1. Überführen Sie Ihr Forschungsinteresse in eine wissenschaftliche Fragestellung

  • Formulieren Sie Ihr Forschungsinteresse als Fragestellung. Recherchieren Sie in der einschlägigen wissenschaftlichen Fachliteratur, inwieweit Ihre Fragestellung dort bereits bearbeitet wird:[1]
    • Für fachwissenschaftliche Artikel: Sehen Sie die aktuellen fünf Jahrgänge einschlägiger (d.h. für Ihr Thema relevanter) Fachzeitschriften durch. (Informieren Sie sich in Seminaren oder bei DozentInnen, welche Zeitschriften für Ihr Thema relevant sein könnten.)
    • Für Fachbücher: Lesen Sie die Soziologische Revue, die Erziehungswissenschaftliche Revue, die Rezensionsteile in der Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (bzw. der Kölner Zeitschrift für Soziologie usw. je nach Fach), ebenfalls die letzten fünf Jahrgänge.
    • Für Artikel, Bücher und Buchkapitel suchen Sie in der Datenbank SOLIS (über wiso.net) und FIS Bildung.
  • Sehen Sie in den gefundenen Artikeln/Kapiteln/Büchern ebenfalls in die Literaturlisten. Wenn es Lehrbücher gibt, die Ihr Thema berühren, sind diese auch ein guter Orientierungspunkt. Recherchieren Sie zusätzlich englischsprachige Literatur.
  • Formulieren Sie auf Basis Ihrer Recherchen einen Stand der Forschung zu Ihrer Fragestellung (die Fragestellung wird sich dabei im Zuge Ihrer Recherchen verändert haben). Auf Basis des Forschungsstandes reformulieren Sie Ihre Fragestellung neu und leiten sie explizit aus dem Forschungsstand her.
  • Überlegen Sie, welche Art von Ergebnissen Sie anstreben:
    • Empirische Befunde darstellen?
    • Theorie(n) weiterentwickeln?
    • Praktiker/inne/n Orientierungshilfen geben?
  • Klären Sie:
    • Welchen Nutzen/Sinn haben Ihre Ergebnisse bezogen auf den bisherigen Stand der Forschung?
    • Welchen Nutzen ziehen (und: welchen Schaden erleiden) möglicherweise die von Ihrer Forschung betroffenen Personen und Institutionen aus Ihrer (durch Ihre) Forschung?

 

2. Treffen Sie Entscheidungen zur konkreten Vorgehensweise

  • Klären Sie, wie Sie die recherchierte Literatur schriftlich aufbereiten, d.h. auf welche Weise Sie den Stand der Forschung darstellen wollen. Z.B.:
    • Hypothesen ableiten, um sie empirisch zu testen?
    • Ein theoretisches Erklärungsmodell anfertigen, das empirisch ergänzt wird?
    • Lücken im Forschungsstand aufzeigen, um mit der Empirie hypothesen- bzw. theoriebildend zu arbeiten?
  • Klären Sie (im Zusammenhang mit der obigen Klärung), wie Sie die Ergebnisse der Literaturanalyse (den Forschungsstand) mit Ihren empirischen Befunden verknüpfen wollen.
    • Wollen Sie aus der Literatur abgeleitete Hypothesen testen?
    • Wollen Sie einen empirischen Test konstruieren, der entscheidet (oder Hinweise darauf gibt), welche von zwei oder mehreren Theorien zutrifft?
    • Wollen Sie ein aus der Literatur gewonnenes theoretisches Erklärungs-Modell mit aus der Empirie gewonnenen Informationen kritisieren, ergänzen, modifizieren, weiterentwickeln?
    • Wollen Sie Hypothesen bzw. theoretische Erklärungsansätze, die Sie aus der Literatur gewonnen haben, solchen gegenüberstellen, die Sie aus der Empirie gewonnen haben?
    • Wollen Sie empirische Daten mit Hilfe eines theoretischen Ansatzes interpretieren und einordnen?
  • Wählen Sie einen empirischen Forschungsansatz passend zu Ihrer Fragestellung aus.
    • Verschaffen Sie sich mit Hilfe von Lehrbüchern zur empirischen (quantitativen und qualitativen) Forschung einen Überblick über verschiedene Ansätze und Methoden. Z.B.: Diekmann, A. (2009). Empirische Sozialforschung. 20. Aufl. Reinbek: Rowohlt (Quant.). Schnell, R., Hill, P. & Esser, E. (2011). Methoden der empirischen Sozialforschung. 9. Aufl. München: Oldenbourg (Quant.). Friebertshäuser, B., Langer, A. & Prengel, A. (2010). Handbuch Qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft. München: Juventa (Qual.). Flick, U., v. Kardorff, E. & Steinke, I. (2003). Qualitative Forschung. Reinbek: Rowohlt (Qual.). Wohlrab-Sahr, M. & Przyborski, A. (2008). Qualitative Sozialforschung. München: Oldenbourg (Qual.)
    • Wählen Sie die Datenerhebungsmethoden aus und begründen Sie die Auswahl.
    • Prüfen Sie: Können Sie mit den Methoden, an die Sie denken, wirklich Ihre Forschungsfragestellung beantworten? (Bspw. verlangt die Untersuchung von Effekten bestimmter Unterrichtsmethoden eine Vorher- und Nachher-Testung!)
    • Überlegen Sie ein realistisches, d.h. für Sie machbares Sample (Stichprobe) mit für Sie gut erreichbaren Interviewpersonen/Beobachtungssituationen. Prüfen Sie, ob Sie mit den Informationen, die Ihre gesampelten Personen/Beobachtungen ergeben (können), auch wirklich Ihre Forschungsfragestellung beantworten werden können.
    • Bitte achten Sie darauf, dass Sie sensibel und rücksichtsvoll mit ihren InformantInnen und deren Umfeld umgehen. Vermeiden Sie insbesondere, die InformantInnen zu schädigen, überlegen Sie im Gegenteil, inwiefern die Untersuchung ihnen sogar nutzen könnte. Reflektieren Sie zu diesem Zweck intensiv die mögliche Wirkung Ihrer Tätigkeiten im Feld und der (möglichen) Ergebnisse Ihrer Arbeit auf die InformantInnen bzw. auf die beobachteten Personen und Situationen. Bedenken Sie, dass das von Ihnen untersuchte Feld, auch im Interesse späterer Forschungen, einen positiven Eindruck von wissenschaftlichen Forschungen erlangen soll.
    • Wählen Sie die Datenanalysemethoden aus und begründen Sie die Auswahl. Prüfen Sie auch hier: Können Sie mit den avisierten Auswertungen wirklich Ihre Forschungsfragestellung beantworten?

[1] Die folgenden Unterpunkte beziehen sich auf den Umgang mit deutschsprachiger Literatur. Für die Recherche englischsprachiger Literatur, deren Wichtigkeit laufend zunimmt, beraten Sie sich bitte mit Ihrem/r Betreuer/in