstärkt.) Bei XTC spielen zudem die Erwartungen an das Mittel (Set) eine entscheidende, die Wirkung beeinflußende Rolle. Beim Gros der rekreativen Konsumenten steht die entactogene, für soziale Kontakte förderliche Wirkung im Vordergrund. Aber auch die stimulierende Wirkung ist - im Zusammenhang mit der Setting - wichtig. XTC-Konsum gehört zur Techno- oder House-Szene. Es ist ein beliebtes Mittel bei Besuchern von Rave- oder House-Parties. XTC-Konsum steigert die Ausdauer beim Tanzen, man fühlt sich länger fit. In dieser Setting, im Rahmen der Parties ist auch die entactogene Wirkung von Bedeutung. Diese spezifische, in eine (Sub-)Kultur eingebettete Verwendung ist auch Rahmenbedingung für eine Ritualisierung von XTC- Konsum (Fromberg 1991).

XTC-Konsum beschränkt sich allerdings nicht auf die Techno- oder House-Szene. Auch in anderen Settings spielt XTC eine Rolle, zum Beispiel als Urlaubsdroge (Rosenbaum u.a. 1989). XTC wird auch in 'entheogenen' Settings verwendet, als Mittel, mit Hilfe dessen man zu 'höheren Erkenntnissen' gelangen kann. Aber auch in der therapeutischen Setting findet XTC Verwendung, zum Beispiel als Hilfsmittel in der Psychotherapie.

 

Hintergründe der negativen Bewertung von Drogen

Die Ausführungen im vorhergehenden legen nahe, daß der Konsum - legaler und illegaler - psychoaktiver Substanzen als Realitätsbewältigung ein vielschichtiges Phänomen ist. Fest gehalten werden kann auch, daß die gegenwärtig negative Beurteilung bestimmter psychoaktiver Substanzen als Drogen und die damit einhergehende negative Bewertung des Konsums dieser Stoffe in einer unbefriedigenden, die Wirklichkeit reduzierenden Perspektive resultiert. Verschiedene moralische Postulate fließen darin ein, ohne näher geprüft zu werden. Gerade im Zusammenhang mit der Funktion Realitätsbewältigung zeigt sich das. Realitätsbewältigung mit Hilfe von illegalen Drogen gilt als Realitätsflucht, als krankhaftes Verhalten, vor allem, wenn es sich um regelmäßigen Konsum handelt. Regelmäßiger Konsum legaler psychoaktiver Substanzen mit dem Ziel der Realitätsbewältigung, insbesondere wenn diese Mittel von einem Arzt verschrieben sind, wird dagegen nur in Ausnahmefällen problematisiert. Daß diese negative Bewertung des Konsums bestimmter psychoaktiver Substanzen mehr mit sozialen Normen und Werthaltungen zu tun hat als mit objektiv feststellbaren Krankheitsdefinitionen, zeigt unter anderem die Geschichte der Opiate: Erst als für die Medizin unerläßliches Wundermittel gepriesen - Opium wurde im neunzehnten Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von Ärzten als GOM (God's own medicine) gerühmt (Brecher u.a. 1972 S. 8.) - wurden sie später fast ausnahmslos auf die negativ bewertete Realität Droge reduziert. Aus einem anderen Blickwinkel besehen, kann zum Beispiel der Heroinkonsum amerikanischer Soldaten in Vietnam als effektives Mittel, mit dem die Realität sich bewältigen ließ, bewertet werden. Zudem kann unter derartig extremen Umständen, in denen die Konfrontation mit traumatischen Erfahrungen oder Erinnerungen als zu bedrohend erfahren wird und nicht verarbeitet werden kann, Realitätsflucht angemessenes Verhalten sein. Dies alles unterstreicht, daß psychoaktive Stoffe - wie oben ausgeführt - eine mehrdimensionale Realität sind. Sie können aus verschiedenen Gründen zu verschiedenen Zwecken verwendet werden, wobei die bereits oben erwähnten unterschiedlichen Funktionen nicht scharf voneinander getrennt werden können.

