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NLP - Neurolinguistisches Programmieren

Ich denke, je mehr Sie kreativer und kreativer werden wollen, desto mehr müssen Sie nicht nur die (Mehrfach) -Strategien anderer Menschen herausfinden und sie nachahmen, sondern auch diese Strategien Anderer modifizieren und eine Strategie entwickeln, die neue Kreativitätsstrategien bildet, basierend auf so vielen wunderbaren Zuständen, wie Sie für sich erschaffen können. Daher ist - in diesem Sinn - das gesamte Feld des NLP ein kreatives Werkzeug, weil ich etwas Neues kreieren wollte.

Richard Bandler

Neurolinguistisches Programmieren (NLP) ist eine Art New Age-Transformationstraining, ein Selbsthilfeprogramm und Teil der "Human Potential"-Bewegung. Als solcher steht NLP in Konkurrenz mit dem Landmark Forum, Tony Robbins und einer Legion von Einzelunternehmen, die - gleich den Sophisten des alten Griechenland - von Stadt zu Stadt reisen, um ihre Weisheiten gegen Bezahlung zu lehren. Robbins ist vermutlich der erfolgreichste "Absolvent" des NLP; er hat sich sein eigenes Imperium geschaffen, während er sich wandelte von einem selbst so bezeichneten "Fettsack" zu einem Feuerwandler bis hin zur (in seinen eigenen Worten) "landesweit höchsten Autorität für die Psychologie der Spitzenleistung und persönliche, berufliche und organisatorische Kehrtwende".

Über den Gebrauch als Mittel zur Veränderung in gesunden Menschen (unterrichtet en masse) hinaus wird NLP jedoch auch für individuelle Psychotherapie bei so unterschiedlichen Problemen wie Phobien und Schizophrenie verwendet.

Schließlich, in einer weiteren seiner vielen Rollen, zielt NLP auch darauf ab, Unternehmen zu verändern. Daher gibt es Vertreter von NLP, die sagen, sie wollen für gesunde Individuen oder Unternehmen erreichen, daß diese ihr maximales Potential nutzen und großen Erfolg haben. Und es gibt noch Andere, die behaupten, NLP könne die Kranken kurieren und die psychisch Geforderten heilen. NLP, so scheint es, hat etwas für jeden.

Aber was genau ist NLP? Gute Frage, aber schwierig zu beantworten. NLP wurde Mitte der Siebziger von einem Linguisten und einem Mathematiker/Informatiker begonnen, die großes Interesse hatten an a) erfolgreichen Menschen und b) Psychologie sowie c) Sprache und d) Computer programmieren. Obwohl es schwierig ist, eine zusammenhängende Beschreibung von NLP bei jenen zu finden, die von sich behaupten, Experten darin zu sein, taucht eine spezielle Metapher immer wieder auf. NLP behauptet, Menschen dabei zu helfen, sich zu verändern, indem es sie lehrt, ihre Gehirne zu programmieren. Man hat uns Gehirne gegeben, sagen sie, aber keine Gebrauchsanweisung. "NLP bietet Ihnen eine Gebrauchsanleitung für Ihr Gehirn."1 Die Gehirn-Anleitung scheint eine Metapher für das NLP-Training zu sein, manchmal auch bezeichnet als "Software für das Gehirn". Des weiteren gründet sich NLP - bewußt oder unbewußt - stark auf (1) Freuds Idee vom Unbewußten und seinem Einfluß auf bewußte Gedanken und Handlungen; (2) metaphorischem Verhalten und Sprache, insbesondere aufbauend auf den Methoden, die in Freuds Trauminterpretationen verwendet werden, und (3) Hypnotherapie, wie von Milton Erickson entwickelt. NLP wird ebenfalls stark beeinflußt von den Werken von Gregory Bateson und Noah Chomsky.

In praktischer Hinsicht ist NLP sehr schwer zu definieren, da so viele Leute so viele verschiedene Dinge tun und sie NLP nennen. Ein roter Faden ist der Schwerpunkt darauf, eine Reihe von Kommunikations- und Überzeugungsfertigkeiten zu lehren, und die Verwendung der Selbsthypnose zur Hilfe und Motivierung. Die meisten im WWW inserierenden NLP-Anwender stellen großartige Behauptungen auf, denen zufolge sie in der Lage sind, beinahe jedem zu helfen, beinahe alles zu werden. Der folgende Text ist typisch:

"NLP kann alle Aspekte Ihres Lebens verbessern, indem es Ihre Beziehungen zu geliebten Menschen verbessert, Ihnen zeigt, wie Sie erfolgreich unterrichten, wobei Sie ein stärkeres Selbstbewußtsein, höhere Motivation, ein besseres Verständnis von Kommunikation gewinnen und somit Ihr Unternehmen oder Ihre Karriere fördern ... und eine gewaltige Menge anderer Dinge, die mit Ihrem Gehirn zu tun haben."2

Einige behaupten, sie könnten eine unfehlbare Methode lehren, Lügen zu entdecken. Andere meinen, Menschen versagen nur deshalb, weil ihre Lehrer nicht mit ihnen in der richtigen "Sprache" kommunizierten. Es wird gesagt, Menschen hätten verschiedene "Lernstile" und "Denkstile". Der Grund dafür, daß es Vielen nicht gelingt, zu lernen, liegt darin, daß der Lehrer bei seiner Kommunikation seinen eigenen "Denkstil" verwendet, der möglicherweise nicht mit dem "Lernstil" des Schülers zusammenpaßt. Daher findet keine Kommunikation statt. Ein erfolgreicher Lehrer ist derjenige, der genau beobachtet und den speziellen Lernstil jedes Schülers erkennt und seinen Unterricht danach anlegt. Verwaltungsbeamte lieben so was, insbesondere wenn man noch etwas über die linke und rechte Gehirnhälfte hinzufügt. Wo allerdings sind Beweise für Dinge wie "Denkstil" oder "Lernstil"? Bei diesen Grundvoraussetzungen ist es ein Wunder, daß überhaupt jemand irgend jemand anderen versteht. Noch wundersamer ist es, daß trotz ihrer individuellen Denkstile so viele Leute ihren Weg in ein NLP-Seminar finden, genug über NLP verstehen, bevor sie unterschreiben, um herauszufinden, wie hilfreich NLP wirklich ist - und herausfinden, wieviel sie wirklich zu bezahlen haben.

