Familie als Umwelt

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Wie schon in der Kindheit ist die Familie auch für die Entwicklung im Jugendalter von Bedeutung. Es kommt jedoch zu einer Veränderung der familiären Beziehungen und im Umgang miteinander.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Loslösung von der Ursprungsfamilie

Der Jugendliche beginnt ein eigenständiges Leben aufzubauen.

Mögliche Beziehungsmodi der Eltern während dieser Phase (Stierlin, 1980):

  • Bindungsmodus: Eltern versuche das Kind fest zu halten
  • Delegationsmodus: Eltern suchen die Waage zwischen festhalten und aussenden ihres Kindes
  • Ausstoßungsmodus: Eltern stoßen ihr Kind aus, oder vernachlässigen es

Drei Ablösungsmodi aus Sicht der Jugendlichen (Dreher& Dreher, 2002):

  • Distanzierung ohne Erlaubnis, was zu einer geistigen Entfremdung gegenüber den Eltern führt
  • Konfliktvermeidender Regulationsmodus
  • Distanzierung mit Erlaubnis, was zu gegenseitigem Vertrauen führt

(vgl. Montada 2002, S.306)

[Bearbeiten] Umgang mit Dissens

Dissens zwischen Eltern und Jugendlichen ist etwas Normales in dieser Zeit und muss die Beziehung nicht nachhaltig belasten, da es auf den Umgang mit verschiedenen Sichtweisen ankommt. Ist das Konfliktniveau jedoch sehr hoch, und regulierende Prozesse nicht stattfinden, kann es zu Problemen bei der Ablösung kommen. Besonders hoch ist die Zahl der Dissenspunkte, wenn die Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren sind, ab dem 16. Lebensjahr sinken sie deutlich ab. Ein gutes Verhältnis zwischen Eltern und Jugendlichen in dieser Zeit hängt von beiden Seiten ab. Sorgen der Eltern bei Leistungsverfall oder Drogenmissbrauch sind verständlich. Aus dem Gefühl heraus hilflos zu sein, und die Kontrolle über ihr Kind zu verlieren, wird mehr Druck auf den Jugendlichen ausgeübt und ihm weniger Vertrauen entgegengebracht. Durch eine schlechte Kommunikation kommt es zur emotionalen Distanzierung und Entfremdung. Der Jugendliche empfindet seine Eltern als wenig präsent und interessiert, was dazu führt, dass er sich nicht akzeptiert fühlt.

Fend (1998) nennt als Indikatoren gelingender Anpassung der Interaktion zwischen Eltern und Jugendlichen:

  • Die Aufrechterhaltung einer konfliktfreien Zone, welche die gegenseitige Freude aneinander bewahren hilft
  • Das Aushandeln von Regeln ermöglicht Fairness und Gerechtigkeit
  • Gemeinsame bildungsintensive Freizeitaktivität in der Frühphase der Adoleszenz
  • Ein wenig bestrafender und mehr argumentativer Erziehungsstil
  • Das Vermeiden von Überbehütung bei gleichzeitigem Aufrechterhalten von unterstützenden Maßnahmen
  • Das Erschaffen von Zwischenbereichen der Unabhängigkeit
  • Die Konstruktion eines realistischen Bild vom eigenen Kind

(vgl. Montada 2002, S.306-307)

[Bearbeiten] Emotionale Distanzierung

Durch den Eintritt in die Pubertät verändert sich die affektive Beziehungsqualität von Eltern und Kind.

2 verschiedene Hypothesen der Bindungstheorie gehen auf diesen Wandel ein:

  • Hypothese der emotionalen Distanzierung (Steinberg,1989): Die körperliche Reifung des Jugendlichen einhergeht mit einer Zunahme der emotionalen Distanz zwischen Eltern und Kind. Durch eine Verringerung der Bindung wird das Gefühl sozialer Angst und Depression beim Jugendlichen hervorgerufen.
  • Dämpfungshypothese (Armsden und Greenberg,1987):Bei Stress und Angst wird das Bindungsverhalten des Jugendlichen zu den Eltern aktiviert. Das Elternhaus bietet Zuflucht und dämpft die Ängste, das heißt die Bindungsbeziehung zu den Eltern funktioniert als Puffer.

Diese beiden Thesen lassen sich in keinen direkten Zusammenhang bringen. Es besteht also keine Verbindung zwischen Pubertät – Hang zur Depression durch emotionale Distanzierung und unterschiedlich starker Bindung zum Elternhaus. Man kann aber sagen, dass eine enge, sichere und warme Beziehung zu den Eltern das emotionale Wohlbefinden des Jugendlichen steigert. Die Bindung zu den Eltern ist also nach wie vor wichtig für die positive Weiterentwicklung des Kindes. (vgl. Montada 2002, S.307-308)


[Bearbeiten] Literatur

Montada, Leo (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven (S. 3-53). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

http://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie

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