Entwicklungspsychologie der Lebensspanne

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Die Entwicklungspsychologie (EP) der Lebensspanne (life-span developmental psychology) beschäftigt sich mit der auf die Lebensspanne bezogenen Untersuchung der Verhaltensentwicklung. Diese Forschungsrichtung hat erst seit den 60er Jahren einflussreiche Verbreitung gefunden, wobei die Anfänge bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen. Fortschritte auf den Gebieten der psychologischen Gerontologie, der Analyse kritischer Lebensereignisse und der soziologischen Lebenslaufforschung (z.B. Übergänge in der beruflichen Karriere, Familienzyklus) hatten wesentlich zu dieser Entwicklung beigetragen (vgl. Montada 2002, S8).

[Bearbeiten] Leitlinien der EP der Lebensspanne

  • Die Entwicklung endet nicht im frühen Erwachsenenalter

Im Gegensatz zu einer traditionellen Konzeption der Entwicklung enthält die moderne EP die Aspekte von Wachstum und Gewinn über die gesamte Lebensspanne. Im Besonderen endet die Entwicklung nicht nach der Adoleszenz, und Altern wird im Gegensatz zum traditionellen Konzept der EP nicht dem (mentalen und physiologischen) Abbau gleichgesetzt. Es tritt zwar in höherem Lebensalter eine Häufung von Verlusten bezüglich der Sinnesfunktionen, der Motorik und bestimmten kognitiven Eigenschaften auf, dies gilt aber nicht allgemein für verschiedene Funktionen der Intelligenz bzw. Weisheit. Schaie zeigte in Längsschnittuntersuchungen über die Entwicklung der Intelligenz, dass bei ca. 10% der Probanden noch im achten Lebensjahrzehnt eine Leistungssteigerung des Gesamtniveaus möglich ist, wobei zwischen kristallisierter und fluider Intelligenz unterschieden werden muss.

Kristallisierte Intelligenz kann unter dem Bündel Erfahrungswissen, kulturelle Wissensbestände oder Problemlösungsstrategien zusammengefasst werden, mit fluider Intelligenz wird dagegen die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung verstanden. Vor allem soziale Intelligenz, Expertenwissen, Lebenswissen und Lebensweisheit sind potentielle Wachstumsfaktoren im höheren Lebensalter (vgl. Ericsson, 1885; Weinert et al., 1988 zit. nach Montada 2002, S9)

Was versteht man unter Weisheit?

Die Fähigkeit, zu schwierigen und komplexen Fragestellungen des Lebens weise Stellung nehmen zu können

Was ist nötig, um zu schwierigen Fragenstellungen des Lebens weise Stellung nehmen zu können? (nach einer Untersuchung des Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung zur Weisheit)

  • Faktenwissen über das Leben,
  • strategisches Wissen,
  • die Fähigkeit Wertvorstellungen zu relativieren,
  • die Fähigkeit in Kontexten wandelnder Bedingungen der gesellschaftlichen Entwicklung zu denken,
  • das Akzeptieren von Ungewissheit und Unvorhersehbarkeit der Zukunft,
  • das Wissen um die Begrenztheit des eigenen Wissens.

Untersuchugen zeigen, dass zwar nicht alle alten Menschen weise sind, jedoch Weisheit im Alter auch nicht frühzeitig abnimmt.

Spielräume und Grenzen für eine Entwicklungsförderung

Untersuchungen (vgl. Baltes & Willis, 1982; Baltes et al., 1984; Dixon & Baltes, 1986) zeigten, dass die fluide Intelligenz auch im höheren Alter trainierbar ist, was zum Nachweis einer gewissen Reservekapazität führte.

Testing the limits

Eine Methode, um die Grenzen der Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen (vgl. Kliegl et al., 1989 zit. nach Montada 2002, S10).

Als Ergebnis dieser Studie zeigte sich, dass jüngere Erwachsene durch Training signifikant höhere Leistungsgewinne erzielen als ältere Erwachsene. Wie das von Baltes und Baltes (1989) formulierte Entwicklungsmodell zeigt, können diese Verluste jedoch durch selektive Optimierung einzelner Funktionsbereiche ausgeglichen werden.

Historischer Wandel und ontogenetische Entwicklung

Schaie (1965) beschäftigte sich mit der Frage nach einer angemessenen Methologie für die Gewinnung von Entwicklungsnormen. Die rasche gesellschaftliche Veränderung bedingt Leistungsunterschiede verschiedener Geburtenjahrgänge (Kohorten). Ein Beispiel dafür zeigt die Altersverlaufskurve (vgl. Baltes, 1968) bei der scheinbar mit steigendem Alter die Intelligenz abnimmt (Querschnittsstudie). Längsschnittuntersuchungen zeigen jedoch, dass dies die Folge von Leistungsunterschieden (z.B. wegen kürzerer Schulbildung) zwischen unterschiedlichen Kohorten ist.

Die EP der Lebensspanne erstreckt sich nicht nur auf Veränderungen sondern auch auf die Stabilität und Stagnation innerhalb der Zeitdimension Lebensalter. Das Alter alleine ist für all diese Phänomene keine Erklärung, vielmehr geht es um Prozesse und Ereignisse, die diese nachhaltigen Veränderungen bzw. Stabilitäten bewirken. Mit Entwicklung ist immer ein kontinuierlicher Übergang von einem Ausgangszustand in einen neuen Zustand gemeint, wobei der Ausgangszustand die notwendige Basis für den Neuzustand darstellt.

[Bearbeiten] Literatur

Montada, Leo (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven (S. 3-53). In Rolf Oerter &Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

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