Man sagt uns:

Eine wichtige NLP-Entdeckung sind Repräsentationssysteme. Dies bezieht sich auf die innere Repräsentation von Informationen, die unser System zunächst durch einen oder mehrere unserer fünf Sinne erreichen. Wir repräsentieren die Welt für uns in mentalen Bildern, inneren Tonspuren und gefühlten räumlichen Konstrukten.3

Nichts, was wir über das Gehirn wissen, deutet darauf hin, daß Denken üblicherweise repräsentativ ist. Es ist unüblich, daß jemand hauptsächlich in Bildern oder vollständigen Repräsentationen denkt. Verschiedene Teile des Gehirns sind am Denkprozeß und der Verarbeitung von Daten der verschiedenen Sinne beteiligt. Zum Beispiel ist der occipital lobe hauptverantwortlich für die Sicht. Der Thalamus enthält Nervenzentren, die für optische und akustische Reflexe sowie Gleichgewicht und Haltung verantwortlich sind. Der Hypothalamus ist für die Aufrechterhaltung und Steuerung von Kreislauf, Körpertemperatur und Gefühlen zuständig, die auf den Herzschlag, Appetit, Lustgefühle und Blutdruck wirken. Der parietal lobe ist der Ort, an dem die Verarbeitung von Impulsen stattfindet, die in Beziehung stehen zum Tastsinn, einschließlich Wahrnehmung von Temperatur, Oberfläche, Größe, Gestalt und Gewicht. Der temporal lobe verarbeitet und verbindet Gehör und Geruchssinn. Welcher Teil des Gehirns in Aktion tritt, wenn wir etwas wahrnehmen - sowohl zum Zwecke der Verarbeitung als auch der Erinnerung - hängt davon ab, welche Sinne an der Wahrnehmung beteiligt sind. Wir wissen sogar, daß der Gefühlszustand, in dem wir uns in einem bestimmten Moment befinden, sich auf den emotionellen Charakter eines wieder ins Gedächtnis gerufenen Ereignisses auswirkt. Diese Informationen über das Gehirn wurden nicht von NLP-Anwendern, sondern von Neurologen entdeckt, die sich für dieses Wissen auf empirische Studien verlassen haben, nicht auf intuitive Einsicht.

NLP begann durch Richard Bandler und John Grinder, von denen keiner irgendetwas zur Neurologie beigetragen hat, trotz der fortgesetzten Behauptung seitens NLP, es gehe um die Reprogrammierung des Gehirns. NLP hat tatsächlich nichts mit dem Studium des Gehirns zu tun. Es hat damit zu tun, Menschen psychisch hochzubringen, ihr Leben in den Griff zu kriegen und sie mit Hoffnung, Inspiration und einigen praktischen Kommunikations-, Verhaltens- und Motivationsfertigkeiten zu versehen.

Bandlers "First Institute of Neuro-Linguistic Programming" und "Design Human Engineering" sagt Folgendes über NLP:

"Neurolinguistic Programmieren (NLP) wird definiert als das Studium der Struktur subjektiver Erfahrung und was aus dieser ermittelt werden kann, und es basiert auf der Überzeugung, daß alles Verhalten Struktur hat ... Neurolinguistic Programmieren wurde speziell entwickelt, um es uns zu erlauben, Magie zu wirken, indem wir neue Wege zum Verständnis schufen, wie verbale und nonverbale Kommunikation auf das menschliche Gehirn einwirken. Derart bietet es uns allen die Gelegenheit, nicht nur besser mit Anderen zu kommunizieren, sondern auch zu lernen, mehr Kontrolle über das zu erhalten, was wir für automatische Funktionen unserer eigenen Neurologie hielten.4

Es wird gesagt, daß Bandler als seine ersten Modelle Virginia Satir ("Die Mutter der systemischen Familientherapie"), Milton Erickson ("Der Vater der modernen Hypnotherapie") und Fritz Perls (Früher Vertreter der Gestalttherapie) nahm, "weil sie erstaunliche Resultate mit ihren Klienten hatten". Die Sprach- und Verhaltensmuster dieser Leute wurden studiert und als Modelle verwendet. Es waren Therapeuten, die Ausdrücke mochten wie "Selbstwertgefühl", "bestätigen", "Transformation", "Harmonie", "Wachstum", "Ökologie", "Selbstverwirklichung", "unbewußter Verstand", "nonverbale Kommunikation", "sein höchstes Potential erreichen" - Ausdrücke wie Leuchtfeuer für New Age-Transformationspsychologie. Keinem Neurologen oder sonst irgendjemandem, der das Gehirn wissenschaftlich studiert hat, wird auch nur der kleinste Einfluß auf NLP zugestanden. Jemand, der ebenfalls nicht erwähnt wird, jedoch wie das Idealmodell für NLP erscheint, ist Werner Erhard. Er begann "est" einige Meilen nördlich (in San Francisco) von Bandler und Grinder (in Santa Cruz), nur ein paar Jahre, bevor Letztere ihr Trainingsunternehmen eröffneten. Erhard scheint das getan zu haben, was Bandler und Grinder sich vorgenommen haben: Menschen helfen und davon gut leben. NLP und est haben darüber hinaus gemeinsam, daß sie aus einem Mischmasch von Elementen aus Psychologie, Philosophie und anderen Disziplinen entstanden sind und genial vermarktet werden als Schlüssel zu Erfolg, Glück und Erfüllung für jedermann, der bereit ist, den Eintritt zu bezahlen. Niemand verkracht an diesen Universitäten!

