Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse

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In der Literatur wird unterschieden zwischen Entwicklungsaufgaben und daraus folgenden Entwicklungskrisen, die altersnormiert auftreten und somit nahezu allgemeingültig sind, und normativen Lebenskrisen, also kritischen Lebensereignissen, die meist nur Einzelne betreffen.

Dem Erleben beider Zustände können Probleme bis hin zu Krisen folgen. Von einer Krise spricht man, wenn Menschen Probleme nicht lösen können und durch diese Probleme emotional belastet sind. In der Entwicklungspsychologie spielen Probleme, Krisen, belastende Ereignisse immer schon eine wesentliche Rolle. Hauptsächlich jedoch in Bezug auf Entwicklungsstörungen.

Doch auftretende Probleme bis hin zu fundamentalen kritischen Lebensereignissen bieten auch immer die Chance positiver Entwicklungsfolgen. Durch das Meistern von Krisen und das Bewältigen von Verlusten wird der Einzelne möglicherweise an Kompetenz, Selbstvertrauen und neuen Einsichten dazugewinnen. So kann z.B. die durch eine Krise bedingte Umstellung von Lebensplänen oder von Handlungsroutinen einen fruchtbaren Effekt haben und zu neuen Einsichten und Werteorientierungen führen.

Im organismischen Modell der Entwicklung wird dieser Entwicklungsvorgang als ein Kreislauf dargestellt. Denn die Bewältigung von Problemen/ Krisen und daraus entstandene Interaktionsmöglichkeiten bringen neue Probleme/ Krisen mit sich.

Wie Erikson strukturiert auch Havighurst (1948) den Lebenslauf als eine Folge von Problemen, die er als Entwicklungsaufgaben bezeichnet. Er gliedert das Leben in eine Reihe z.T. geschlechtsspezifischer Aufgaben die in einer Abfolge von Lebensperioden, derren Bewältigung eine Entwicklung zur Folge haben, auftreten. Er nimmt eine dialektische Position ein, indem er biologische, soziologische und psychologische Perspektiven verbindet. Er hebt drei wesentliche Quellen für Entwicklungsaufgaben während des Lebens hervor:

  • biologische Veränderungen innerhalb des menschlichen Organismus
  • gesellschaftliche Aufgaben (Bildung, Beruf)
  • individuelle Werte, Vorhaben, Ziele

Diese Quellen werden wiederum von übergeordneten Faktoren, wie z.B. Erbgut, Kulturkreis, natürliche/ gebaute Umwelt beeinflusst. Havighurst entspricht mit seiner Auffassung modernen Konzeptionen der Entwicklung des Menschen.


Nicht normative Einschnitte in den Lebenslauf(Scheidung der Eltern, Geburt eines Geschwisters, Ort- oder Schulwechsel, Tod nahe stehender Personen..) können sich als Risiken für Fehlanpassungen und Störungen auswirken.

Folgen kritischer Lebensereignisse sind Hilflosigkeit, Verluste an Selbstwertgefühl, negative Emotionen(starke Ängste nach traumatischen Erlebnissen) usw. Andererseits kann dies eine positive Entwicklungen durch Problembewältigung (Anstieg von Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, neuer Problemlösungsstraregien,..) sein. Die meisten Menschen bewältigen die Probleme und Verluste, durch kritische Lebensereignisse, alleine oder mit Hilfe sozialer Unterstützung

Ausschlaggebend ist jedoch die subjektive Einstellung zu den kritischen Lebensereignissen. Wie zum Beispiel ein Todesfall des Ehegatten ein unersetzlicher Verlust sein kann, kann es für andere eine Befreiung sein. Bei der Bewertung und Verarbeitung der Ereignisse spielen Ansichten über Verantwortlichkeiten eine wesentliche Rolle. Zum Beispiel kommt es darauf an wer für bestimmte Ereignisse verantwortlich gemacht wird(z.B.: Gott, das Schicksal, man selbst,..). Dadurch können zusätzliche Belastungen durch Schuld oder Ärger über sich selbst oder ein ungerechtes Schicksal usw. entstehen.

Die Suche nach einem Sinn in den erlittenen Erlebnissen ist eine wichtige Bewältigungsstrategie. Es ist schwieriger die Verluste aufgrund eines sinnlosen Zufalls zu verarbeiten, als wenn zum Beispiel ein Feuerwehrmann bei einer gefährlichen Rettungsaktion verletzt wird. Hier wird nicht auf die Verluste geachtet, sondern auf die Gewinne. Oder man findet Sinn in neu gewonnenen Erkenntnissen darüber, was wirklich wichtig im Leben ist. So hilft auch die Suche nach Sinn, belastende Gefühle zu bewältigen. Die Gestaltung des Selbstbildes ist eine weitere wichtige Anpassungsstrategie, wenn es darum geht, veränderte Lebensumstände zu bewältigen.

Ein Repertoire verschiedener Bewältigungsstrategien für jegliche Probleme(kleine alltägliche bis zu großen, die das Leben verändern) ist sehr wichtig, um zu verstehen, dass das eine Herausforderung und Gelegenheit sein kann, neue Einsichten und neue Kompetenzen zu entwickeln.

[Bearbeiten] Literatur

Montada, Leo (2002). Fragen, Konzepte, Perspektiven (S. 3-53). In Rolf Oerter & Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie. Weinheim: Beltz.

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