Arbeitstechniken muss man schon in der Schulelernen

Bei Bachelor- und Masterstudiengängen ist vor allem Organisationstalent gefragt

KERSTIN SCHNEIDER

HANDELSBLATT, 2.9.2005

Ein Studium ist stressig. Es gibt Seminare und Hausarbeiten. Fristen und Prüfungen müssen eingehalten werden. Und dazu kommen die privaten Termine: Die Eltern haben Geburtstag oder man braucht ein Geschenk für Freund oder Freundin.

Kaum einer weiß schon am Anfang seines Studiums, wie man Lernen, Tutorien, Prüfungen und private Verabredungen so unter einen Hut bringt, dass man nicht untergeht. Selbst in den eher verschulten Bachelor- und Masterstudiengängen ist viel Eigenständigkeit gefragt.

Es gilt, eigene Stärken herausfinden und neben dem Studium auch Zeit zur Entspannung zu finden. Für Studenten der Wirtschaftswissenschaften könnte das Selbstmanagement eine gute Vorbereitung auf das selbständige Arbeiten im Beruf sein. Allerdings kostet ein solches Programm auch Zeit.

So rät Patrick Leypold in seinem neuen Buch "Schneller studieren" (Pearson Verlag, 19,95 Euro), schon am Anfang des Studiums Pläne für die einzelnen Semester zu machen. Wichtig sei es, sich Arbeits- und Lernziele zu setzen und "To-do"-Listen aufzustellen. Sein Buch gibt konkrete Hinweise zur effektiven Organisation des Studiums. Die Mischung aus Psychoratgeber und Motivationshandbuch wird allerdings nicht jedem gefallen.

Michael Winteroll von der Studienberatung der Technischen Universität Berlin (www.tu-berlin.de) hält nichts von großen Zeitmanagementprogrammen. Er macht deutlich, dass die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge für die Studenten andere Studienbedingungen bringen werden: "Die Freiheit, mit der viele Studenten nicht zurecht gekommen sind, gibt es dann nicht mehr. Allerdings sind mehr Regularien zu beachten." Die Studenten kämen früher mit der Bürokratie in Berührung, weil die ersten Prüfungen schon nach vier bis sechs Wochen Studium anstünden: "Es gibt weniger Wahlmöglichkeiten, aber man muss gut organisiert sein." Die Studenten sollten vor allem auf Kommunikation setzen und mit Professoren und Assistenten, aber auch den Mitstudenten sprechen: "Viele sagen, da muss ich jetzt allein durch, doch Abkapseln bringt nichts. Leute, die in Gruppen arbeiten, haben die besseren Chancen."

Dabei müsse man: die eigene Leistungsfähigkeit im Blick haben. Winteroll hofft, dass die Verzahnung von Uni und Schule stärker wird. Denn / vieles muss vor dem Studium gelernt sein. Wer sich erst im Studium mit seinen Arbeitstechniken beschäftigt, hat schlechte Karten. Die Studienberatung der Technischen Universität Berlin bietet daher Schülern ein "Orientierungs- und Entscheidungshilfe-Seminar".

Tipps für Lerntechniken gibt auch im Internet. Der österreichische Psychologe und Pädagoge Werner Stangl sieht vor allem drei Hindernisse, die Studenten das Leben schwer machen: Zeitverschwendung, Anfangshemmungen und ein schlechtes Gewissen. Unter seiner Webadresse (http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at) gibt er anschauliche Hinweise zu Lerntechniken und Zeltplanung.

Und auch auf der Intemetplattform www.wiwi-treff.de kann man lernen, wie man eine Zeitanalyse macht, Studium und Jobben verbindet, Zeitfresser findet und ein Wochenprogramm erstellt.

Weitere Informationen unter: www.handelsblatt.com/schule


Quelle: Handelsblatt vom 2. September 2005