Bandler betont, die Entwicklung gehe weiter. Einigen könnte es allerdings erscheinen, als sei er haupsächlich damit beschäftigt, seine finanziellen Interessen an seinen Inhalten zu sichern, indem er jeden seiner Rülpser juristisch schützen läßt. Er scheint sich größte Sorgen zu machen, daß irgendein Therapeuten- oder Trainerstrolch seine Arbeit stehlen und Geld machen könnte, ohne daß er seinen Anteil bekommt. Man könnte wohlwollend sein und Bandlers Besessenheit mit eingetragenen Warenzeichen als Methode betrachten, die Integrität seiner brillanten neuen Entdeckungen über das menschliche Potential und seine Vermarktung zu schützen. Egal, um die Angelegenheit zu klären oder zu verschleiern - wer weiß? - , das, was Bandler als "echt" bezeichnet, kann durch eine Lizenz und ein der Society of Neuro-Linguistic Programming sicher identifiziert werden. Kontaktieren Sie diese Organisation allerdings nicht, wenn Sie detaillierte, klare Informationen wollen über das Wesen von NLP oder DHE (Design Human Engineering) (das "auf demWeg ist, eine High-Tech-Hypnose" zu werden) oder PE (Persuasion Engineering) oder MetaMaster Track oder Charisma Enhancement oder Trancing, oder was immer Mr. Bandler und Co. im Moment verkaufen. Was Sie größtenteils auf Bandlers Webseite finden werden, sind Informationen, wie man sich für eine Trainingssitzung einschreiben kann. Als ein Beispiel: Sie können sechs Tage Training für $1.800 ($1.500 bei Vorauszahlung) bekommen. Und was für ein Training ist das? Bandler hat den "Fortschritt der menschlichen Evolution" studiert und wird dies an sie weitergeben. Denjenigen zufolge, die Werbung für diese Sitzungen machen, hat Bandler "Berufstätige jeden Bereichs darin trainiert, ihr Arbeitsgebiet zu meistern". Design Human Engineering ist Richards Methode, "wie man sein eigenes Gehirn in die Form bringt, die es einem ermöglicht, schlicht und ergreifend sein Bestes zu geben." Aber warum sich die Mühe machen, an einer dieser 5-Tage-Sitzungen teilzunehmen, wenn man bei einer Investition von nur weiteren 6 Tagen und insgesamt $ 3.000 selber ein Practitioner werden kann! Ein noch besseres Geschäft ist allerdings das Master Practitioner-Zertifikat für weitere $ 500 und zwei Tage zusätzlich. Sollte dies zu viel von Ihrer kostbaren Zeit in Anspruch nehmen, können Sie sich auch entschließen, ein Charisma Enhancement-Trainer für lediglich $ 2.500, voll zertifiziert (oder heißt es zertifikabel?), in nur 6 Tagen zu werden!

Würden medizinische Institute Ärzte auf dieselbe Art produzieren, wie NLP-Mühlen "Therapeuten" ausspucken, die Menschen würden sterben wie Fliegen.
Rabbi Zvi Kilstein

Wenn man liest, was Bandler sagt, könnte man auf die Idee kommen, manche Leute nähmen nur teil, um die Übersetzung vom Oberlehrer der kommunikativen Fertigkeiten selber zu bekommen:

Eines der Modelle, die ich konstruierte, wurde Strategie-Ermittlung genannt, was viele Leute andauernd mit Modellieren verwechseln. Sie fangen an und ermitteln eine Strategie und denken dabei, sie modellierten, aber keiner stellt die Frage: "Woher kam das Strategie-Ermittlungsmodell?" Es gibt Beschränkungen innerhalb dieses Modells, da es durch Reduktion konstruiert wurde. Das Strategie-Ermittlungsmodell ist immer auf der Suche nach dem endgültigsten Weg, ein Ergebnis zu erzielen. Dieses Modell basiert auf sequentieller Ermittlung und simultaner Anwendung. [R. Bandler]

Ich bin sicher, viele stimmen mit mir überein, daß - bei solcher Kommunikation - Bandler einen ganz besonderen Code zur Programmierung seines eigenen Gehirns haben muß.

Andererseits ist John Grinder dazu übergegangen, für die Geschäftswelt dasselbe zu tun, was Bandler für den Rest von uns macht. Er hat sich mit Carmen Bostic St. Clair in einer Organisation namens Quantum Leap zusammengetan, "eine internationale Organisation, die sich mit der Gestaltung und der Anwendung von interkulturellen Kommunikationssystemen befaßt." Wie Bandler behauptet auch Grinder, er habe neue und noch brillantere "Codes" entwickelt.