Der gegenwärtig dominanten negativen Wertung verschiedener psychoaktiver Substanzen als Drogen liegen verschiedene Argumente/Unterstellungen zugrunde. Da ist einmal ein 'kalvinistisch' geprägtes Postulat, daß 'gesunde' Realitätsbewältigung keiner Hilfsmittel bedarf. Dabei wird nicht reflektiert, daß legale psychoaktive Mittel ebenfalls mit dem Ziel der Realitätsbewältigung verwendet werden. Überdies gibt es auch andere Hilfsmittel, die Menschen mit dem Ziel der Realitätsbewältigung verwenden, zum Beispiel Religion, Meditation, Sport, Fernsehen und andere Freizeitbeschäftigungen. Dem Dilemma, daß man, wenn man dem kalvinistischen Postulat einer Realitätsbewältigung ohne Hilfsmittel folgt, auch diese Aktivitäten negativ beurteilen müßte, entgeht man mit der Unterscheidung zwischen 'gesunden' und 'ungesunden' Formen der Realitätsbewältigung.

Ein anderes, die negative Wertung des Konsums gewisser psychoaktiver Substanzen bestimmendes Element ist die negative Beurteilung von Ekstase und Rausch. Eine Erklärung dafür kann in der Abneigung gegen oder Angst vor Kontrollverlust gefunden werden. Eine andere Erklärung läßt sich in der religiösen Tradition festmachen. Die monotheistischen Religionen, wie die jüdische, christliche und islamitische, sind Religionen des Wortes. Die Offenbarung, das heißt der Zugang zu dem Übersinnlichen, vollzieht sich über das Wort. Talmud, Bibel und Koran sind die Quelle der Kenntnis vom Höheren. In nicht an das geschriebene Wort gebundenen Kulturen gibt es keine schriftlich festgelegten Offenbahrungen. Das Individuum hat Zugang zum Höheren über die direkte Erfahrung, über einen veränderten Bewußtseinszustand, hervorgerufen durch zum Beispiel Meditation oder Flagellation, aber auch nicht selten durch die Einnahme von psychoaktiven Stoffen.

Dann ist da noch die negative pharmakozentrische Interpretation von Drogenkonsum und -abhängigkeit, die sich in ihren Erklärungen einseitig auf die pharmakologische Wirkung des konsumierten Mittels fixiert. Dieser Interpretation zufolge ist das Problem der Abhängigkeit der suchterzeugenden Potenz eines Mittels zuzuschreiben. Damit wird impliziert, daß das Mittel stärker ist als das Individuum, daß das Individuum dem suchterzeugenden Mittel ausgeliefert ist.

Auch in der pharmakozentrischen Interpretation taucht wieder die Angst vor Kontrollverlust auf, ein Basiselement des Drogendiskurses. Kontrollverlust wird gefürchtet und verachtet. Kontrollverlust gilt als Bedrohung der individuellen Eigenverantwortlichkeit, und damit im Grunde genommen als Bedrohung der individuellen Freiheit. Tatsächlicher Kontrollverlust, aber auch bereits die Angst vor Kontrollverlust hält denn auch als Rechtfertigung für die Einschränkung der persönlichen Freiheit her. Die Rechtsprechung in Deutschland in Sachen Cannabiskonsum in den letzten Jahren - unter anderem das bekannte Neskovic-Urteil - bietet in diesem Zusammenhang interessante Einblicke in die Argumentation für und gegen 'drug-related' Beschränkungen grundgesetzlich verankerter Freiheiten.

Der kurze Exkurs im vorhergehenden über die Geschichte vom Opium veranschaulicht zudem, daß Angst vor Kontrollverlust von Anfang an eine wichtige Rolle in der 'Drogenpolitik' gespielt hat. Kontrollverlust ist Kern des Suchtbegriffes. Angst vor diesem Kontrollverlust hat entscheidend dazu beigetragen, daß die Einführung des Suchtbegriffes als wirkungsvolles Argument in den Bemühungen der Ärzte und Apotheker, ein Alleinrecht, opiumhaltige Präparate zu produzieren, zu verschreiben und zu verkaufen, für sich zu realisieren, eingesetzt werden konnte. Die Tatsache, daß bis heute lediglich einem Arzt die Autorität und die Befugnis zuerkannt wird, den Konsum psychotroper Stoffe zu legitimieren, deutet darauf hin, daß Angst vor unverantwortlichem Konsum dieser Substanzen, das heißt nichts anderes als Angst vor Kontrollverlust, die Konstante in der Argumentation für eine externe Kontrolle und eine Beschränkung der persönlichen Freiheit ist. Das Abtreten der Kontrolle an einen Spezialisten beruht auf der Unterstellung, daß Menschen den Konsum - einer Anzahl - psychotroper Stoffe nicht autonom kontrollieren können, daß Menschen diese Verantwor tung nicht tragen können.

