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 Hans-Dieter Haller

Archivierung von Lehrveranstaltungen und Ordnungssysteme

Warum Archivierung von Lehrveranstaltungen?

Es lohnt sich, Lehrveranstaltungen zu archivieren, weil es bei späteren Wiederholungen des selben oder eines ähnlichen Themas die Planung und Durchführung beträchtlich erleichtern kann, wenn auf schon bestehende Planungen und Unterlagen zurückgegriffen werden kann. Zudem kann durch ein Archivierungssystem eine Lehrveranstaltung langfristiger vorbereitet werden, wenn man anfallende Unterlagen, Ideen, Notizen u.ä. schon prophylaktisch sammelt und bereithält.

Warum ein Ordnungssystem?

Die Menge der Informationen, Dokumente etc., die man auf diese Weise sammeln kann, wird im Laufe weniger Jahre einen beträchtlichen Umfang einnehmen, so daß man ohne ein besonderes Ordnungssystem Probleme bekommen kann, die Übersicht zu behalten. Auch ist es sinnvoll, wenn die Archivierung nach einem Ordnungssystem betrieben wird, welches sehr rasche Zugriffe zu den Ablagemöglichkeiten gewährleistet; denn wenn man erst lange suchen muß, verzichtet man leicht auf eine Archivierung.

Welches Ordnungssystem?

Es gibt viele Ordnungssysteme; es kommt darauf an, dasjenige zu finden, was den eigenen Denkweisen und Vorlieben am besten entspricht und was am leichtesten zu handhaben ist. Geht man davon aus, daß Menschen entweder eine digitale oder eine analoge Form der Kodierung bevorzugen, so hat man auch schon die zwei wesentlich unterschiedlichen Ordnungsmöglichkeiten beschrieben. Digitale Kodierung bedeutet, sich ein sprachliches Symbol zu nehmen und die betreffenden Informationen, Dokumente u.ä. darunter zusammenzufassen, so daß sie z.B. in Aktenordnern unter dieser Bezeichnung abgelegt und zugänglich werden. Analoge Kodierung bedeutet, daß die betreffenden Infirmationen. Dokumente u.ä. mit Erinnerungsstücken versetzt archiviert werden und so vielfältige Assoziationen möglich sind, wenn sie wieder gesucht werden sollten. Mit etwas drastischen Worten ausgedrückt: Digitale Kodierung führt zum "Wegpacken", d.h. man sieht nicht mehr, was in den Aktenordnern ist und muß über ein logisch konstruiertes System den Zugang erschließen; analoge Kodierung führt zum "Haufenmachen", d.h. man muß die Dinge im Blickwinkel behalten können und über assoziierende Erinnerungen erschließen (z.B.: "das war doch auf gelbem Papier gedruckt, was ich jetzt suche...."). Beide Ordungssysteme können empfindlich gestört werden; beim ersten Fall entsteht solche eine Störung, wenn nicht ein sehr weitgehend ausdifferenzierter Aktenplan penibel eingehalten wird; im zweiten Fall, wenn das jeweils in Gleichzeitigkeit zu überschauende Material übermäßig viel geworden ist und wenn einzelne Dokumente aus dem "Haufen" nach einem Gebrauch in neue Zusammenhänge und nicht wieder an ihren alten Platz gebracht worden sind.

Bezug zur Unterrichtplanung

Ausgehend von der Überlegung, daß die Ordnungssysteme eines Menschen Ausdruck seiner eigenen kognitiven Orientierung sind, ergibt sich die Konsequenz, daß er/sie dementsprechend auch seine/ihre Unterrichtsplanung kodiert. Es gibt bislang nur in Ansätzen Forschungen darüber, wie Lehrende Unterricht planen und strukturieren, sie sind in der Tendenz möglicherweise

eher enaktiv, d.h. orientiert an ihren Tätigkeiten und denen der Lernenden (welche Lernschritte sind aufzubauen? was muß ich tun, was sollen die Lernenden daraufhin tun?);

eher zielorientiert, d.h. orientiert am erwünschten Ergebnis oder Ertrag (woraufhin will ich hinaus? was soll in dieser Stunde erreicht werden?);

eher impulsorientiert, d.h. orientiert an der Vermittlung einer Fragestellung, Erfahrung o.ä., aufgrund derer sich eine Dynamik ergibt (wie steige ich ein? wie erzeuge ich erst einmal Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft? was könnte kognitive Dissonanz auslösen? wie schockiere ich notfalls?);

eher materialorientiert, d.h. orientiert an den Materialien, die im Unterricht zum Einsatz kommen und Erfahrungen vermitteln, veranschaulichen etc. sollen (was brauche ich an Unterlagen? welche Lehrhilfen setze ich ein?);

eher begriffsorientiert, d.h. orientiert an Grundbegriffen, die das darzustellende Thema oder Problem beschreiben und bereits in einem gewissen theoretischen Rahmen erfassen oder erklären (was sind die Schlüsselbegriffe? wie stehen die verschiedenen Begriffe in Beziehung zueinander? welche begrifflichen Kontroversen gibt es? welche begrifflichen Unsauberkeiten gibt es? welches Alltagsverständnis erschwert den Zugang zur wissenschaftlichen Bedeutung dieses Begriffes?).

Solche Unterschiede schlagen sich dann nieder in verschiedenen Formen der Vorbereitung und Planung des Unterrichts und führen zu unterschiedlichen Kodierungen oder vorwegnehmenden "Bildern", was im Unterricht geschehen wird. Den dabei möglichen Optionen sollte auch die eigene Vorbereitung und Kodierung im Gedächtnis Rechnung tragen.

Eigene Optionen zur Planung und Archivierung

Stellen Sie nun einmal bitte vor, wie Sie eine Vorlesungs-, Seminar- oder Übungsstunde für Ihren akademischen Unterricht planen und vorbereiten würden! Nehmen wir an, Sie müßten einen Koffer packen, in dem alles hineinkommen soll, was Sie für diese Stunde benötigen; stellen Sie sich bitte auch ein konkretes Thema für diese Stunde vor: Was würden Sie hineinpacken? Ein Vortragsskript? Verschiedene Bücher? Einen Zettel- oder Karteikasten? Einen Lehrfilm? Einige relevante reale Gegenstände? Eine stichwortartige Auflistung Ihrer Planung? Einige Folien? Könnte der Koffer gar leer bleiben, weil Sie sowieso alles im Kopf mit sich tragen?

Mit Ihren Antworten finden Sie möglicherweise bereits den Hinweis auf Ihr eigenes Ordnungssystem für die Planung und Archivierung von Lehrveranstaltungen. Einige Möglichkeiten könnten sein:

Denken Sie auch noch an folgendes:


Quelle: http://www.gwdg.de/~hhaller/lehrtip4.htm - Homepage des Arbeitskreises für Hochschuldidaktik