... der Neue Code enthält eine Reihe von Toren, die ein bestimmtes und meiner Ansicht nach passendes Verhältnis zwischen dem bewußten und dem unbewußten Teil eines Menschen voraussetzen, der sich anschickt, NLP zu lehren oder irgendwie zu vertreten. Das ist schon ein großer Schritt in die Richtung, auf dem Vorhandensein von persönlicher Kongruenz einem solchen Menschen zu bestehen. Mit anderen Worten, ein Mensch, der keine persönliche Kongruenz kennt, wird im allgemeinen nicht in der Lage sein, die neuen Codemuster mit kontinuierlichem Erfolg zu verwenden oder zu lehren. Das ist ein Zustand, den ich sehr schätze - er hat die Merkmale eines selbstregulierenden Systems.

Einigen mag auffallen, daß Begriffe wie "persönliche Kongruenz" weder besonders präzise noch wissenschaftlich sind. Das liegt wahrscheinlich daran, daß Grinder eines "neues Paradigma" konstruiert hat. Sagt er jedenfalls. Er streitet ab, daß sein und Bandlers Werk eine Mixtur aus Philosophie und Psychologie ist und daß es auf den Werken anderer aufbaut. Er glaubt, daß das, was er und Bandler schufen, ein "Paradigmenwechsel" war. Bevor ich jedoch diesen sogenannten "Paradigmenwechsel" in Augenschein nehme, möchte ich darauf hinweisen, daß es mit Sicherheit keinen Paradigmenwechsel gegeben hat, was den Glauben an die Rolle betrifft, die das sogenannte "Unbewußte" in den Gedanken, Wünschen und Verhaltensweisen des Menschen spielt.

NLP akzeptiert die Idee eines Unbewussten,das ein Reservoir von Ideen und Wünschen bildet, derer wir uns nicht bewußt sind und die unser Verhalten in einschränkender Weise laufend beeinflussen. Es akzeptiert ebenfalls die Rolle der Hypnose als dynamisches Werkzeug, um das Unbewußte anzuzapfen. Grinder behauptet sogar, "das Unbewußte enthalte keine Substantive, nur Verben ..." Man könnte fragen, wo im Gehirn sich das Unbewußte befindet? Ein solches Etwas mit seinem Reservoir von Einflüssen ist nicht empirisch bestätigt. Was wir wissen, ist, daß niemals alle Neuronen im Gehirn gleichzeitig aktiv sind. Es gibt immer ruhige, passive Teile des Gehirns. In manchen Bereichen gibt es Erinnerungsfragmente, derer wir uns nicht bewußt sind. Diese Fragmente sind weder Substantive noch Verben, sondern neurochemischer Natur. Substantive können Gefühle der Furcht hervorrufen, auch wenn ein Mensch kein bewußtes Verständnis oder bewußte Erinnerung daran haben sollte, warum dies so ist. Schacter (1996) berichtet von einer Frau, die vergewaltigt und bewußtlos geschlagen wurde und sich nicht an die Vergewaltigung erinnerte. Die Vergewaltigung fand auf einem Kopfsteinpflaster (Anm. d. Ü.: brick pathway) statt. Obgleich sie sich nicht an die Vergewaltigung erinnern konnte, löste das Wort 'brick' Angst und Anspannung in ihr aus. Dies ist kein Fall von durch Unterdrückung von traumatischer Erfahrung hervorgerufener Amnesie. Es handelt sich vielmehr um einen Menschen, der bewußtlos geschlagen wurde und dadurch außerstande war, eine komplette Erfahrung wahrzunehmen. Die Behauptung, das "Unbewußte enthalte keine Substantive, nur Verben ... " ist Psychogewäsch. Leute, die solche Behauptungen aufstellen, sollte man mit Vorsicht genießen. Genauso sollte man die folgenden Angaben Grinders über eine Trainingssitzung, die er in Australien abhielt und die "Metaphern und Schmetterlinge" genannt wurde, cum grano salis zu sich nehmen:

Die positiven Resultate, auf denen ich zum Ende des Seminars "Metaphern und Schmetterlinge" von Carmen Bostic und John Grinder in Australien, März 1997, bestehen würde, wären:

die Fähigkeit, tiefe Metaphern in meinem eigenen Leben, dem Leben enger Freunde und in Einrichtungen wie derjenigen, für die ich arbeite, zu erkennen.
die Fähigkeit, neue Metaphern zu entwickeln, darunter auch tiefe Metaphern, die die Werte und Assoziationen enthalten, die ich in mir selber, mir nahestehenden Menschen und der Einrichtung, innerhalb derer ich als ein produktives Mitglied der Gesellschaft wirke, stärken möchte.
die Fähigkeit, neue Metaphern zu einzusetzen, darunter auch tiefe Metaphern, die die Werte und Assoziationen enthalten, die ich in mir selber, mir nahestehenden Menschen und der Einrichtung, innerhalb derer ich als ein produktives Mitglied der Gesellschaft wirke, stärken möchte,
die Fähigkeit, andere auf der unbewußten Ebene durch Metaphern zu beeinflussen
das Gefühl, eine verdammt gute Zeit während des Lernens von all dem gehabt zu haben.

Meine Erinnerungen daran, was wir zur Zeit der Entdeckung (in Bezug auf den klassischen Code, den wir entwickelten - das heißt, in den Jahren 1973 bis 1978) dachten, sind, daß wir ganz deutlich machten, daß wir dabei waren, ein Paradigma zu stürzen und ich es zum Beispiel sehr nützlich fand, diesen Feldzug zum Teil mit Thomas Kuhns hervorragendem Buch (The Structure of Scientific Revolutions) als Leitlinie zu planen; ein Buch, in dem er einige der Bedingungen beschreibt, die historisch während eines Paradigmenwechsels dominant waren. Beispielsweise glaube ich, daß es sehr nützlich war, daß keiner von uns in dem Bereich, in dem wir uns bewegten, qualifiziert war - Psychologie und speziell ihre therapeutischen Anwendungen; dies ist eine der Bedingungen, die Kuhn in seiner geschichtlichen Studie von Paradigmenwechseln benannte. Wer weiß, was Bandler dachte?