Diese negative Sicht - und damit auch die Beschränkung der persönlichen Freiheit aus Angst vor Kontrollverlust - ist das Fundament der prohibitionistischen Drogenpolitik. Drogenpolitik ist denn auch - gestern wie heute - im Wesen Drogenbekämpfung. Das der Prohibition zugrunde liegende Ziel ist die Bekämpfung des Drogenkonsums zum Schutz der Individuen gegen sich selbst. Im Hintergrund steht das Ideal einer drogenfreien Gesellschaft und die Idee, daß man mit einer repressiven Politik, das heißt mit einer Beherrschung durch strafrechtliche Sanktionen, am besten an dieses Ideal herankommen kann.

 

XTC-Prohibition in den Niederlanden

Die Frage, die es dann zu beantworten gilt, ist natürlich, ob dieser Ausgangspunkt realistisch ist. Für eine Antwort kann man die Geschichte der Drogenpolitik - das heißt die Geschichte der Prohibition, denn Drogenpolitik ist Folge und als solche nichts anderes als in-die-Tat-umsetzen der Prohibition - zu Rate ziehen. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden in den Vereinigten Staaten die ersten prohibitionistischen Ansätze sichtbar. Anfang des 20. Jahrhunderts fängt man auch in Europa an, die Prohibition voran zu treiben. In dieser Periode der prohibitionistischen Politik findet sich genug Material, das zu einer Antwort auf die Frage nach dem Realitätsgehalt eines strafrechtlich sanktionierten Verbotes von bestimmten psychoaktiven Stoffen beiträgt, zum Beispiel die Trockenlegung, die Periode des 'Big Thirst' in den Vereinigten Staaten (Brecher u.a. 1972). Es gibt allerdings auch in der jüngsten Vergangenheit Beispiele, die diese Frage erhellen. So zum Beispiel die prohibitionistische XTC-Politik in den Niederlanden.

MDMA wurde Anfang der achtziger Jahre in den Niederlanden introduziert. Dieser Stoff, bekannt unter dem Namen XTC, war zu jenem Zeitpunkt legal. Relativ schnell fing man auch in den Niederlanden selbst an, diesen Stoff zu produzieren. Die Produzenten waren 'ehrbare Bürger', zumeist qualifizierte Chemiker, die für den Eigenverbrauch - einschließlich dem Freundeskreis - produzierten. Die Qualität des Produktes war gut, finanzieller Gewinn nicht das primäre Motiv. Mit der wachsenden Popularität von XTC nahm allerdings auch der Umfang der Produktion zu.

Druck aus dem Ausland, hauptsächlich aus Großbritannien, wo XTC relativ früh sehr populär geworden war, führte dazu, daß die niederländische Regierung sich dazu entschloß, XTC als harte Droge ins Betäubungsmittelgesetz aufzunehmen. Die Folgen waren verheerend. Das Ziel der Prohibition, eine Kontrolle (und Beherrschung) der Produktion und des Konsums von XTC zu erreichen, erwies sich als Illusion. Die Regierungsmaßnahme blieb nachweislich ohne - bremsenden - Einfluß auf die Nachfrage, im Gegenteil, der XTC-Konsum hat in den letzten Jahren zugenommen. Auf der Angebot-Seite wurden allerdings noch viel problematischere Folgen der Prohibition sichtbar: die 'ehrbaren Bürger' zogen sich aus dem 'Geschäft' zurück, ihre Rolle wurde vom 'kriminellen Milieu', hauptsächlich Amphetaminproduzenten übernommen. Eine logische Konsequenz, schließlich will ein 'ehrbarer Bürger' sich nicht dem Risiko einer Strafverfolgung aussetzen. Die Folge war unter anderem, daß große Mengen Amphetamin als XTC verkauft wurden. Bekannte MDMA-Tabletten guter Qualität wurden in gleicher Form, Farbe und Größe aber aus anderen Stoffen nachgemacht. Verschiedene Produzenten verlegten sich auf die Produktion von der zu Anfang noch legalen Variante MDEA, bis auch diese verboten wurde.

