Körperliche und psychosexuelle Entwicklung

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Körperliche und psychosexuelle Entwicklung

Die körperlichen Veränderungen beziehen sich auf das Längen-und-Breitenwachstum, sowie auf die geschlechtliche Reifung und die damit verbundenen Auswirkungen. Nun ein genauer Blick auf den Körperwachstum und die Motorik: Der Jugendliche erlebt einen deutlichen Wachstumsschub und hat mit 16-19 Jahren seine Erwachsenhöhe erreicht, wobei Mädchen 2 Jahre früher dran sind. (Knaben zwischen 14/15, Mädchen 12/13) Das Körpergewicht nimmt je nach Lebenswandel meist zu. Kopf, Hände und Füße, sowie Beine und Arme wachsen schneller als andere Körperteile. Das führt optisch zu einer Disproportion und oft wirken die Bewegungen dadurch schlaksig. Der Muskel wächst ebenso und die Muskelkraft erhöht sich dramatisch, wobei Jungen nachhaltiger davon betroffen sind als Mädchen.

[Bearbeiten] Geschlechtsreifung (biosexuelle Entwicklung)

Durch eine hormonelle Umstellung erfolgt neben dem Größen- und Breitenwachstums die Geschlechtsreifung.

[Bearbeiten] Körperliche Veränderungen bei der Geschlechtsreife

Die Reifung der Geschlechtsmerkmale wie z.B. Penis, Hoden, Schamhaare, Bart, sowie der Stimmwechsel sind bei Jungen- (zwischen 12-18 Jahren) Brust, Brustwarzen, Vagina, Eierstöcke, Gebärmutter, Schamlippen, bei Mädchen- (zwischen 10- 16 Jahren) markante Reifungsprozesse. Einer zeitlichen Reihenfolge entsprechend, gibt es eine Reihe an typischen Veränderungen, die das Wachsen des Jugendlichen bestimmt, wobei Mädchen 2 Jahre früher dran sind. Eine sehr auffällige und unterschiedliche Ausformung, ist die Veränderung des Verhältnisses von Schulterbreite zur Hüftbreite wobei sich dieser Abstand bei Jungen deutlich vergrößert und bei Mädchen verkleinert. Dabei lässt sich deutlich erkennen, dass es individuelle Unterschiede gibt und Entwicklung nie genau auf ein Lebensalter beschränkt werden kann. Der Beginn der Menstruation und die ersten Ejakulation hinterlassen psychische Folgen auf den Jugendlichen. Der Eintritt der Geschlechtsreife verlief die letzten 13 Jahre immer früher, somit steht fest, dass sich dieses Alter im Wandel befindet.

[Bearbeiten] Veränderungen im Hormonhaushalt

Die noch nicht völlig erforschten Wachstumshormone sind einerseits für den Gesamtkörperwachstum (Somatotropin der Hypophyse) zuständig, und andererseits für den Wachstum von Gehirn, Zähne und Knochen (Schilddrüsenhormon- Thyroxin).

Hormone in der Pubertät: Der Hypothalamus produziert neue Hormone, welche die Keimdrüsen und Nebennierenrinde anregen.

Folgen bei Jungen: • Durch gonadotropen Hormone wachsen ca. mit 11 Jahren Samenzellen (Spermatozoen) • Durch ein von der Hypophyse angeregtes Hormon wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron (zuständig für die sexuelle Entwicklung) produziert

Folgen bei Mädchen: • Prozess beginnt früher; schon mit 9 Jahren reifen durch die Hormone der Hypophyse die Eierstöcke und die Nebenniere • Eierstöcke produzieren 2 Hormone: Östrogen (für die Entwicklung der Brüste, Schambehaarung, Fettbildung), Progesteron (steuert Menstruationszyklus)

[Bearbeiten] Akzeleration und Retardation

Bei einem beschleunigten Wachstum spricht man von Akzeleration, bei einer verlangsamten, körperlichen Entwicklung von Retardation. Diese Wachstumsverschiebungen sind natürlich immer im Vergleich zu einer Vergleichsgruppe zu sehen. Von säkularer Akzeleration spricht man wenn gleiche Rassen in verschiedenen historischen Zeiten zu einem unterschiedlichen Alterszeitpunkt pubertierten. In der gemäßigten Klimazone gibt es einen eindeutigen Trend zur früheren Reifung seit 1840. Dieser Trend setzt sich bis heute fort und auch die Diskrepanz zwischen biologischen und sozialen Erwachsensein wächst. Individuelle Akzeleration und Retardation: Im Jugendalter klaffen die Reifegrade der Jugendlichen auseinander, dabei kann der geistige Zustand von Gleichaltrigen auf die Optik nicht bezogen werden. Die Umwelt reagiert manchmal unadäquat auf diese optischen Unterschiede, wobei logischerweise reifere Jugendliche früher als Erwachsene behandelt werden, als präpubeszenten Jugendliche.