Man kann nur hoffen, daß er nicht dasselbe dachte wie Grinder, zumindest soweit es Kuhns klassischen Text betrifft, insbesondere, wenn er Kuhn anführt, um zu sagen, daß mangelnde Qualifikation auf einem Gebiet eine entscheidende Bedingung dafür ist, zur Entwicklung eines neuen Paradigmenwechsels in der Wissenschaft beizutragen. Darüber hinaus hat Kuhn weder ein Modell noch einen Bauplan zur Erstellung eines Paradigmenwechsels erstellt! Sein Werk ist historisch, d.h. es beschreibt das, vom dem er meint, es sei in der Geschichte der Wissenschaft geschehen. Nirgendwo deutet er an, daß ein einzelner Mensch zu irgendeiner Zeit einen Paradigmenwechsel in der Wissenschaft kreierte oder dies auch nur gekonnt hätte. Menschen wie Newton oder Einstein konnten Theorien aufstellen, die zum angemessenen Verständnis Paradigmenwechsel erforderten, aber sie "machten" die Paradigmenwechsel nicht selber. Kuhns Werk macht klar, daß eine solche Vorstellung lächerlich ist.

Grinder und Bandler hätten Kant lesen sollten, bevor sie sich auf ihre quixotische Suche machten. Kants "Kopernikanische Revolution" könnte von Bandler und Grinder als Paradigmenwechsel erachtet werden, aber sie ist nicht das, worüber Kuhn sprach, als er die geschichtliche Entwicklung wissenschaftlicher Theorien beschrieb. Kuhn beschränkt sich auf die Wissenschaft. Er hat nie behauptet, daß etwas Vergleichbares in der Philosophie geschieht, und ganz sicher nicht, daß irgendetwas, das mit NLP zusammenhing oder -hängt, einen Paradigmenwechsel bildet. Kuhn meint, Paradigmenwechsel fänden allmählich statt, wenn eine Theorie zusammenbricht und durch eine andere ersetzt wird. Wissenschaftliche Theorien brechen zusammen, so Kuhn, wenn neue Daten von den alten Theorien nicht mehr erklärt werden können oder diese sie schlechter erklären als eine neuere Theorie. Was Bandler und Grinder machten, geschah nicht aufgrund irgendeiner Theoriekrise in irgendeiner Wissenschaft und kann daher nicht mal als Beitrag zu einem Paradigmenwechsel gewertet werden, schon gar nicht als Paradigmenwechsel selber.

Was Grinder für Kuhns "Paradigmenwechsel" hält, ist so etwas wie ein "Gestaltwechsel", ein Wechsel in unserer Betrachtungsweise, unserer Perspektive. Kant könnte zu dieser Idee passen. Er lehnte die alte Art der Epistomologie ab, die fragte: 'Wie können wir uns selber dazu bringen, die Welt zu verstehen?' Was wir fragen sollten, so Kant, ist: 'Wie ist es möglich, daß die Welt von uns verstanden wird?' Das war tatsächlich eine revolutionäre Veränderung in der Geschichte der Philosophie, denn sie ging davon aus, daß die Welt sich den Bedingungen anpassen muß, die ihr von demjenigen auferlegt werden, der sie wahrnimmt. Die Vorstellung, jemand kenne die Wahrheit, wenn sein Verstand sich der Welt anpasse, wird verworfen zugunsten der Vorstellung, daß alles Wissen subjektiv ist, da unmöglich ohne Wahrnehmung, die ihrem Wesen nach subjektiv ist. Kopernikus sagte im Grunde mal sehen, wie die Dinge mit der Sonne im Zentrum des Universums anstelle der Erde aussehen. Kant hingegen sagte im Grunde untersuchen wir, wie wir die Welt kennen, indem wir annehmen, die Welt müsse sich dem Verstand anpassen und nicht der Verstand der Welt. Kopernikus jedoch kann als jemand betrachtet werden, der zu einem Paradigmenwechsel in der Wissenschaft beitrug. Falls er recht hatte, und das hatte er, konnten Astronomen nicht mehr länger Astronomie ohne tiefgreifende Veränderungen in den grundlegenden Vorstellungen über die Natur des Himmels betreiben. Andererseits gibt es keine Möglichkeit, genau zu wissen, ob Kant recht hat oder nicht. Wir können seine Theorie akzeptieren oder ablehnen. Wir können weiterhin Philosophie betreiben, ohne Kantianer zu werden, aber wir können nicht weiterhin Astronomie betreiben, ohne die heliozentrische Hypothese zu akzeptieren und die geozentrische zu verwerfen. Was haben Grinder und Bandler getan, das es unmöglich machte, weiterhin Psychologie, Therapie, Semiotik oder Philosophie zu betreiben, ohne ihre Ideen zu akzeptieren? Nichts.

Unterhaltsamer ist da schon, daß Bandler Grinder auf 12,5 Millionen Dollar verklagt hat. Offenbar konnten die beiden großen Kommunikatoren und Paradigmenerneuerer ihre eigenen Ratschläge nicht befolgen, oder vielleicht modellieren sie ihr Verhalten nach dem so vieler anderer großer Amerikaner, die herausgefunden haben, daß der lukrativste Weg zu kommunizieren ist, jemanden zu verklagen, der tiefe Taschen hat. Grinder hat eine Stellungnahme im WWW veröffentlicht (Link tot) die sich mit der bedauernswerten Lage der Dinge befaßt. NLP hat es wirklich mit Metaphern, und ich bezweifle, daß dieser üble Rechtsstreit die Art von Metapher ist, aufgrund derer man sich an sie erinnern soll. Ist Bandlers eingetragenes Warenzeichen für ein halbes Dutzend Ausdrücke ein Zeichen für einen Mann, der nicht weiter tut, als die Integrität von NLP zu schützen, oder ist es ein Zeichen für einen gierigen Größenwahnsinnigen?

