Klassenklima

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Die Idee hinter dem Qualitätsmerkmal Klassenklima

Das Klassenklima, nach Hilbert Meyer auch als lernförderliches Klima bezeichnet, kennzeichnet eine Unterrichtsatmosphäre, in der • gegenseitigen Respekt,

• verlässlich eingehaltene Regeln,

• gemeinsam geteilte Verantwortung,

• Gerechtigkeit des Lehrers gegenüber jedem Einzelnen und dem Lernverband insgesamt

• und Fürsorge des Lehrers für die Schüler und der Schüler untereinander vorherrschen (vgl. Meyer 2004, S. 47).


Weitere Eigenschaften des Begriffes „Klassenklima“ sind, z. B., der in einer Klasse vorherrschende „emotionale“ Ton, eine spannungsfreie Atmosphäre, gefühlsmäßige Bedingungen zwischen Erzieher und Kind, Qualität sozialer Beziehung von Schüler/innen und Lehrer/innen zu- und untereinander (vgl. Eder 1996, S. 21).


Für Lehrkräfte ist es vor allem in Zeiten eines schnellen kulturellen und gesellschaftlichen Wandels interessant zu wissen, wie es um das Klima in ihrem Unterricht bestellt ist. Über das Klima im eigenen Unterricht im Bilde zu sein, hilft den einzelnen Lehrkräften, in Verbindung mit anderen Unterrichtsmerkmalen, die Qualität ihres Unterrichts zu erkennen und selbigen dahingehend zu gestalten, dass er als „gut“ bezeichnet werden kann. Um das Klassenklima messbar zu machen, wurde mehrere Indikatoren, bzw. Items entwickelt, die vor allem aus den Kategorien:


• Beziehung, bzw. Umgang zwischen Schüler/-innen und Lehrern/-innen

• Beziehung, bzw. Umgang zwischen den Schülern/-innen

• Verhalten der Schüler/-innen) und Lehrer/-innen in der Klasse

• Regeln in der Klasse,

u. v. m. bestehen.


Die Indikatoren, bzw. Items, durch die wir das Klassenklima gemessen haben, sind aus unserem angehängten Evaluierungsbogen zur Messung des Klassenklimas zu entnehmen.

Ferdinand Eder beschreibt in seiner Forschung zum Schul- und Klassenklima verschiedene Umstände und Gegebenheiten, die die Interpretation von Klassenklima beeinflussen können. Schlagend sind hier die Situierung und Größe der Schule, die Größe der Klasse, der Lehrkörper und die Schulleitung sowie die Merkmale der Schüler/-innen (vgl. Eder 1996, S. 54 ff). Einsatzmöglichkeiten des Instruments

Unser Evaluierungstool zum Klassenklima kann, aufgrund der Formulierung und Art der Items universell im Unterricht der Sekundarstufe II eingesetzt werden. Es spielt dabei keine Rolle in welchem Fach oder in welchem Jahrgang der Sekundarstufe II unser Instrument angewendet wird. Lehrkräfte, die an der Güte ihres Klassenklimas interessiert sind, lassen unser Instrument von Schülern/-innen ausfüllen um somit deren Auffassung vom Klima in dem betreffenden Unterricht, bzw. in der betreffenden Klasse festzustellen.

Wir würden es als sinnvoll befinden, wenn man, als Lehrkraft, das Evaluierungsinstrument zur Selbsteinschätzung verwendet und im Anschluss die Abweichungen zwischen dieser Selbsteinschätzung und den Empfindungen der Schüler/-innen Item für Item analysiert. Wir möchten auch darauf hinweisen, dieses Evaluierungsinstrument als Feedback zur, bzw. Anstoß zur Verbesserung der Güte des Klimas zu sehen und nicht als Kritik der Schüler an den Fähigkeiten der Lehrkraft.


Hinweise über die Auswertung und Interpretation

Wir haben die ausgefüllten Evaluierungsbögen mit Hilfe des Programmes Microsoft Excel ausgewertet. Wir bildeten für jeden Bereich des Klassenklimas (am Evaluierungstool durch Überschriften gekennzeichnet) die Mittelwerte (bestehend aus einer definierten Punkteskala pro Item und Bewertungsmöglichkeit) und benoteten diese Bereiche auf Grundlage eines Notenspiegels. Im Anschluss bildeten wir, aus den einzelnen Noten der Bereiche, den Mittelwert, der als Gesamtnote für das Klassenklima in der befragten Schulklasse, für den Unterricht einer bestimmten Lehrkraft, interpretiert wurde.

Beachten sollte man dabei die Berücksichtigung von positiv formulierten Items und negativ formulierten Items bezüglich der Punkteskala. Z.B. sind vier Punkte (trifft völlig zu) sehr gut für ein positiv formuliertes Item, für ein negativ formuliertes Item wäre ein Punkt (trifft gar nicht zu) sehr gut.


Erfahrungen beim Einsatz

• Für die Itemkonstruktion ist es wichtig, gut verständliche Formulierungen zu verwenden. Gut verständliche Formulierungen sind stimulant, redundant, kurz/prägnant und einfach.

• Die Dauer des Ausfüllens des Evaluierungsinstruments durch die Schüler/-innen sollte nicht zu lange gewählt werden, da somit leicht eine Überforderung und Langeweile eintreten können. Diese Anforderung steht auch in direkter Verbindung mit der Anzahl der Items. Diese sollte auch nicht zu groß gewählt sein. Prinzipiell würden wir ei-ne gut strukturierte DIN A4-Seite vorschlagen.

• Weiters empfinden wir es als wichtig, die Schüler(innen) ohne Druck, konzentriert und ungestört arbeiten zu lassen, um eine objektive Einschätzung zu gewährleisten.


- detaillierte Informationen zum Klassenklima und zur Auswertung am Pilotprojekt




Selbstevaluationsinstrument


- Evaluierungsinstrument "Klassenklima" (WORD) (PDF)
- Excel-sheet zur Auswertung




weiterführende Literatur

Eder, F. (1996). Schul- und Klassenklima. Ausprägung, Determinanten und Wirkungen des Klimas an höheren Schulen. Innsbruck; Wien: Studienverlag.

Eder, F. (1998). Linzer Fragebogen zum Schul- und Klassenklima für die 8.-13. Klasse (LFSK 8-13). Handanweisung. Göttingen: Hogrefe.

Meyer, H. (2009). Was ist guter Unterricht? Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG.


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