1. Hinweise zur Vorbereitung

 

Die Prüfungsvorbereitung sollte nicht punktuell, sondern kontinuierlich im Laufe des zweiten Studienabschnittes erfolgen.

Lesen Sie die Originaltexte der Prüfungsliteratur, keine kursierenden Zusammenfassungen, sonst gefährden Sie Ihre Chancen zu bestehen.

Halten Sie die wichtigsten Kernaussagen/ -argumente fest und ermitteln Sie den logischen Aufbau der Argumentation (Welches Problem/ welche Frage wird behandelt? Welche Bedingungen verursachen das Problem? In welchen Schritten wird das Problem bearbeitet/ die Frage beantwortet? Wie lautet die endgültige Lösung/ Antwort?). Manchmal müssen Sie auch zwischen den Zeilen lesen!

Konzentrieren Sie sich eher auf wenige, wesentliche Aussagen und darauf, die Bedeutung dieser Aussagen erläutern zu können. Lernen Sie nicht alle Details eines Textes auswendig.

Diskutieren Sie die Texte mit Lernpartner/innen! Durch die Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationen des Textes verstehen sie seine Aussagen genauer.

Versuchen Sie, die im Text geschilderten Methoden gedanklich auf andere, realistische pädagogische Situationen und Probleme anzuwenden als in den angegebenen Anwendungsbeispielen. Bzw. Versuchen Sie, die im Text geschilderten Befunde als Analyseinstrument für pädagogische Situationen und Probleme anzuwenden! Denken Sie hier intensiv nach, auch mal „um die Ecke“ und geben Sie sich nicht mit den ersten spontanen Gedanken zufrieden; argumentieren Sie differenziert und nicht in Pauschalaussagen.

  • Beispiel: „Standardisierung verhindert Individualisierung im Unterricht.“ Wirklich immer? Man könnte doch auch argumentieren, dass, wenn man alle Kinder auf denselben Mindeststandard bringen will, es dazu unbedingt nötig ist, stärker als bisher die SchülerInnen individuell bei ihren spezifischen Lernprozessen zu unterstützen! Also: Unter welchen Bedingungen gilt die These, unter welchen nicht? Und: Auf welche Weise unterstützt oder hemmt Standardisierung individualisierenden Unterricht?

Nahezu alle Fragen der Prüfung beinhalten einen reproduktiven Teil, in dem Sie Ihr erlerntes Wissen wiedergeben können, sowie einen stärker konstruktiven Teil, in dem Sie das erworbene Wissen anwenden sollen – dies kann z.B. ein Praxisbeispiel sein, eine Verknüpfung von Theorie und Praxis, eine Zusammenführung verschiedener Themen, die von Ihnen sinnhaft miteinander verknüpft werden müssen, oder eine Begründung, etwa inwiefern sich ein pädagogischer Ansatz für eine bestimmte Problemsituation eignet oder nicht. Sinn ist, dass Sie Ihre wissenschaftlichen Kenntnisse für praktische Fragen zuspitzen und sie in der Praxis dann auch anwenden und nutzen können; darauf bereitet Sie diese Klausur vor. Die meisten Studierenden unterschätzen den konstruktiven Teil. Wenn Ihnen hier gute Argumentationen gelingen, können Sie Ihre Punktzahl erheblich steigern.

Finden Sie Zusammenhänge (Gemeinsamkeiten, Widersprüche, logische Folgen) zwischen den Inhalten der Prüfungstexte!

Prüfen Sie die Aussagen jedes Textes (a) auf logische Konsistenz, (b) auf empirische Triftigkeit, (c) auf praktische Anwendbarkeit, (d) auf Bestätigung, Widerlegung oder Modifikation durch andere wissenschaftliche Erkenntnisse und Befunde, die Sie aus dem Studium kennen, und bilden Sie sich an Hand dieser Maßstäbe ein kritisches Urteil über die Aussagen des Textes!

Wie gut Sie vorbereitet sind, merken Sie daran, dass Sie zu jedem Prüfungstext

  • dessen wichtigste Aussagen im Kopf haben und diese „auf Knopfdruck“ mit Erläuterungen niederschreiben,
  • mit Aussagen anderer Texte vergleichen,
  • auf Fallbeispiele aus der Praxis anwenden und
  • kritisch beurteilen können.

 

 

2. Hinweise zur Beantwortung der Fragen in der Prüfungssituation

 

Lesen Sie die Aufgabenstellungen genau durch und fokussieren Sie ihre Antwort auf die Frage (wenn Sie z.B. aufgefordert werden, ein bestimmtes Verhalten anhand einer psychologischen Theorie zu analysieren, ziehen Sie tatsächlich nur eine Theorie zurate, statt alle Theorien aufzuzählen, die Sie kennen, oder aus vielen verschiedenen Theorien je einen Teilaspekt zu verwenden).

