Sozialisation als Basis von Entwicklung

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In der Entwicklungspsychologie wird Sozialisation als Basis bzw. Ausgangspunkt für weitere Entwicklungen gesehen. Um mit dem Begriff Sozialisation arbeiten zu können muss dieser zuerst kurz beleuchtet werden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Begriff Sozialisation

In der Sozialwissenschaft wird der Begriff Sozialisation oft als zweite, „sozio-kulturelle“ Geburt (Rene König) angesehen. Dies impliziert auch, dass unter Sozialisation nicht nur Erziehung sondern auch das Eingliedern des Individuums in die Gesellschaft und die Bildung von Normen und Werten bzw. die Rollenübernahme in der Gesellschaft gemeint ist. Zu Beginn wurde die Sozialisation begrenzt auf das Jugendalter gesehen. Heute unterscheidet man mehrere Phasen und sieht diese als lebenslangen Prozess an. Beginnend in den ersten Lebensjahren wird in der primären Sozialisation grundlegende Verhaltensmuster und –regeln erlernt. In der sekundären Phase, in der die Kinder bereits in die Schule gehen, erlernen sie Normen, Werte, Fähigkeiten, die sie benötigen um in der Gesellschaft zu „funktionieren“. Weiters definiert ist die tertiäre Phase, in der der Schwerpunkt auf Bewältigung und Auseinandersetzen mit beruflichen und sozialen Anforderungen, die an ein Mitglied der Gesellschaft gestellt werden, liegt.

Der Begriff Sozialisation ist laut Gerhard Wurzbacher in 3 Arten unterteilt. Einerseits die Personalisation, unter der die Selbstformung der eigenen Triebstrukturen, die Herausentwicklung der eigenen Persönlichkeit gemeint ist. Zweitens die Sozialisation im engeren Sinn, die die Eingliederung des Menschen in die Gesellschaft meint und schließlich die Enkulturation, in der kulturelle Elemente in die eigene Persönlichkeit aufgenommen werden.

[Bearbeiten] Herausbilden des „Self“ durch die „generalized other“

Laut G.H. Mead entwickelt sich die Persönlichkeit und Identität durch die Gruppe bzw. Bezugspersonen in denen das Kind aufwächst. Das Kind lernt im Laufe der Sozialisation sich von seinem eigenem Handeln zu distanzieren und sein Handeln durch Rollenübernahme seines Gegenübers aus einer anderen Sichtweise zu bewerten. Mead nennt dies sozialen Erwerb des Selbst (vgl. Bellebaum 2001, S.67).

[Bearbeiten] Sozialisation im Jugendalter

Zum einen wird die Sozialisation im Kindes- bzw. Jugendalter bei Oerter angesprochen. Dabei wird im Speziellen auf die individuelle Entwicklung als auch die langfristige Einflusswirkung von Sozialisation in diesem Alter thematisiert. Es wird beschrieben, dass Erfahrungen im Jugendalter auch immer einen Zusammenhang mit der Hintergrundsituation des Jugendlichen eine Rolle hat. Weiters wird davon ausgegangen, dass die frühe Sozialisation eine Wirkung auf das spätere Handeln und die Werte desjenigen hat. Explizit angesprochen wird die Herausentwicklung und Befähigung des Jugendlichen, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu vertreten. Das Gleiche gilt für Werte, Normen und Ziele eines Menschen. Hierbei kann es öfters zu Konflikten geraten, da bei der Herausbildung der eigenen Identität konträre Rollenbilder, Werte und Normen aufeinander treffen können.


[Bearbeiten] Retroaktive Sozialisation

Die zweite, laut Montada, wichtige Sozialisation, überhaupt im Zusammenhang mit Jugendlichen, ist die Sozialisation der Eltern durch ihre Kinder. Es wurde empirisch bewiesen, dass Eltern von ihren Kindern „manipuliert“ werden und auf die Handlungen regieren, auch wenn das Handeln des Kindes selbst unterbewusst passiert. Angeführt wurde hier in der „Child effect Forschung“(Montada 2002, S. 40) das Weinen des Babys. Ob es den Eltern passt oder nicht, Kinder „zwingen“ ihre Eltern über ihre eigenen Werte, Normen und Regeln zu reflektieren um diese gegebenenfalls zu revidieren oder abzuändern. Natürlich sind Einstellungen und dergleichen von Erwachsenen nicht festgefroren, doch oft sind es die eigenen Kinder, die den Anstoß zum Überdenken geben. Es heißt im Text: „Kinder konfrontieren ihre Eltern oft mit „abweichenden“ Ansichten und Wertungen“ (Montada 2002, S. 41). Dieser Satz drückt sehr deutlich den Vorgang der sogenannten retroaktiven Sozialisation aus.

[Bearbeiten] Literatur

Bellebaum, Alfred (2001). Soziologische Grundbegriffe. Stuttgart. Kohlhammer.

Montada, Leo (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven (S. 3-53). In Rolf Oerter &Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

Stangl, W. (2010). Niveaus und Stufen sozial-kognitiver Entwicklung nach R. L. Selman. Die sozial-kognitive Entwicklung. [werner stangl]s arbeitsblätter. WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/MORALISCHEENTWICKLUNG/SozialkognitivEntwicklung.shtml

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