Was auch immer Bandlers und Grinders Ziel war, es ist von zahlreichen Leuten erweitert worden, die sich alle auf den Begriff "NLP" berufen. So ziemlich alles, was ich an Gemeinsamkeiten bei diesen Leuten finden kann, ist, daß sie glauben, NLP könne ihnen helfen oder sie könnten NLP verwenden, um anderen zu helfen, so ziemlich alles tun zu können. Darüber hinaus scheinen Theorie und Praxis von NLP voller Widersprüche zu sein. Es wird auch das Studium der subjektiven Erfahrung genannt, aber große Aufmerksamkeit scheint der Beobachtung des Verhaltens gewidmet zu sein, insbesondere des sprachlichen Verhaltens und der sogenannten "Körpersprache" von Menschen.

Sobald Sie mit NLP umgehen lernen, werden Sie sich wohlfühlen bei Sätzen wie "Die Landkarte ist nicht das Gebiet" oder "Leben und Verstand sind systemische Prozesse". Tatsächlich kann, soweit ich es verstehe, NLP alles bedeuten, was Sie wollen. Es gibt offenbar viele Leute, die viele verschiedene Dinge tun und viele verschiedene Behauptungen aufstellen, obwohl alle ihr Gebiet als NLP bezeichnen. Es könnte sein, daß viele der selbsternannten NLP-Trainer Betrüger sind und deswegen so große Verwirrung darüber herrscht, was genau NLP ist. Oder sie verwenden vielleicht Bandler als ein Modell. Sie haben die Struktur seines Verhaltens erkannt und Techniken entwickelt, abzukassieren wie ihr Meister.

Ein Beispiel: Eine NLP-Trainings- und Entwicklungsgesellschaft in Australien, die sich Inspiritive nennt, bietet einen Zweitageskurs in Practical Dreams® für lediglich 295 australische Dollar (etwa DM 340). Der Firma zufolge ist "Practical Dreams entworfen und wird vermittelt auf eine Art, daß Überzeugungen und Wertvorstellungen jedes Teilnehmers den Kern zur Gestaltung seiner individuellen Zukunft bilden. Hat ein Teilnehmer eine Überzeugung, die seine Zukunft hemmt, werden ihn unsere geschulten Trainer lehren, sie derart zu modifzieren, daß sie zum Erreichen des jeweiligen Traumes passen." Inspiritive hat auch etwas im Angebot, das sich Core Transformations® nennt, eine dreitägige Sitzung für 595 australische Dollar (etwa DM 675), die, wie man uns sagt, "die wichtigsten Bedürfnisse unserer Zeit erfüllt, nämlich uns zu heilen und zu als Menschen zu entwickeln - emotional, geistig, körperlich und seelisch." Grinder hat Kurse für Inspiritive gegeben, und anscheinend kriegt Bandler keinen Anteil von diesen Trainingssitzungen.

Obgleich ich nicht daran zweifle, daß viele Menschen von solchen Trainingssitzungen profitieren, scheint es doch mehrere falsche oder fragwürdige Annahmen zu geben, auf denen NLP basiert. Die Vorstellungen über das Unbewußte, Hypnose und die Fähigkeit, Menschen durch direkte Ansprache des Unbewußten zu beeinflussen, sind unbewiesen. Alle wissenschaftlichen Belege in dieser Richtung deuten darauf hin, daß die NLP-Behauptungen unwahr sind. Man kann nicht lernen, "direkt den unbewußten Verstand anzusprechen", wie Erickson und NLP behaupten.

Von NLP wird behauptet, daß seine Experten die Denkweise großer Geister und die Verhaltensmuster erfolgreicher Menschen studiert und daraus Modelle abgeleitet haben, wie sie funktionieren. "Aus diesen Modellen wurden Techniken entwickelt, mit denen man schnell und wirksam Gedanken, Verhaltensweisen und Überzeugungen ändern kann, die einem im Weg stehen."5 Aber das Studium von Einsteins oder Tolstois Werk könnte ein Dutzend "Modelle" ergeben, nach denen ihr Verstand arbeitete. Es gibt keinen Weg, herauszufinden, welches - wenn überhaupt eines - der Modelle zutrifft. Es ist ein Rätsel, warum irgendjemand annehmen würde, ein beliebiges Modell beinhalte Techniken zur schnellen und wirksamen Veränderung von Gedanken, Handlungen und Überzeugungen. Ich glaube, die meisten von uns erfassen intuitiv, daß, auch wenn man denselben Erfahrungen wie Einstein oder Tolstoi ausgesetzt hätte, wir weder der eine noch der andere geworden wären. Natürlich wären wir deutlich anders als jetzt, aber ohne zunächst einmal ihre Gehirne zu haben, hätten wir uns ziemlich verschieden von beiden entwickelt.

