Schülerorientierung

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Die Idee hinter dem Qualitätsmerkmal Schülerorientierung

Schülerorientierung ist für den Unterricht von besonderer Bedeutung, da diese eine positive Einstellung der Schüler/innen gegenüber der Schule, dem Lernen und der Lehrperson bewirkt. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass dabei das Selbstvertrauen der Schüler/innen und die Lernmotivation deutlich gestärkt werden (vgl. Helmke, 2009, S. 231). Aus diesen Gründen, stellt das Qualitätsmerkmal Schülerorientierung einen großen Stellenwert im Unterricht dar, wobei die Lehrer/innen dabei aufgefordert sind, folgende Punkte zu beachten, um den Unterricht schülerorientiert zu gestalten:


• Berücksichtigung der Lebenslage des/r einzelnen Schülers/in,

• bei Entwicklungsbesonderheiten Bereitstellung von Förderplänen,

• Mitwirken lassen des/r Schülers/in an der Planung vom Unterricht,

• Schüler/innen selbsttätig, selbstverantwortlich und selbst entdeckend arbeiten lassen,

• mit Schüler/innen Metakommunikation und Selbstevaluation betreiben und

• offener und akzeptierter Kommunikationsstil (vgl. Wiater & Votterle, 2007).


Durch die Mitgestaltung in der Zielformulierung und im Unterrichtsprozess, erkennen die Schüler/innen, warum sie etwas lernen. Zielklarheit, Transparenz und die aktive Beteiligung am Unterrichtsprozess erhöhen sowohl die Motivation, als auch den Wissenszuwachs der Schüler/innen. Aus diesen Gründen ist es wichtig, die Dimension Schülerorientierung im eigenen Unterricht zu beobachten, zu analysieren und zu reflektieren.


Oftmals stehen der Unterrichtsstoff sowie die Lehrperson im Vordergrund. Das Qualitätsmerk-mal Schülerorientierung bedeutet jedoch, dass die Schüler/innen im Mittelpunkt des Unterrichts stehen und unabhängig von Lernen und Leistung als Person ernst genommen und wertgeschätzt werden. Die Lehrperson ist nicht nur Ansprechpartner für fachliche, sondern auch für persönliche Angelegenheiten (vgl. Helmke, 2009, S. 230).


Schülerorientierung heißt auch, dass die Zielauswahl, Inhaltsbestimmung und Methodengestaltung des Unterrichts an die Schüler/innen ausgerichtet ist und dass diese in einem angemessenen Rahmen die Möglichkeit zur Mitbestimmung haben (vgl. Helmke, 2006). Die unterrichtsbezogenen Planungen sollen an den Erfahrungen, Bedürfnissen, Vorwissen, Ausgangslage, Interessen und Erwartungen der einzelnen Schüler/innen ausgerichtet sein (vgl. Großmann, 2005).


Schülerorientierung kann sich beispielsweise durch regelmäßige Schülerfeedbacks oder der Unterrichtsbeteiligung zeigen. Weiters kann sich die Lehrperson selbst beobachten lassen. Dazu haben wir sowohl einen Lehrerbeobachtungsbogen, als auch einen Feedbackbogen für die Schüler/innen zur Selbstevaluation, mit den Items Schüler-Lehrer-Beziehung, Berücksichtigung der Individualität, Schülertätigkeit/Selbsttätigkeit, vielfältige Methodengestaltung und Kommunikation, gewählt. Mit dem Einsatz dieser Instrumente gewährt man dem/r Lehrer/in Einblicke in seine/ihre Unterrichtsgestaltung und bekommt Rückmeldung, inwieweit er/sie das Qualitätsmerkmal Schülerorientierung im Unterricht berücksichtigt.


Einsatzmöglichkeiten der Instrumente

Der Feedbackbogen für die Schüler/innen als auch der Lehrerbeobachtungsbogen können durch die allgemein formulierten Fragen fast immer und überall eingesetzt werden, wo das Qualitätsmerkmal Schülerorientierung beobachtet werden soll. Die Items (Indikatoren) sind so formuliert worden, dass sie in allen Schulformen einsetzbar sein sollten. Jedoch empfiehlt es sich individuelle Änderungen vorzunehmen. Auch sind beide Instrumente fachunabhängig konstruiert worden, was den Einsatz in verschiedensten Fächern ermöglicht. Empfehlenswert ist es, wenn zuerst eine Selbsteinschätzung von der jeweiligen Lehrperson und erst im Anschluss eine Fremdeinschätzung mit diesen Instrumenten erfolgen würde. Durch das Abgleichen beider Ergebnisse können wichtige Schlussfolgerungen auf den Unterricht gezogen und Verbesserungsvorschläge diskutiert werden. Wichtig ist dabei, dass die Ergebnisse als konstruktives Feedback ernst genommen werden und die Verbesserungsvorschläge im Nachhinein konkret umgesetzt werden. Es macht Sinn, den Feedbackbogen als auch den Beobachtungsbogen am Ende jedes Semesters in den einzelnen Klassen durchzuführen. Schließlich ist die Selbstevalu-ation des Unterrichts als ein zyklischer Prozess zu verstehen, dessen Endpunkt zugleich Ausgangspunkt für eine neuerliche „Evaluationsrunde“ ist.