[Bearbeiten] Auswirkungen

Bei Spätreifenden Jugendlichen:

Allgemein:

o Negatives Selbstkonzept, weniger verantwortungsbewusst und selbstsicher

Männliche Jugendliche:

• Vorteile: können mehr Wissen und Copingstrategien aufbauen, haben mehr Zeit ihre Identität zu bilden, entwicklungsoffen • Nachteile: krisenhafte Lebensauseinandersetzungen

Frühreife Jugendliche:

Allgemein:

o größeres Drogenrisiko, sind risikobereiter o finden leichter Anschluss bei älteren Peergruppen Männlichen Jugendlichen:

• Vorteile: sind als Erwachsene verantwortungsbewusst, kontrolliert, sozial angepasst • Nachteile: konform, humorlos, konventionell, übernehmen oft andere Identitäten, um sich rasch den Erwachsenen anzupassen

Weibliche Jugendliche:

• Gefährdet im Bezug auf Sexualverhalten und Drogengebrauch
o Zu früh oder zu spät einsetzende Menarche wird als negativ erlebt, du wirkt sich auf das Selbstbewusstsein aus

• In den USA weist sich Frühreife aufgrund der kulturellen Abweichung des schlanken kulturellen normierten Bildes, als Nachteil aus

• In Deutschland: höheres Selbstbewusstsein, mehr Ansehen

Abschließend sei festgehalten, dass durch Aufklärung in der Familie und Bildungseinrichtungen die Risiken von beschleunigter oder verlangsamter Entwicklung, leicht abgefangen werden kann.

Die zölibatäre Lebensform Sipe (1992) kann insbesondere in der zu dieser hinführende Sozialisation  im Internat, und Priesterseminar pädophilen Neigungen Vorschub leisten. Sipe führte Interviews mit 1000 Priestern sowie 500 Personen, die mit Priestern Sexualkontakte hatten, teils Geliebten, teils Opfern. Er stellte eine „Hemmung der psychosexuellen Entwicklung“, die bei Zölibatären häufiger ist als in der Durchschnittsbevölkerung (S. 198f.) fest. Damit bestätigte er frühere Studien, so die des katholischen Psychologen Kennedy (1972), nach dem eine besorgniserregend hohe Quote (57%) von Priestern nicht alle Stadien des psychosexuellen Reifungsprozesses durchlaufen haben.

[Bearbeiten] Das Körperselbstbild des Jugendlichen

Das Körperkonzept, sprich das Selbstbild des Jugendlichen von seinem eigenen Körper, hat einen Einfluss auf die Akzeleration/ Retardation. Mrazek unterscheidet 8 Dimensionen des Körperselbstbildes:

• Sport • Äußeres • Figurprobleme • Narzissmus • Körperentfremdung/ Gesundheitsprobleme • Drogen (Nikotin, Alkohol,...) • Körperkontakt zu Verwandten • Naschen

Weibliche Jugendliche: Der weibliche Körper ist geprägt von kulturellen Schönheitsidealen: schlank sein, bevorzugt mädchenhaftes Aussehen, Unzufriedenheit mit Figur und Gewicht. (Gewichtsabnahme = Zufriedenheit),

Männlicher Jugendlicher: Bevorzugen männerhaftes Aussehen, Gewichtsabnahme= negativ.

Faktoren nach ROTH: Untersuchungen bei Jugendlichen über das Körperselbstbild ergaben, dass über die Unzufriedenheiten bezüglich der Figur und der Unzufriedenheit über die Physiognomie, unterschieden wird. Als eigene Dimension ergänzt Roth die Körperentfremdung, die durch Gefühle der Fremdheit und des Losgelöstseins vom eigenen Körper gekennzeichnet ist.

Zu den allgemeinen Befunden zur Kontrolle findet Roth die externale und internale Komponente der Kontrollüberzeugung als Ergänzung anzuführen.

Ältere Jugendliche gehen mit den altersbedingten Veränderungen sicherer (vertrauter) um, als Jüngere, und zeigen eine geringere externale Kontrolliertheit. Als typischer Geschlechtsunterschied gilt die wachsende Unzufriedenheit bei Mädchen bezüglich ihren Körper, welches ein puberales feminines Risiko ergibt, während die Jungen immer zufriedener werden.

Aufklärung über die Bewältigung von körperlichen Problemen kann eine große Hilfe sein!

[Bearbeiten] Literatur

Kennedy, E. (1972). The Catholic Priest in the US: Psychological Investigations.

Oerter, R. & Dreher, E. (2002). Jugendalter (S. 258 – 318). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

Sipe, R. (1992). Sexualität und Zölibat,. Paderborn.

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