Österreichs Schulen auf dem Prüfstand – Nationaler Bildungsbericht 2015 bereitet wissenschaftliche Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Schulen auf

Das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (BIFIE) präsentierte kürzlich den Nationalen Bildungsbericht Österreich 2015. Über 50 Expertinnen und Experten aus den 16 wichtigsten österreichischen Forschungsinstituten haben Österreichs Bildungslandschaft genauer unter die Lupe genommen. Mit dem Nationalen Bildungsbericht (NBB) 2015, welcher die dritte Ausgabe dieser Reihe ist, veröffentlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Analysen und Vorschläge für die Weiterentwicklung des österreichischen Bildungswesens anhand evidenzbasierter Daten für eine breite bildungspolitisch interessierte Öffentlichkeit. Gleich vier Wissenschaftler/innen der Abteilung für Pädagogik und Pädagogische Psychologie (PPP) der Johannes Kepler Universität Linz bringen ihre Expertise in den NBB 2015 ein.

Das Kapitel „Schulautonomie oder die Verteilung von Entscheidungsrechten und Verantwortung im Schulsystem“ wurde von Herbert Altrichter, Robert Moosbrugger und Gabriela Barbara Gartmann von der JKU unter Mitarbeit von Stefan Brauckmann (Universität Klagenfurt) und Lorenz Lassnigg (IHS Wien) erstellt. Es analysiert internationale Forschungsergebnisse und aktuelle Reformkonzepte zu den aktuell brisanten Fragen der erweiterten Autonomie von Einzelschulen und der grundlegenden Veränderung der Schulverwaltung in Österreich. Dabei wird deutlich, dass von „Schulautonomie“ keine global positive Wirkung zu erwarten ist, sondern die besonderen Ausgestaltungsformen der Entscheidungsstruktur auf verschiedenen Ebenen der Schuladministration berücksichtigt werden müssen.

Das Kapitel „Auf die Mitschüler/innen kommt es an? Schulische Segregation“ wurde von Barbara Herzog-Punzenberger von der JKU sowie von Horst Biedermann, Arvid Nagel (Universität Salzburg) und Christoph Weber (Pädagogische Hochschule Oberösterreich) erstellt. Es untersucht das Ausmaß der ungleichen Verteilung von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher sozialer und ethnisch-kultureller Herkunft und die Einflüsse auf den Unterrichtserfolg. Sowohl in der Volksschule als auch in der Sekundarstufe 1 gibt es eine deutliche regionale Ungleichverteilung in der Zusammensetzung der Schülerschaft. Während es in der Sekundarstufe 1 zwischen AHS und NMS/HS eine deutliche Segregation nach sozialer Herkunft gibt, zeigt sich innerhalb der Schultypen eine Segregation nach ethnisch-kulturellen Merkmalen. Da diese Muster Auswirkungen auf die individuellen Leistungen unabhängig von individuellen Merkmalen haben, ist Handlungsbedarf – kurzfristig hinsichtlich der Unterstützung derzeit stark negativ segregierter Standorte und mittelfristig hinsichtlich des Abbaus der Segregation – gegeben.

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