Hinweise über die Auswertung und Interpretation

Der Schülerfragebogen wurde mittels SPSS ausgewertet, dabei wurde der Fokus auf den Mittelwert gelegt. Die Interpretation der Ergebnisse wurde von der Gruppe durchgeführt. Näheres dazu ist in Vorgangsweise und Auswertung des Schülerfragebogens bzw. des Feedbackbogens nachzulesen. Die Problematik der Interpretation liegt im Aussagegehalt der erhobenen Werte. Was sagt ein Mittelwert von drei auf einer vierstufigen Skala aus? Ist dieser a priori als hoher Wert zu interpretieren? Es müssten durch Fremd-, Selbst-, kollegiale Erhebungen oder mehrmalige Erhebungen mit demselben Bogen Vergleichsdaten geschaffen werden.


Erfahrungen beim Einsatz

• Bei der Gestaltung des Fragebogens ist es wichtig, dass kurze, einfache Sätze verwendet werden, damit die Schüler/innen keine Verständnisprobleme haben.

• Die Feedbackbögen sollen nicht zu lange sein, da die Schüler/innen dazu tendieren können, irgendetwas anzukreuzen, ohne die Frage ordentlich gelesen zu haben.

• Den Schüler/innen soll genügend Zeit am Ende des Unterrichts zum Beantworten der Fragen eingeräumt werden, damit sie dabei nicht unter Stress die Fragen schnellstmög-lich beantworten.

• Die Dauer beträgt ca. 10-15 Minuten.

• Die Lehrperson soll sich dabei eher zurückziehen, damit sich die Schüler/innen nicht beobachtet fühlen (Anonymität muss gegeben sein).


detaillierte Informationen zum Merkmal Schülerorientierung




Instrumente der Selbstevaluation

- Feedbackbogen für Schüler/innen (WORD) (PDF)

- Beobachtungsbogen für Lehrer/innen (WORD) (PDF)




weiterführende Literatur

Dietrich, T. (1976). Der schülerorientierte Unterricht - ein Grundprinzip der Pädagogik in Vergangenheit und Gegenwart (S. XXX-XXX). In Schmaderer, F.O. (Hrsg.), Die Bedeutung eines schülerorientierten Unterrichts. Ort: Verlag.

Einsiedler, W. (1976). Didaktik eines schülerorientierten Unterrichts (S. XXX-XXX). In Härle, H. & Einsiedler, W. (Hrsg.), Schülerorientierter Unterricht. Ort: Verlag.

Helmke, A. (2009). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evalutation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze-Velber: Kallmeyer.

Klippert, H. (1998). Teamentwicklung im Klassenraum. Übungsbausteine des Unterrichts. Weinheim: Beltz.

Lankes, E.A. (2010). Interessen wecken. Was wissen wir über die Motivierung von Schülern? (S. XXX-XXX). In Eikenbusch, G. & Heymann, H.W. (Hrsg.), Was wissen wir über guten Unterricht? Ort: Verlag.

Meyer, H. (1987). Unterrichtsmethoden I: Theorieband. Frankfurt am Main: Scriptor.

Meyer, H. (1987). Unterrichtsmethoden II: Praxisband. Frankfurt am Main: Scriptor.

Meyer, H. (2004). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor.

Riedl, A. (1976). Pädagogische Absichten und anthropologische Grundannahmen des schüler-orientierten Unterrichts (S. XXX-XXX). In Härle, H. & Einsiedler, W. (Hrsg.), Schülerorientierter Unterricht. Ort: Verlag.


Schröder, H. (2002). Lernen, Lehren, Unterricht: Lernpsychologie und didaktische Grundlagen. München: Oldenbourg Verlag.

Trautmann, M. / Wischer, B. (2010). Individuell fördern im Unterricht. Was wissen wir über Innere Differenzierung? (S. XXX-XXX). In Eikenbusch, G. & Heymann, H.W. (Hrsg.), Was wissen wir über guten Unterricht? Ort: Verlag.


Internetquellen

Helmke, A. (2006). Was wissen wir über guten Unterricht. WWW: http://nibis.ni.schule.de/~sts-ler/erdmann/guter-unterricht_helmke.pdf (2010-11-12)

Großmann, B. (2005). Möglichkeiten und Grenzen eines schülerorientierten Unterrichtskonzeptes – dargestellt am Beispiel der Unterrichtseinheit „Planung eines alternativen Sportfestes“ mit einer 3. Grundschulklasse. WWW: http://nibis.ni.schule.de/~as-ver/fach/sport/arbeit/Sportfest_alternativ.pdf (2009-10-15)

Wiater, W, & Votterle, B. (2007). Zusammenfassung: Unterrichtsprinzipien WWW: http://voetterle.de/wp-content/uploads/2008/08/zusammenfassung_u_prinzp.pdf (2009-10-15)

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