Die Situation heute ist, daß die Hälfte der als XTC angebotenen Tabletten kein MDMA enthalten, aber dafür eine - beinahe unübersehbare (und unüberprüfbare) - Reihe anderer Stoffe, variierend von MDEA bis zu Halluzinogenen wie Ketamine, DOB und anderen Stoffen (Fromberg u.a. 1994). Für den Konsumenten bedeutete dieser unübersichtliche Designer-Drogen-Markt ein nicht kalkulierbares Gesundheitsrisiko.

Die XTC-Prohibition in den Niederlanden ist eines der vielen Beispiele für das Scheitern einer prohibitionistischen Drogenpolitik. Sie zeigt, daß Prohibition nicht zu der Beherrschung eines - vermeintlichen - Problems beiträgt, sondern ein Problem kreiert, das später übrigens nicht selten zur Rechtfertigung der prohibitionistischen Politik herangezogen wird: Gegen ein Mittel, an dem soviel Probleme kleben, muß man doch wohl repressive Maßnahmen treffen. Prohibition hat keinen Einfluß auf die Nachfrage, sondern auf das Angebot, und dieser Einfluß ist ausgesprochen negativ: Die Kriminalisierung trägt nicht - wie beabsichtigt - zum Schutz der Gesundheit bei, sondern führt zu extra Gesundheitsrisiken.

 

Der Realitätsgehalt einer prohibitionistischen Drogenpolitik

Das Beispiel der XTC-Prohibition in den Niederlanden zeigt, daß Zweifel an dem Realitätsgehalt eines prohibitionistischen Ansatzes berechtigt sind. Im Ansatz ist deutlich, daß eine repressive Drogenpolitik sich schwerlich mit rationalen, wissenschaftlichen Argumenten verteidigen läßt. So fehlen zum Beispiel rationale Argument für die heute gängige Unterscheidung zwischen legalen und illegalen Mitteln (Fromberg 1994). Wie schwer man sich bei diesem Thema tut, zeigt zum Beispiel das von Bühringer verfaßte Gutachten '...' (Bühringer, ...). Gerade dieses Gutachten macht deutlich, daß Wertungen ausschlaggebend sind. Bühringer stellt widersprüchliche Forschungsbefunde neben einander, versäumt dabei, deutliche, detaillierte Quellennachweise zu geben, und schlußfolgert letztendlich, daß eine Liberalisierung zu großen Problemen führen würde.

Bei der Diskussion zum Thema 'Prohibition, ja oder nein' sollte aber - als Ausgangspunkt - deutlich sein, daß es nicht um die einfache Entscheidung zwischen schwarz und weiß, um die Frage, ob man sich für Legalität oder für Illegalität von Drogen entscheidet, geht. Das Spektrum möglicher Alternativen ist breit. Es reicht von einer totalen Prohibition, das heißt einschließlich einer Kriminalisierung des Konsums und des Besitzes von kleinen Mengen für den Eigenbedarf, bis hin zu einer völligen Legalisierung, in der man die Drogen frei und ohne Restriktionen - um das angsteinflößende Klischee der Legalisierungsgegner zu gebrauchen: an jeder Straßenecke - erwerben kann. Im 'Niemandsland' zwischen diesen zwei Polen gibt es aber unterschiedliche Modelle der Teilentkriminalisierung, zum Beispiel Entkriminalisierung des Konsums oder des Besitzes kleiner Mengen, aber auch verschiedene Modelle der vollständigen Entkriminalisierung, unter anderem in Form einer regulierten Entkriminalisierung, zum Beispiel als Abgabe von heute illegalen psychoaktiven Stoffen als verschreibungspflichtiges Medikament (Trautmann 1985), als registrierten Verkauf in bestimmten lizenzierten Geschäften unter genauen Auflagen betreffende die Höchstmenge, die verkauft werden darf, die Altersgrenze der Käufer, etc.

