Vorläufer der wissenschaftlichen Entwicklungspsychologie

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Weder in der Philosophie der Antike, noch im Mittelalter wird der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Erst ab dem 17. Jahrhundert bahnt sich eine Veränderung im allgemeinen Bewusstsein an.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kinder im Mittelalter - Kleine Erwachsene

Der Historiker Philippe Ariès (1914 – 1984) geht davon aus, dass im Mittelalter die Besonderheiten von Kindheit und Jugend, nicht als solche erkannt wurden. Kinder wurden als kleine Erwachsene gesehen und auch in Bildern als solche dargestellt (vgl. Montada 2002, S.15-16).

[Bearbeiten] Wegbereiter im 17. Jahrhundert

[Bearbeiten] Johann Amos Comenius

Johann Amos Comenius [1] (1592 – 1670) böhmischer Pädagoge, forderte eine Schule, in der auf eine altersgemäße Beschäftigung geachtet werden sollte.

[Bearbeiten] John Locke

Der englische Philosoph John Locke [2] (1632 – 1704) stellte fest, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. In Zusammenhang mit dieser Aussage waren für ihn auch die spezifischen Bedürfnisse und Möglichkeiten von Kindern erwähnenswert. (vgl. Montada 2002, S.16)

[Bearbeiten] Jean–Jacques Rousseau

Mit seinem Erziehungsroman „Emile“ beeinflusste der Philosoph Jean-Jacques Rousseau [3] (1712 – 1778) die Entwicklungspsychologie nachhaltig. In seinem Werk werden anhand der Erziehung eines Knaben (Emile) die Ansätze seiner Naturphilosophie erläutert. Für Rousseau erfolgt die menschliche Entwicklung in vier Stufen, die in seiner Natur begründet liegen:

  • Ausbildung des Körpers (1.-3. Lebensjahr)
  • Ausbildung der Sinnestätigkeit (4.- 12. Lebensjahr)
  • Ausbildung von Verstand und Urteil (13.- 15. Lebensjahr)
  • Entwicklung des Gefühlsleben und der Sittlichkeit (ab 16. Lebensjahr)


"Alles was aus den Händen des Schöpfers kommt, ist gut; alles entartet unter den Händen des Menschen." (Rousseau 1998, S.107)


Rousseau geht davon aus, dass der Mensch grundsätzlich gut ist, aber ständig der Gefahr ausgesetzt, durch die Gesellschaft verdorben zu werden (= „negative Pädagogik). Auch wenn die Pädagogik von Roussesau heute als überholt gilt, war er dennoch Wegbereiter für viele andere pädagogische Ideen. (vgl. Montada 2002, S.16-17)

[Bearbeiten] Entwicklungspsychologie auf empirischer Grundlage

Ab Ende des 18. Jahrhunderts ging mit der Verbreitung des Entwicklungsgedankens eine Forderung nach „Erfahrungsseelenkunde“ einher. In vielen Veröffentlichungen dieser Zeit vermischten sich pädagogische Vorstellungen mit empirischen Beobachtungen. Beispiele aus Deutschland:

  • Johannes Nikolaus Tetens [4] (1736 - 1807) "Philosophische Versuche über die Menschliche Natur und ihre Entwicklung"
  • Dietrich Tiedemann (1748 - 1803) "Beobachtungen über die Entwicklung der Seelenfähigkeit bei Kindern"
  • Joachim Heinrich Campe [5] (1746 - 1818) "Allgemeine Revesion des gesamten Schul- und Erziehungswesens"

(vgl. Montada 2002, S.17)

[Bearbeiten] Literatur

Montada, Leo (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven (S. 3-53). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

Rousseau, Jean-Jacques (1998). Emile oder Über die Erziehung. In Martin Rang (Hrsg.), Emile oder Über die Erziehung. Stuttgart: Reclam.

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