Ordnen und gliedern Sie Ihren Text! Eine gute Strukturierung bedeutet, dass Ihre wesentlichen Antworten klar dargelegt bzw. hervorgehoben sind und man nicht ‚irgendwo im Text‘ danach suchen muss. Schreiben Sie knappe, „dichte“, informative Texte, die aus ausformulierten Sätzen bestehen und logisch aufgebaut sind (und bitte keine stichwortartigen Aufzählungen ungeordneter und ungewichteter Punkte). Verwenden Sie für längere Textpassagen aussagekräftige Zwischenüberschriften (Prinzip: Die Überschrift fasst den Inhalt zusammen, der Inhalt erläutert die Überschrift.)

In den konstruktiven Teilen der Fragen stellen Sie den Bezug auf Anwendungsfälle in expliziten Formulierungen her. Beziehen Sie sich dabei ausdrücklich auf psychologische und erziehungswissenschaftliche Theorien, Forschungsergebnisse und Methoden aus der Prüfungsliteratur, um Ihre Aussagen wissenschaftlich zu untermauern und somit klar von Alltagswissen bzw. Ihrer persönlichen Meinung abzugrenzen. (Die Wiedergabe persönlicher Meinungen sollte immer klar gekennzeichnet sein und nur erfolgen, wenn Sie in der Aufgabenstellung explizit dazu aufgefordert wurden.) Verweisen Sie auf zusätzliche (d.h. in der Aufgabenstellung nicht genannte) Literatur, wenn es sich inhaltlich anbietet.

Begründen Sie bitte Ihre Aussagen. Legen Sie Ihre Argumente logisch schlüssig, verständlich und plausibel dar, sodass man sie gut nachvollziehen kann. Wenn Sie Wirkungsbeziehungen darstellen („Dies bewirkt das“, „weil A, deshalb B“, „Wenn x, dann y“, „Dies führt zu jenem“) und wenn Sie Handlungsvorschläge unterbreiten, erläutern Sie immer auch konkret Beispiele an, wie und warum A zu B führt oder wie und warum Ihr Handlungsvorschlag welche Verbesserung erzeugt.

  • Beispiel: „Man muss den Selbstwert der Jugendlichen erhöhen“ ist als Handlungsvorschlag zu allgemein und damit nicht ausreichend. Geben Sie an, durch welche Handlungen, Maßnahmen, Verhaltensweisen, Methoden dies von wem (LehrerInnen, Eltern, MitschülerInnen, Schulregeln, Behördliche Weisungen …) erreicht werden kann. Geben Sie außerdem an, worin genau die Verbesserung besteht („gesteigertes Selbstwertgefühl ist für die Jugendlichen wichtig, denn damit können sie …“).

 

 

3. Beispielhafte Klausurfragen (noch unvollständig)

 

Disclaimer. Die folgenden Fragenbeispiele sind unverbindlich und ohne Gewähr. Sie dienen zur Orientierung der Studierenden, aber die Abteilung und ihre Mitglieder verpflichten sich ausdrücklich nicht, den unten vorgestellten Fragetypen und -mustern ausnahmslos zu folgen.

 

Psychologische Partiale, Teil A

[[[ w i r d    n a c h g e t r a g e n ]]]

 

Psychologische Partiale, Teil B

Aufgabe 1

Herr Müller ist seit 5 Jahren Lehrer an einer NMS. In den letzten beiden Jahren hat die Leistung seiner Schüler/innen stark abgenommen. Vor allem Martha und Robert stehen in seinem Aufmerksamkeitsfokus. Beide haben von Beginn an schlechte Leistungen gezeigt und diese im Laufe der Jahre nie verbessert. Herr Müller erklärt sich dies so: Martha und Robert sind beide nicht sehr begabt. Sie bringen nicht die Voraussetzungen mit, um gute Leistungen zu erzielen. Zusätzlich bemühen sie sich auch nicht, sie zeigen kaum Anstrengungen, um gute Noten zu erhalten.“ Herr Müller ist gegenüber den beiden Schülern eher negativ gestimmt. Er bezeichnet sie außerdem als frech und unaufmerksam.

Erklären Sie theoriegeleitet (z.B. nach Schotz, 2011), welche kognitiven Prozesse („Attribuierungen“) bei Herrn Müller passieren, um zu dieser Schlussfolgerung zu kommen und warum diese passieren (Definitionen von Attribution, Attributionstendenzen, Gründe für Attribution, …) Erklären Sie außerdem, welche weiteren Attributionen möglich wären und wie Herr Müller im Falle anderer Attribuierungen seine Schüler/innen beschreiben würde. (Anmerkung: Bleiben Sie bei der Beschreibung nur auf der Ebene der Lehrkraft — des Herrn Müller –, Sie brauchen die Perspektive der Schüler/innen nicht darzustellen.)