Die Abwägung zwischen diesen verschiedenen Alternativen ist nicht einfach. Schließlich gibt es nicht direkt mit einander vergleichbare Erfahrungen. Es gibt keine konkreten Erkenntnisse, wie eine Entkriminalisierung oder Legalisierung der heute verbotenen psychoaktiven Substanzen sich auswirken würde. Man verfügt lediglich über Indikatoren, auf denen man Annahmen entwickeln kann. Auf der anderen Seite weiß man aber, wie Drogenkonsum unter kriminalisierenden Umständen aussieht, auch wenn eine eindeutige, exklusive Zuschreibung gewisser Probleme - zum Beispiel der sogenannten Beschaffungskriminalität - selbstverständlich nicht möglich ist. Die Periode des 'Long Thirst', der Trockenlegung in den Vereinigten Staaten in den zwanziger Jahren, hat aber nachdrücklich gezeigt, zu welchen Problemen eine Kriminalisierungspolitik führen kann. Auch das Alkoholverbot brachte unter anderem eine Verelendung von abhängigen Konsumenten, Kriminalität im Zusammenhang mit einer Schwarzmarktsituation und eine blühende Alkoholmaffia mit sich (Coffey 1975; Brecher 1972, S. 265 ff; ). Unter anderem aus dieser Erfahrung läßt sich auch für die aktuelle Drogenpolitik die Lehre ziehen, daß sich mit Prohibition das Ziel einer - auch nur ansatzweise - drogenfreien oder - bescheidener formuliert - 'drogenarmen' Gesellschaft nicht erreichen läßt (Trautmann 1993). Schließlich bestätigt die aktuelle prohibitionistische Drogenpolitik die Erfahrungen mit der amerikanischen Alkoholprohibition. Auch in unserer Gesellschaft werden illegale psychoaktive Stoffe nach wie vor konsumiert, vielleicht in geringerem Ausmaß, als in einer nicht-prohibitionistischen Situation der Fall wäre. Dies dürfte allerdings auch mit der Tatsache zu tun haben, daß es für die illegalen Drogen eine stattliche Zahl legaler Drogen als Alternativen gibt, vom Alkohol bis zu verschreibungspflichtigen Psychopharmaka.

Deutlich ist auch, daß die prohibitionistische Drogenpolitik zu einer immensen Verelendung vieler Konsumenten illegaler Drogen geführt hat. In diesem Zusammenhang sollte die von Liberalisierungsgegnern betonte Sorgepflicht des Staates, mit der die Beschränkung der individuellen Freiheit gerechtfertigt wird, diskutiert werden. Prohibition resultiert in einer in sich widersprüchlichen Drogenpolitik. Sie kreiert über die strafrechtlich sanktionierte Repression Probleme (Verelendung, Beschaffungskriminalität, etc.), die man wiederum - unter anderem über die Drogenhilfe - mit sozialen Maßnahmen lösen will. Die Gegner einer Liberalisierung beschränken sich in ihrer Argumentation in der Regel auf die negativen Folgen der Liberalisierung und blenden die negativen Folgen der Kriminalisierung aus: Der Status Quo wird nicht hinterfragt.

Prohibition erschwert - und verhindert im Einzelfall - die Entwicklung von kontrolliertem Konsum (Grund 1993). Wie kontraproduktiv dies ist, zeigt sich am experimentellen Drogenkonsum unter Jugendlichen. Dieser kann als Element der 'rite de passage' zwischen Kindheit und Erwachsenenalter aufgefaßt werden, als gesunder, normaler Aspekt im Generationskonflikt, als Element der Identitätsbildung (Shedler und Block 1990). Im Rahmen eines repressiven Ansatzes wird Experimentieren mit Drogen negativ gewertet, als gefährlich, deviant oder kriminell, wodurch in der Regel die (möglichen) Risiken im Zusammenhang mit Drogenkonsum vergrößert werden. Drogenkonsum, auch der experimentelle, wird mit Ausgrenzung beantwortet (Trautmann und Buning 1993). Deviantes und kriminelles Verhalten, Drogenkarrieren werden dadurch nicht verhindert, sondern geradezu gefördert.

