Essstörungen im Jugendalter, Prävention, Schönheitsideale

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Die bekanntesten Essstörungen sind Magersucht und Bulimie. Sie zeichnen sich durch den Versuch das Körpergewicht durch Fasten und andere Maßnahmen zu kontrollieren aus.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Magersucht

Magersucht wird durch ein Untergewicht von mindestens 15-25 Prozent des Normalgewichts definiert. Das Untergewicht wird selbst herbeigeführt und ist nicht auf körperliche oder andere seelische Erkrankungen zurückzuführen.

Ein wesentliches psychisches Symptom ist die Angst vor einem Normalgewicht und das Bestreben, das Körperweicht zu reduzieren. Bei der Magersucht geschieht dies durch Fasten und exzessive körperliche und geistige Aktivität, bei der Bulimie durch selbst herbeigeführtes Erbrechen und Einnehmen von Abführmittel.

Das Normalgewicht wird panisch gefürchtet und das Untergewicht positiv erlebt. So besteht keine Einsicht in die Krankhaftigkeit des Abmagerns. Der körperliche Verfall und seine Bedrohlichkeit werden verleugnet.


Zum Unterschied zu anderen psychisch bedingten Unterernährungen,wie depressive Appetitlosigkeit, phobische Angst vor vergammelten Lebensmitteln oder der paranoiden Angst, jemand wolle einen vergiften, erlebt man in der Magesucht das Essen elbst als positiv und hat durchaus Appetit.

Weitere Symptome: Die Betroffenen beschäftigen sich ständig mit Essen und verheimlichen, wie viel sich wirklich essen und wiegen. Unregelmäßige Nahrungsaufnahme und Untergewicht führen zu verschiedenen körperlichen und psychischen Veränderungen.


[Bearbeiten] Bulimie

Bulimie wird definiert durch zeitlich begrenzte, subjektiv unkontrollierbare Heißhungeranfälle. Das Körpergewicht wird nicht nur durch fasten, sondern auch mit selbst herbeigeführtes Übergeben und Verwendung von Abführ- oder Entwässerungsmittel kontrolliert.

Bei jeder zweiten Magersüchtigen tretet eine bulimische Symptomatik auf, jedoch spricht man nur von Bulimie, wenn diese ohne Magersucht, also bei Normalgewicht auftritt. Betroffene streben das soziale Ideal eines attraktiven, schlanken Körpers an.

Oft beginnt die Bulimie mit einer Diät, worauf Hungerdurchbrüche folgen und schließlich zu Maßnahmen gegriffen werden, um das Gegessene wieder aus dem Körper zu entfernen bevor es verdaut wird.


  • Proximale nicht normative Einflüsse

In einer Studie bestätigte sich der klinische Eindruck,dass ausschließlich fastende Magersüchtige häufiger aus konfliktvermeidenden Familien stammen, bulimische Magersüchtige und Bulimikerinnen hingegen häufiger aus auseinanderfallenden Familien, die durch offene Konflikte bestimmt sind.

Es wurde untersucht ob es einen Zusammenhang von einer Kontinuität von Diäthalten mit der Entwicklung von Essstörungen gibt. In einer zweistufigen Studie wurde nach einem Jahr bzw. 10 Jahren eine Untergruppen von stark diäthaltenden Frauen psychiatrisch einzeln interviewt und diagnostiziert. Die Studie zeigt, dass Essstörungen nur durch eine Kombination von Diäthalten und zusätlichen psychischen Störungen entstehen. Deshalb ist es sehr fraglich ob zwischen kontinuierlichen Diäthalten und Essstörungen ein Zusammenhang besteht.