Aufgabe 2

Die 15jährige Jaqueline ist sehr schlecht in Mathematik. Von Anfang an hatte sie Schwierigkeiten mit Zahlen und hat am liebsten alles vermieden, was mit Zahlen zusammen hängt. In den anderen Fächern ist sie ganz gut, die machen ihr auch Spaß. Die Ankündigung der Schularbeit ruft bei ihr ein Gefühl des Unmuts hervor. Sie weiß, dass Üben nichts nützt, daher übt sie nur ganz wenig. Sie verlässt sich auf ihre beste Freundin, die neben ihr sitzt und gut in Mathe ist. So hofft sie, ein „Nicht Genügend“ zu vermeiden. Die Schularbeit ist sehr schwer, sei findet keine Zugang zu den Aufgaben. Die Freundin lässt sie abschreiben so gut es geht. Jaqueline erreicht ein Genügend in der Arbeit, sie ist zufrieden.

Erklären Sie auf Basis des Textes von Fritz, Hussy und Tobinski (2010) das Verhalten von Jaqueline. Berücksichtigen Sie dabei in jedem Fall folgende Punkte:

  • Wie ist die Leistungsmotivation von Kerstin einzuschätzen?
  • Welche Rolle spielen Kerstins kognitive Fähigkeiten bei der Vorbereitung auf die Schularbeit in Relation zur Motivation?
  • Wie ist das Zustandekommen des von Ihr selbst festgelegten Anspruchsniveaus zu erklären?
  • Wie wird sich Kerstin wahrscheinlich auf die Schularbeit vorbereitet haben? (Welche Aufgaben wird sie gewählt haben?)
  • Wie wird Kerstin den Ausgang der Schularbeit erklären?
  • Über welche Mechanismen könnte eine Lehrkraft das Verhalten von Kerstin steuern?
  • In welche Richtung sollte eine Lehrkraft das Verhalten von Kerstin lenken?

 

Pädagogische Partiale, Teil C

Aufgabe 1

(a) Stellen Sie auf Basis des Textes von Hartmut Ditton die aus Ihrer Sicht wichtigsten Faktoren dar, durch die Lehrkräfte und Schule Bildungsungleichheit (mit-)reproduzieren.

(b) Beschreiben Sie auf Basis des Textes von Altrichter, Heinrich und Soukup-Altrichter, inwiefern Schulprofilierungsprozesse die Bildungsungleichheit verschärfen.

(c) Beschreiben und begründen Sie – bezug nehmend auf pädagogische Prüfungsliteratur Ihrer Wahl – zwei Ihrer Ansicht nach zentrale Strategien, die Schulen und Lehrkräfte ergreifen könnten, um Bildungsungleichheit abzubauen.

Aufgabe 2

Inwiefern begünstigen oder erschweren folgende Reformen das Lehren selbstgesteuerten Lernens? Welche problematischen Folgen für die Lernprozesse von Schüler/innen können diese Reformen zeitigen?

(a) die Entwicklung eines internationalen Bildungsregimes (Parreira do Amaral)

(b) die Schulprofilierung (Altrichter/ Heinrich/ Soukup-Altrichter) und

(c) die dritte Phase der österreichischen Schulreformen (Altrichter/ Heinrich)

 

Pädagogische Partiale, Teil D

Die Prüfungsfragen in Teil D orientieren sich unverändert an unterschiedlichen kognitiven Taxonomiestufen. Hier finden Sie einige mögliche Beispiele. Festzuhalten ist, dass nicht in jeder Prüfung jede Stufe enthalten sein muss.

1. Reproduktion: Die 5 Fragenkomplexe der Didaktischen Analyse nennen.

2. Verstehen: Wie hänge die Qualitätsmerkmale guten Unterrichts „Klassenführung“, „kognitive Aktivierung“ und „soziale Unterstützung“ zusammen?

3. Anwenden: Planen Sie einen problemorientierten Unterrichtseinstieg nach Seel zu einem selbstgewählten Thema!

4. Analysieren: Vergleichen Sie die zentralen Theorieannahmen der beiden Didaktikmodelle „didaktischen Analyse nach Klafki“ und „problemorientierter Unterricht nach Seel“.

5. Synthese: Leiten Sie aus der Prüfungsliteratur sechs Indikatoren einer konstruktiven-unterstützenden Lernumgebung ab.

6. Beurteilen: Bildungsökonom Prof. Guido Schwerdt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an derr Universität München hat auf Basis von TIMSS-Daten Folgendes herausgefunden: „Wenn Lehrer 10 % mehr Zeit auf frontales Unterrichten verwenden, dann zeigen Schüler einen Leistungsvorsprung, der ungefähr dem Wissenszuwachs von ein bis zwei Monaten Schulbildung entspricht.“ Wie kann dieser doch unerwartete Befund erklärt werden? Nehmen Sie auf Basis der Prüfungsliteratur (und gerne auch plausiblen Argumenten, die über die Literatur hinausgehen) Stellung! Gehen Sie dabei auch auf die Frage ein, ob dem Befund nach schülerzentrierter Unterricht in der Unterrichtspraxis nun ineffizient ist.