Suizid

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Fakten zu Suizidverhalten

In Deutschland ist der Suizid die zweithäufigste Todesursache. Im Jahr 2000 begingen im Alter von 5 bis 25 ungefähr 1.500 Menschen Suizid.

Frauen und Mädchen begehen öfter Suizidversuch als Männer und Jungen (das Verhältnis ist 3:1,5), wohingegen Männer und Jungen den Suizid häufiger vollziehen (2:3, in den USA sogar 1:3).

Ca. 80% der Suizid(versuche) werden vorher angekündigt und ungefähr 25% wiederholen ihn innerhalb von zwei Jahren. Die deutschen Jugendlichen versuchen oder vollziehen den Suizid am häufigsten durch Medikamenteneinnahme oder Erhängen, hingegen sind in den USA die häufigsten Verfahren Erschießen oder Erhängen.

Laut Untersuchungen werden die meisten Suizidversuche im Alter von 15 bis 35 Jahren unternommen, dann nehmen sie ab und im Alter steigen sie wieder an.

[Bearbeiten] Motive

Die Ursachen für den Suizid von Jugendlichen sind vielfältig und liegen sehr häufig in der frühen Kindheit, wobei gestörte Familienverhältnisse, sexueller Missbrauch, Angst verursachende Erziehung oder auch entgegengebrachtes Misstrauen zu psychischen Problemen zu den zentralen Ursachen zählen. Nach Angaben der Jugendlichen selber sind die Hauptmotive für einen Suizidversuch soziale Konflikte, vor allem Konflikte mit den Eltern. 51% der suizidalen Jugendlichen beschreiben ihre Beziehung mit den Eltern als disharmonisch, gespannt oder feindselig. Liebeskummer und Partnerprobleme sind die zweithäufigste Ursache für suizidale Akte. 10% der Jugendlichen geben als Grund an, dass sie mehr beachtet werden wollen. Eine weitere Ursache für den Anstieg von Selbsttötungen unter Jugendlichen ist vermutlich im Leistungsdruck zu suchen, denn schon früh werden an Kinder hohe Anforderungen gestellt, sei es in der Schule, in der Ausbildung oder in der Familie. In vielen Fällen können sie die entstehenden Versagens-Ängste gegenüber anderen nicht äußern, so dass der innere Druck immer stärker wird.

[Bearbeiten] Auslöser für Suizid unter Jugendlichen

Wenn Jugendliche durch die genannten Ursachen in ihrer Psyche ohnehin schon geschädigt sind, bedarf es sehr häufig nur noch eines Anlasses, um diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Solche Anlässe können Verlusterlebnisse sein (z.B. Tod eines Elternteiles), Drogen- bzw. Alkoholprobleme oder auch Liebeskummer.

[Bearbeiten] Anzeichen für suizidales Handeln

[Bearbeiten] Prävention

Für Eltern, Verwandte und Freunde ist es schwierig, einen Suizidentschluss bereits im Vorfeld zu erkennen. Dennoch gibt es sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen bestimmte Verhaltensweisen oder Äußerungen, die darauf hindeuten können, dass jemand zumindest suizidgefährdet ist. Zu solchen auffälligen Verhaltensweisen bzw. Äußerungen gehören direkte oder versteckte Ankündigungen, Tagebucheinträge, suizidale Vorbilder, genaue Vorstellungen über die Durchführung eines Suizides, Isolationstendenzen oder Minderwertigkeitsgefühle. Aber auch Gereiztheit, Aggressivität, Drogenkonsum und Zerstörungswille können als Anzeichen gedeutet werden. Vor allem bei Jugendlichen sollten Eltern hellhörig werden, wenn sich unvermittelt die Noten verschlechtern, Probleme mit MitschülerInnen und LehrerInnen auftauchen oder der Jugendliche versucht, durch Ausreißen der Situation zu entfliehen.

[Bearbeiten] Maskierter Suizid

Zum maskierten Suizid gehören Verkehrstote, die ja bei jungen Erwachsenen überproportional häufig sind, und Drogentote, die sich den goldenen Schuss verpassen.


[Bearbeiten] Entwicklungsstadien der Suizidhandlung

  • Stadium 1: Erwägung. Aufgrund verschiedener Faktoren (soziale Isolierung, Stress, Identitätsverletzung und Aggressionshemmung) kann ei Suizid in Erwägung gezogen werden. Darüber hinaus wird man stark von der Umwelt beeinflusst, wie Suizide in der Familie oder bei Bekannten sowie aus den Massenmedien. Diese Modelle dienen als Informationsquelle über die Möglichkeit eines Suizids, sowie die dazu verwendenden Mittel. Suizidale Erwägung sind daher recht häufig, führen allerdings nicht unbedingt in die nächsten Stadien.
  • Stadium 2: Abwägung.Kennzeichen dieses Stadiums sind die konstruktiven und destruktiven Tendenzen. Der Suizidale schwankt zwischen Leben- und Sterbenwollen. Diese Unsicherheit ist der Hauptgrund für die Ankündigung von Suizidabsichten, die aber leider kaum ernst genommen werden. Die Ankündigung sollte als Hilferuf und Versuch der Kontaktaufnahme gesehen werden. Am Ende des Stadiums bereitet der Suizidale den Entschluss vor, entweder in Richtung Suizidtendenz oder in Richtung der Aufgabe dieses Vorhabens.
  • Stadium 3: Entschluss. In diesem Stadium wird die Entscheidung gefällt und es kommt zu einem Entschluss. Unter Geheimhaltung des Vorhabens werden Vorbereitungen für den Suizid getroffen und nötige Mitteln besorgt.


[Bearbeiten] Suizidales Verhalten als Identitätsproblem

Es ist noch nicht klar inwieweit suizidale Tendenz mit der Identität und dem Selbstkonzept zusammenhängen. Es ist jedoch theoretisch Erklärbar, dass Selbsttötungstendenzen aus einer Identitätsstörung hervorgeht.

Suizidtheorie: Baumeister(1990) erklärt in seiner Suizidtheorie, dass vor dem suiziden Handeln folgende sechs Schritte durchlaufen werden müssen:

  • Erster Schritt: Es muss eine gravierende Distanz zwischen Real- und Ideal-Selbst wahrgenommen werden.
  • Zweiter Schritt: Das Individuum wird suizidgefährdet, wenn es sich selbst die Schuld für den unzufriedenen Identitätszustand gibt.
  • Dritter Schritt: Es entsteht eine erhöhte Selbstaufmerksamkeit, was Voraussetzung für die Intention zum Suizid ist.
  • Vierter Schritt: In diesem Schritt kommen starke negative Affekte(vor allem Angst und Depression) auf.
  • Fünfter Schritt: Dieser Schritt ist für den Identitätsbezug von Suizidabsichten zentral(die kognitive Destruktion des Selbst). Das Individuum will sich von den negativen Affekten befreien jedoch eine rationale Auseinandersetzung vermeiden.
  • Sechster Schritt: Es besteht eine erhöhte Selbstzerstörungsbereitschaft und den starken Willen den negativen Affekten und deren verheerenden Wirkungen auf das Selbst zu entkommen.


[Bearbeiten] Literatur

Rolf Oerter & Eva Dreher (2002). Jugendalter (S. 303f). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychlogie. Weinheim: Beltz.

Lexikon: Suizid

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