Das Ziel einer drogenfreien Gesellschaft erscheint auf diesem Hintergrund wenig realistisch, die Methode, mit denen man dieses Ziel erreichen will, wenig adäquat. Prohibition als Mittel, mit dem man die Zielvorstellung einer drogenfreien Gesellschaft verwirklichen will, wird nicht selten selbst zum Ziel. Dabei spielt übrigens die Erfolglosigkeit des prohibitionistischen, repressiven Ansatzes, eine wichtige Rolle: Gelingt es nicht, um mit den vorhandenen repressiven Mitteln Erfolge im Kampf gegen die Drogen zu verzeichnen, fordert man brav mehr Repression (zum Beispiel mehr Polizei, mehr Gefängnisse, härtere Strafen, neue Fahndungsmethoden, etc.), oder - um mit Watzlawick zu sprechen - mehr desselben, das heißt eine Lösung, die im Grunde genommen selbst das Problem ist (Watzlawick u.a. 1984). Man übersieht somit völlig, daß die Probleme, die man mit einer prohibitionistischen Drogenpolitik bekämpfen will, eine Folge dieser Drogenpolitik sind.

Die Geschichte der Dogenpolitik zeigt, daß Prohibition häufig die erste Reaktion einer Gesellschaft auf das Auftauchen eines bisher in dieser Gesellschaft unbekannten, nicht in ihre Kultur integrierten psychoaktiven Stoffes ist. In einer prohibitionistischen Politik wird dann ein Mittel gesehen, mit dem sich die Verbreitung des Konsums dieses neuen Mittels verhindern läßt. Die Geschichte der Einführung von Kaffee und Tabak - aber auch von destilliertem Alkohol - in Europa illustriert das (Austin 1982). Sie demonstriert aber auch, daß der Versuch, mit Prohibition der Popularisierung dieser Mittel entgegen wirken zu wollen, zum Scheitern verurteilt ist. Das heißt, Prohibition kann im Grunde genommen als eine anscheinend notwendige Phase in dem Prozeß der kulturellen Integration gesehen werden (Fromberg 1993).

Die Schlußfolgerung, daß prohibitionistische Maßnahmen zum Scheitern verurteilt sind, gilt auch für Prohibition als Versuch, in einer Gesellschaft eingebürgerte Mittel zu bannen. Hierfür kann das klägliche Scheitern des von der somalischen Regierung Anfang der achtziger Jahre unternommenen Versuchs, den weitverbreiteten Konsum von Khat zu unterbinden, als Beispiel dienen (Elmi u.a. 1987).

 

Schlußbemerkung

Die angesprochenen Erfahrungen mit dem Konsum psychoaktiver Stoffe in verschiedenen Kulturen legen nahe, daß der gängige repressive Ansatz in der Drogenpolitik nicht fruchtet. Weiter oben wurde bereits darauf hingewiesen, daß der strafrechtliche Ansatz nicht nur kein Beitrag zu einer Lösung des Drogenproblems ist, sondern gerade als eine der wichtigsten Ursachen dieses Problems gesehen werden muß. Im Grunde genommen kann die Kriminalisierung der Drogenkonsumenten sogar als Kern des heutigen Drogenproblems angemerkt werden. Sie steckt hinter dem Gros der Probleme der User, sie ist die Basis, auf der sich ein Schwarzmarkt entwickelt hat, der seinerseits wieder den Hintergrund bildet für die bekannten im Zusammenhang mit Heroinkonsum auftretenden Probleme, wie zum Beispiel Beschaffungskriminalität und Entwicklung einer Drogenmaffia.

