Sucht im Jugendalter - Substanzenmissbrauch, Internetsucht, Spielsucht

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Überblick

Suchtist der umgangssprachliche Begriff für verschiedene medizinisch-psychologische Krankheitsbilder. In der Fachwelt ist dieser Ausdruck für substanzgebundene Abhängigkeiten durch den Begriff Abhängigkeitssyndrom ersetzt worden.

Es werden drei Formen des Gebrauchs psychoaktiver Substanzen unterschieden:

  • Konsum
  • Missbrauch
  • Abhängigkeit

Missbrauch bezeichnet einen Konsum von Substanzen, der negative Auswirkungen auf das psychische, soziale und körperliche Funktionieren sowie auf die weitere persönliche Entwicklung hat. Unter Abhängigkeit versteht man ein Syndrom von körperlichen, psychischen und Verhaltensphänomenen, bei dem der Drogenkonsum andere zuvor bedeutsame Lebensbereiche in den Hintergrund gedrängt hat.

[Bearbeiten] Entwicklungspsychopathologie

Die Entwicklungspsychopathologie beschäftigt sich mit Entwicklungsprozessen mit dem Ziel, Ursprung, Entfaltung und Veränderung von Mustern gelingender und misslingender Lebensbewältigung zu verstehen (Cicchetti & Sroufe, 2000, S. 256f).

Wichtige Elemente des entwicklungspsychopathologischen Ansatzes sind distale bzw. proximale und normative bzw. nicht normative Entwicklungseinflüsse. Distale Entwicklungsbedingungen liegen in einem Lebensabschnitt vor dem Auftreten der psychischen Störung während proximale Bedingungen akut diese Entstehung auslösen können. Normative Einflüsse gehen von einer normalen Entwicklung aus und betreffen die Mehrheit der Menschen einer Altersgruppe, während nicht normative Einflüsse unerwartet auftreten.

[Bearbeiten] Substanzenmissbrauch

Alkohol ist die am häufigsten konsumierte psychoaktive Substanz und entwicklungspsychopathologisch gut untersucht (Silbereisen, 1997; Zucker et al., 2000), deshalb wird Alkoholmissbrauch im Folgenden unter diesen Gesichtspunkten näher betrachtet.

  • Distale nicht normative Einflüsse

Distale Umweltbedingungen wie z.B. der Erziehungsstil während der Kindheit können zur Entstehung psychischer Störungen beitragen. Baumrind (1991) konnte keinen Zusammenhang zwischen distalen Erziehungsstil und Alkohol- bzw. Drogenkonsum zeigen. Jedoch korreliert unengagierter und nondirektiver aktueller Erziehungsstil positiv mit dem Drogenkonsum 15-jähriger.

  • Proximale nicht normative Einflüsse

Vernachlässigte Kinder, Kinder von Eltern die selbst Alkohol trinken und andere Drogen nehmen sind nach Untersuchungen eher gefährdet Alkoholmissbrauch zu entwickeln als "gut behütete" Jugendliche. Schulenberg et al. (1996) konnten zeigen, dass der Übergang vom jugendtypischen Trinken im Alter von 18 Jahren zu einem höheren Alkoholkonsum sechs Jahre später durch eine geringe Wertschätzung von Konventionen und Trinken um des Rausches wegen erklärt werden kann.

  • Proximale normative Einflüsse

Mit Verhaltensweisen, die den Erwachsenen vorbehalten sind, beanspruchen Jugendliche symbolisch den Erwachsenenstatus. Dazu gehört eben auch der Konsum von Alkohol.

[Bearbeiten] Pubertät

Eine früher einsetzende Pubertät bei Mädchen geht mit einem früheren und stärker ausgeprägten jedoch nicht zwingend mit einem dauerhaft höheren Alkohol- und Zigarettenkonsum einher (Dick et al., 2000).

[Bearbeiten] Geschlechtsrolle

Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und nicht traditionellen Einstellungen zur weiblichen Geschlechtsrolle bei Frauen bzw. der traditionellen Männerrolle und der Angst unmännlich zu sein bei Männern zeigen.

[Bearbeiten] Internetsucht

Mit Internetabhängigkeit, auch Internet- oder Onlinesucht wird das Phänomen bezeichnet, im Übermaß das Internet zu nutzen. In der Wissenschaft ist der Begriff umstritten, da das Krankheitsbild noch zu wenig erforscht ist. Vor allem Jugendliche laufen Gefahr, ins virtuelle Leben zu fliehen. Nach Hahn & Jerusalem (2001) ist Internetsucht weit häufiger bei Jugendlichen als bei Erwachsenen zu beoabachten.

[Bearbeiten] Spielsucht

Pathologisches Spielen oder zwanghaftes Spielen wird durch die Unfähigkeit eines Betroffenen gekennzeichnet, dem Impuls zum Glücksspiel oder Wetten zu widerstehen, auch wenn dies gravierende Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld nach sich zu ziehen droht oder diese schon nach sich gezogen hat. (s. Spielsucht)

[Bearbeiten] Literatur

Tilmann & Habermas (2002). Substanzenmissbrauch und Ess-Störungen (S. 847-858). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychlogie. Weinheim: Beltz.

http://de.wikipedia.org/wiki/Sucht

http://de.wikipedia.org/wiki/Abh%C3%A4ngigkeitssyndrom

http://de.wikipedia.org/wiki/Internetsucht

http://de.wikipedia.org/wiki/Spielsucht

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