  • Proximale normative Einflüsse

Magersucht. Besonders für Mädchen ist die sexuelle Reifung eine große Herausforderung. Sie müssen lernen mit den Entwicklungsaufgaben klar zu kommen, sich von den Eltern lösen, eine altersgemäße Eigenständigkeit zu erreichen und für den eigenen Körper Verantwortung zu übernehmen. Die Magersucht ist dann eine scheinbare Lösung, dadurch erlangen die Mädchen zumindest eine Kontrolle über ihr Körpergewicht. Drängen die Eltern die Kinder dann zum essen, widersetzten sich die Kinder und individuieren sich so subjektiv von der Familie. Magersucht stellt in diesem Zusammenhang einen neurotischen Bewältigungsversuch zweier zentraler Entwicklungsaufgaben dar. Jedoch für Magersucht oft zum Gegenteil. Folgen sind:

  • verlangsamter Wachstum
  • Beziehungen zu Gleichaltrigen brechen ab
  • Selten sexuelle Beziehungen


Bulimie. Im Gegensatz zur Magersucht sind Bulimikerinnen durchaus mit ihrem Geschlecht identifiziert, fühlen sich aber insuffizient. Der Körper soll nach einem sozialen Ideal geformt werden und nicht radikal abgemagert.


Pubertät

Es gibt zahlreiche Studien über den Zusammenhang von Pubertät und subklinischen Ess-Störungssymptomen. Diese zeigen, dass Frühreife häufiger Diät halten als andere Gleichaltrige. Jedoch können auch Ess-Störungen vor dem Einsetzen der Menarche auftreten.


Geschlechtsrolle

Der an die Geschlechtsreife anknüpfende Übergang von der Position des unverantwortlichen Kindes zu der des Erwachsenen schlägt sich psychologisch in den Entwicklungsaufgaben nieder, eine erwachsene Identität auszubilden und die reife Geschlechtsrolle zu übernehmen Die in der Adoleszenz einsetzende Orientierung an den Idealen und normativen Restriktionen der erwachsenen Frauenrolle erklärt hinreichend die negative Bedeutung der Pubertät für Mädchen.


Kognitive Entwicklung

Die Fähigkeit, konsistent und langfristig das Gewicht durch selektive Nahrungsaufnahme zu kontrollieren, könnte ein Verständnis der involvierten Mechanismen der Umsetzung von Nahrung in Körpergewicht voraussetzten, wie es sich erst in der Präadoleszenz entwickelt.

[Bearbeiten] Ess-Störung und Substanzmissbrauch

Gemeinsamkeiten. Substanzmissbrauch und Ess-Störung stehen oft im engen Zusammenhang. So werden beispielsweise Zigaretten und Stimulanzien zum Bekämpfen des Hungers verwendet oder Abführmittel und Entwässerungsmittel zur vermeintlichen Gewichtsreduktion eingenommen. Auch in Familien Essgestörter tritt Substanzenmissbrauch häufiger auf. Ess-Störungen und Substanzenmissbrauch sind Verhaltensstörungen im Umgang mit der Einnahme von Substanzen.


Unterschiede. Substanzmissbrauch betrifft einen unmäßigen Konsum, während Magersucht/Bulimie sich durch Enthaltsamkeit auszeichnen.

Substanzenmissbrauch gemeinsam praktiziert; Veränderung des Erlebens durch Wirkstoffe; Abhängig von der Art der Wirkung Magersucht/Bulimie einsames heimliches praktizieren; Veränderung des Körperumfangs; fast ausschließlich Mädchen


Störung der Adoleszenzentwicklung. Psychologisch gesehen bestehen Gemeinsamkeiten vor allem in den proximalen normativen Einflüssen. Denn beide Male gehen Verhaltensstörungen von Reaktion auf den Übergang zu Erwachsenenstatus aus. Erwachsenwerden zeichnet sich nicht zuletzt aus durch:

  • Bestimmung über Nahrung- und Drogenzufluss
  • Beeinflussen der eigenen Stimmung ohne Hilfe der Eltern
  • Die systematische Arbeit an der eigenen Identität. Ein Scheitern zeigt sich im Umschlagen in eine negative Identität, in der Geschlechtsidealen karikiert werden. (starke Mann – Alkoholismus; selbstkontrollierte Frau – Magersucht)

Ess-Störungen und Substanzenmissbrauch sind sowohl Störungen der Entwicklung als auch in gewisser Weise Enkulturationsstörungen.


[Bearbeiten] Literatur

Tilmann & Habermas (2002). Substanzenmissbrauch und Ess-Störungen (S. 847-858). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychlogie. Weinheim: Beltz.

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