Von NLP wird außerdem gesagt, es verstünde nonverbale Kommunikation - die sogenannte "Körpersprache" - und es könne jedem beibringen, diese Kommunikationsform zu verstehen. Aber es gibt nicht mehr gemeinsame Struktur in der nonverbalen Kommunikation als in der Traumsymbolik. Es gibt selbstverständlich einige gut definierte und kulturell geprägte nonverbale Arten, zu kommunizieren, z.B. der berühmte "Mittelfinger", dessen Bedeutung in der westlichen Kultur eindeutig ist. Doch wenn jemand mir sagt, die Art und Weise, auf die ich während eines Gesprächs an meiner Nase herumdrücke, signalisiere ihm, daß ich ihn nicht riechen kann - wie verifiziert man dann, ob seine Interpretation richtig ist oder nicht? Ich leugne es. Er kennt die Struktur, sagt er. Er kennt die Bedeutung. Ich bin mir meines Signals oder meiner Gefühle nicht bewußt, sagt er, weil die Botschaft aus meinem Unbewußten kommt. Wie überprüft man diese Behauptungen? Gar nicht. Ich sage, es gebe so etwas wie ein "Unterbewußtes" nicht, daß meine Gesten steuert, um meine "wahren" Gefühle anzuzeigen. Wo sind seine Beweise? Es muß seine brillante intuitive Erkenntnis sein, denn es gibt keinerlei empirische Belege, um diese Dinge zu stützen. Mit verschränkten Armen in einer Konferenz sitzen muß nicht heißen, jemand "blockt Sie ab" oder "wird defensiv". Die Frau könnte erkältet sein, Rückenschmerzen haben oder sich einfach wohl fühlen in dieser Haltung. Es ist gefährlich, zu viel in nonverbales Verhalten hineinzuinterpretieren. Gespreizte Beine könnten auf eine entspannte Person hindeuten, nicht auf jemanden, der mit Ihnen schlafen will. Vieles von dem, was NLP lehrt, ist kaltes Lesen. Das ist brauchbar, aber eine Kunst und keine Wissenschaft, und es sollte mit Vorsicht verwendet werden.

Einige NLP-Practitioner und Anhänger halten sich an die ursprüngliche Grundlage. Es gibt zum Beispiel ein FAQ über NLP von einem gewissen Dale Kirby (englisch), der die folgene Definition von NLP aufstellt:

NLP (Neurolinguistisches Programmieren) ist eine sich andauernd weiterentwickelnde Gruppe von Modellen, Voraussetzungen, Mustern, Techniken und beobachtungsgestützten Theorien, hervorgehend aus dem Studium von subjektiver Erfahrung, Verhalten und Kommunikation. Jenseits des Verständnisses versucht NLP, schnell und ökologisch heilende und produktive Veränderung zu ermöglichen.

Ich muß zugeben, daß Mr. Kirby recht damit hat, daß es definitiv jenseits des Verständnisses ist, zu behaupten, etwas versuche, "schnell und ökologisch heilende und produktive Veränderung zu ermöglichen." Zu versuchen, Veränderung zu ermöglichen, ist verständlich. Heilende Veränderung impliziert, daß etwas nicht in Ordnung ist und Heilung benötigt. Bevor man versucht, etwas zu ändern, sollte man vorher sichergehen, daß Änderung angebracht ist und mehr Nutzen als Schaden bringt. Produktive Veränderung könnte wünschenswert sein, falls das Produkt der Veränderung besser ist als das, was es ersetzt. Falls nicht, könnte sie unerwünscht sein. Rasche Veränderung wäre erstrebenswert, wenn alle Dinge gleich wären, was selten der Fall ist. Unter zahlreichen Umständen könnte eine langsame Veränderung einer schnellen vorzuziehen sein. Etwas ökologisch zu ermöglichen, ist unverständlich, wobei ich allerdings den Verdacht hege, dieser Ausdruck hat etwas mit 'ganzheitlich' oder 'organisch' zu tun und wird vor allem aufgrund seines unterstellten positiven emotionalen Gehaltes verwendet.

NLP scheint zu versuchen, etwas zu ermöglichen, was vielleicht nicht gebraucht oder gewünscht wird, und das auf eine Art, die nicht zu verstehen ist. Um diese Unverständlichkeit zu verstärken, teilt uns Mr. Kirby mit, eine der Grundvoraussetzungen von NLP sei "Niemand ist falsch oder kaputt". Wozu also heilende Veränderung? Andererseits macht das, was Mr Kirby über NLP zu sagen hat und verständlich ist, NLP nicht gerade attraktiv. So sagt er zum Beispiel, laut NLP gebe "es so etwas wie Versagen nicht. Es gibt nur Rückmeldung." Wurde NLP möglicherweise vom US-Militär entwickelt, um seine "unvollständigen Erfolge" zu erklären? Als das Space Shuttle Minuten nach dem Start explodierte und jeden an Bord tötete, war das "nur Rückmeldung"? Wenn ich meinen Nachbarn niedersteche und es eine "unsachgemäße Operation" nenne, praktiziere ich dann NLP?

Eine weitere falsche Grundannahme von NLP ist, "Wenn jemand etwas tun kann, kann jeder es lernen." Und das von Leuten, die behaupten, sie verstünden das Gehirn und könnten einem helfen, es zu reprogrammieren. Das Einzige, was Otto und Maria Normalbürger von Einstein, Pavarotti und Lex Luger trennt, ist NLP. Diese Behauptungen mögen auf manche Menschen attraktiv wirken, mir erscheinen sie lächerlich. Ich schlage vor, bevor Sie sich für NLP einschreiben, lesen Sie die Bücher eines guten Neurologen wie Oliver Sacks [siehe Weiterführende Literatur]. Noch wichtiger finde ich, sich zu fragen "Wer möchte ich sein?", bevor man sich fragt "Was möchte ich sein?". Die Errichtung eines moralischen Persönlichkeit sollte das erste Ziel sein. Die Entscheidung über die Werte und Normen, nach denen man leben will, sollte jedem Streben nach Erfolg vorgezogen werden. Wenn Sie nicht das Glück hatten, Eltern, Großeltern oder andere Verwandte zu haben, die als moralische Vorbilder dienen konnten, könnten sie mit Sokrates beginnen, wie von Plato in Apologie, Crito und Phaedo dargestellt.