Aus dem vorhergehenden dürfte auch bereits deutlich sein, daß es keine einfachen, eindeutigen Lösungen gibt für das Drogenproblem. Das liegt zu einem Teil daran, daß die heutige Drogenpolitik in ihrer Zweigleisigkeit - auf der einen Seite von dem Strafrecht sanktioniertes repressives Eingreifen, auf der anderen Seite Drogenhilfe hauptsächlich in Form von Beratung und Therapie - im Grunde genommen widersprüchlich ist. Das Ziel der Drogenhilfe, Voraussetzungen zu schaffen für ein menschenwürdiges Leben der Klienten, kann prinzipiell nicht in Einklang gebracht werden mit der Kriminalisierung, denn letztere steht einem menschenwürdigen Leben der Drogenkonsumenten grundsätzlich im Weg. Von Kritikern der repressiven Drogenpolitik wird bereits seit langem darauf hingewiesen, daß Kriminalisierung, sowohl direkt auf der Grundlage des BtMG als auch indirekt in Form der Bekämpfung der sogenannten Beschaffungskriminalität, eher Probleme kreiert als löst, und dies übrigens nicht nur für Drogenkonsumenten (Quensel 1982: 160 ff.).

Drogenhilfe ist unter diesen - kriminalisierenden - Umständen zum Großteil dann auch nichts anderes, als ein Versuch die Folgen dieser Kriminalisierung zu beheben. Das gilt mit Nachdruck für eine Methadonvergabe, aber auch für psychosoziale Betreuung und Hilfe beim Aufbau einer konkreten Lebensperspektive (Arbeit, Wohnung, soziale Kontakte, usw.), die als Folge der Kriminalisierung zur Unmöglichkeit wird. Die Probleme von Drogenkonsumenten sind zum Großteil Folgen der strafrechtlich sanktionierten Ausgrenzung.

Zu einem anderen Teil ist das Drogenproblem in seiner Verknüpfung von individuellen, sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten zu komplex, um einen Ansatz, in dem - implizit - die Möglichkeit von eindeutigen Lösungen dieses Problems unterstellt wird, als sinnvolle Perspektive akzeptieren zu können. Jede drogenpolitische Maßnahme hat auf Grund der Komplexität und Widersprüchlichkeit des Problems nicht nur Vor- sondern auch Nachteile. Realistisches Ziel der Drogenpolitik kann darum bestenfalls sein, über eine Normalisierung einen weniger problematischen Umgang mit Drogen zu erreichen (Trautmann 1991).

Damit bleibt unbestritten, daß Drogenkonsum auch negative, riskante Seiten hat. Mit Kriminalisierung ist dem aber nicht effektiv entgegen zu wirken, im Gegenteil. Eine erwägenswerte Alternative ist der Versuch, Voraussetzungen für die Entwicklung von Konsummustern zu schaffen, die die im Zusammenhang mit Drogenkonsum - möglicherweise - auftretenden Risikos auf ein Minimum beschränken. Eine Möglichkeit sind Maßnahmen, die sich - primär - an der Zielvorstellung 'Schadensbegrenzung' orientieren. Das gilt nicht nur für den Bereich der Drogenhilfe, das heißt der 'Behandlung' von Drogenkonsumenten, sondern auch für den Bereich der Prävention. Prävention, als Versuch, Jugendliche vom Drogenkonsum abzuhalten, kann in Anbetracht des massenweisen Konsums psychotroper Stoffe in unserer Gesellschaft wohl schwerlich als Erfolg gewertet werden. Das gilt nicht nur für illegale sondern - mit Nachdruck - auch für legale Drogen. Drogenprävention mit dem Ziel, Jugendlichen verantwortungsvollen Umgang mit psychoaktiven Stoffen nahezubringen, dürfte in dieser Hinsicht eine realistischere und mehr erfolgversprechende Perspektive sein.

Es erscheint darum angemessener, als Zielvorstellung von Drogenpolitik nicht eine - über prohibitionistische Maßnahmen - zu erzwingende Abstinenz, sondern kontrollierten Umgang mit Drogen zu wählen. Zentrale Begriffe dieser Drogenpolitik sind selbstverantwortlicher, kontrollierter Umgang mit Drogen und Schadensbegrenzung. Das heißt, man sollte sich mit der Frage auseinandersetzen, ob die Tatsache, daß es nicht gelingt, einige Menschen von ihrem problematischen Konsum abzubringen, den Beschluß rechtfertigt, allen Menschen die Perspektive des integrierten Konsum zu verstellen.

 

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