Die NLP-Expertin Diana Beaver sagt, "NLP werde manchmal das Studium der Struktur der Vortrefflichkeit genannt - ein großartiger Titel für die Entdeckung, wie man denkt, wenn man in Topform ist, sodaß man so denken kann, wann immer man will - und in Topform sein, wann immer man will: auf jedem Gebiet, das man sich aussucht." Ich kann nicht für andere sprechen, aber ich weiß, daß die Denkfähigkeit von einer Menge Dingen abhängt, über die man keine Kontrolle hat. Die Gehirnchemie ist größtenteils unkontrollierbar, wenn man keine Drogen nimmt, die das neurochemische System beinflussen. Der Körper hat ebenfalls Einfluß darauf, wie gut man denkt, und man kann sich nicht darauf verlassen, daß er immer in Topform ist. Hormone kommen und gehen; Neurotransmitter spielen ihr eigenes Spiel. Man kann das alles nur zu einem bestimmten Teil dadurch beeinflussen, daß man gut ißt, seinen Körper fit hält und herausragende Modelle nachahmt. Die realen Unterschiede in der Veranlagung dahingehend zu ignorieren, daß behauptet wird, man könne das Gehirn so programmieren, daß es immer in Topform ist, ist eine kindische Haltung, deren einzige Tugend ihre Naivität ist. Andererseits ist es ein hervorragender Ratschlag, negative Einflüsse aus der Umgebung zu entfernen und sich nur mit Dingen und Personen zu umgeben, die einen darin unterstützen, seine Ziele zu erreichen.

Es sieht so aus, als entwickele NLP Modelle, die nicht verifiziert werden können, aus denen es dann Techniken entwickelt, die möglicherweise nichts mit den Modellen oder den Ursprüngen der Modelle zu tun haben. Und es stellt Behauptungen über Denken und Wahrnehmung auf, die von der Neurologie offenbar nicht bestätigt werden. Das soll nicht heißen, daß die Techniken nicht funktionieren. Sie können funktionieren und das sogar gut, aber es gibt keine Möglichkeit, herauszufinden, ob die Grundannahmen hinter ihnen stichhaltig sind. Vielleicht spielt das keine Rolle. NLP wird als pragmatischen Zugang suchend erklärt; wichtig ist nur, ob es funktioniert oder nicht. Wie mißt man jedoch, ob es "funktioniert"? Ich weiß es nicht und glaube auch nicht, daß NLPer es wissen. Anekdoten und Zeugenaussagen scheinen die wichtigsten Meßtechniken zu sein. Unglücklicherweise könnte diese Meßmethode nur enthüllen, wie gut die Trainer ihren Klienten beigebracht haben, andere zu überzeugen, ebenfalls an einem Training teilzunehmen.

NLP wird dahingehend verstanden, daß es Menschen eine "magische" Macht gibt. Es ist natürlich nicht wirklich Magie; es scheint dem wahren Gläubigen nur so. NLP wird eine Form der Persönlichkeitsentwicklung und Selbsthilfe genannt; daher ist es nicht schwierig zu erkennen, wer sich dazu hingezogen fühlt: dieselbe Art Leute, für die auf glühenden Kohlen gehen ein bedeutender Triumph des Geistes über die Materie anstatt einfacher Physik ist. Diese Leute scheinen nach einem Vorteil in Beziehungen, Geschäften, Sport, Leben, in allem zu suchen. Sie suchen jemanden, der ihre versteckte Genialität und Kraft freisetzt, sie motiviert und sie durchs Leben führt, und zwar schnell und gegen eine angemessene Bezahlung. Manche mögen sogar nach einem Wunder suchen. Ich hoffe, sie finden, wonach sie Ausschau halten.

NLP in Deutschland

Anfang der 80er Jahre brachte der Diplom-Psychologe und Erickson-Schüler Thies Stahl NLP durch seine Publikationen und Seminare nach Deutschland. Neben Therapeuten interessierten sich bald auch Unternehmensberater und Personaltrainer für die neue Meta-Methode. Ein richtigen Schub mit Breitenwirkung entwickelte sich jedoch erst Anfang der 90er Jahre. Der eigene Anspruch, eine universelle Meta-Methode für jeden Bereich zu sein, zog: Selbsterfahrungshungrige, Pädagogen und Menschen aus dem Gesundheitsbereich interessierten sich zunehmend für NLP - vor allem aber Führungskräfte und Personalverantwortliche. Mitte der 90er Jahre fand die Psycho-Methode hier zu Lande ihren Höhepunkt. Mittlerweile kräht in den USA kein Hahn mehr danach, und auch in Deutschland hat sich der Rauch wieder verzogen. Was geblieben ist? Eine Vielzahl von NLP-Ratgebern in den Karriere- und Selbsterfahrungsecken der Buchhandlungen.

(https://www.e-fellows.net/de/public/show/detail.php/3772)


Weiterführende Literatur (englisch) 

 


Quelle: http://www.skeptischeecke.de/Worterbuch/Neurolinguistisches_Programmie/neurolinguistisches_programmie.html (02-03-11)

Siehe dazu auch:
Christoph Bördlein: Die NLP-Seite
Jochen Paulus:
"Was wir Euch erzählen, ist gelogen"
Markus Heller:
Für viel Geld auf Effizienz getrimmt