Profil der Abteilung Pädagogik und pädagogische Psychologie

Auf dieser Seite gibt Ihnen die Abteilung Pädagogik und pädagogische Psychologie (PPP) einen Überblick

Der erste Abschnitt stellt die Forschungsgebiete nach inhaltlichen Gesichtspunkten gegliedert dar (1), der zweite benennt forschungsleitende Prinzipien (2), der dritte die wichtigsten Kennzeichen der Lehre (3).

(1) Forschungsgebiete

Die Forschungsarbeiten der Abteilung PPP erstrecken sich auf unterschiedliche Bereiche und Ebenen des Bildungssystems sowie auf deren Zusammenhang. Die Themenpalette reicht von der allgemeinen Frage nach der Möglichkeit, ganze soziale Systeme wie eben das Bildungssystems wirksam zu gestalten, über die Strukturentwicklung einzelner Schulen und Organisationen bis zur Gestaltung hoch spezieller Beratungs- und Lernsituationen; sie erstreckt sich von Bedingungen individuellen Lernens und individuelle Lernbiografien über Fragen organisationalen Lernens an und mit neuen Technologien bis hin zu Bedingungen kollektiven Lernens politischer und professioneller pädagogischer Akteure. Im Einzelnen:

Dynamik und Gestaltung sozialer Systeme. Ein allgemeines Interesse der PPP-Forschung besteht darin, die – vor allem auch ungeplanten, unbeabsichtigten unkontrollierten – Dynamiken zu verstehen, die dazu führen, dass soziale Systeme entstehen und sich dauerhaft institutionalisieren, sich langsam wandeln oder dramatisch verändern, sich trotz wechselnder Umweltbedingungen stabilisieren oder destabilisieren, erstarren und zerfallen. Die Kenntnis solcher allgemeinen strukturellen (Eigen-)Dynamiken der sozialen Welt ist unseres Erachtens unabdingbar für alle Versuche, komplexe soziale Systeme im Sinne einer „good governance“ gezielt und bewusst zu gestalten, zu (re-)organisieren und zu steuern. In diesem Sinne bemüht sich die Abteilung um die Konstruktion allgemeiner sozialtheoretischer Erklärungsmodelle für Handlungskoordination, soziale Selbstorganisation, Steuerung, Strukturierung und Organisierung sozialer Gebilde, kollektives Lernen.

Educational Governance und Bildungssystem. Strukturelle Veränderungen des Bildungssystems durch internationale Prozesse wie Globalisierung oder Informations- und Kommunikationstechnologien • Bedingungen und Wirkungen europaweiter Systeminnovationen (Bildungsstandards, „Bologna-Prozess“, OECD-Vergleichs­unter­su­chungen wie PISA) • Bedingungen der Gestaltung und Steuerung von instituttionellen Strukturen im Bildungswesen, von Schulen und Unterrichtssituationen •  Analyse nicht-intentionaler Entwicklungsdynamiken und emergenter Selbstorganisationseffekte • Wechselwirkungen gesamtgesellschaftliche Dynamiken ó Bildungsorganisationen ó berufliche Identität/ Profession

Schulforschung und Schulentwicklung. Funktionen, Aufgaben und Leistungen der Schule • Schule als Organisation • Bedingungen institutioneller Strukturentwicklung • Entwicklung von Umsetzungsstrategien • Schulprofilierung

Evaluation und Qualitätssicherung im Bildungswesen. Bedingungen und Wirkungen von Innovationen in einzelnen Schulen (z.B. Evaluation von Entwicklungsprojekten) und im Schulsystem (z.B. Evaluation der Einführung von Bildungsstandards)

Lehr- und Lernforschung. Unterrichtsforschung • Lernmethoden und Lernstrategien bei verschiedenen Personengruppen (Lehrlinge, SchülerInnen, StudentInnen, Erwachsene) • Gestaltung von Lehr-Lern-Situationen • neue Lehr-Lern-Formen und ihre Verwendung in der Schule • Entwicklung interaktiver Lernmaterialien • e-Learning • Eine Internet-Zeitschrift wird herausgegeben • Werner Stangls Arbeitsblätter, Lerntipps für  StudentInnen und SchülerInnen

Lehrerberuf. Professionsforschung, Lehreraus- und -fortbildung, Lehrersozialisation und Lehrerberuf

Berufs- und Laufbahnforschung. Berufswahl • berufliche Entwicklung • Entwicklung beruflicher Interessen im Ausbildungs- und Berufsverlauf • Beziehungen zwischen Persönlichkeit und beruflichen Interessen.

(2) Forschungsprinzipien

Die Abteilung PPP verknüpft empirische Forschung, grundlagentheoretische Reflexion und anwendungsorientierte Praxisberatung miteinander. Die drei Forschungsprinzipien im Einzelnen:

Empirische Orientierung. Die Abteilung PPP forscht grundsätzlich erfahrungsorientiert. Die Strukturen, Sicht- und Verhaltensweisen der schulischen Praxis stehen im Brennpunkt ihrer Analysen. In der Entwicklung qualitativer und quantitativer empirischer Forschungsmethoden liegt eine besondere Kompetenz der Abteilung. Sie befasst sich insbesondere mit

Theoretische Grundlagenforschung. Die Forschungsarbeiten der Abteilung PPP kombinieren heterogene grundlagentheoretische Aussagen aus Psychologie und Sozialwissenschaften miteinander, und verknüpfen sie anschließend mit empirisch gewonnenen Einsichten. So werden anspruchsvolle, interdisziplinäre Erklärungsmodelle erzeugt, die auch hoch komplexe und eigendynamische institutionelle Mechanismen sichtbar und verständlich machen können. Durch konsequente Orientierung auf multiperspektivische und Mehrebenenanalysen werden Einseitigkeiten so weit wie möglich reduziert.

Nachhaltigkeit durch Anwendungsorientierung und Entwicklungsberatung. Die Abteilung PPP greift aktuelle Fragen der Bildungspolitik und Schulpraxis auf, entwickelt Lösungen und begleitet die Umsetzung. Sie kommuniziert die Konsequenzen ihrer Forschung in die interessierte Öffentlichkeit, an die Bildungspolitik sowie – etwa per Feedback der empirischen Forschungsergebnisse – ins Bildungssystem und in die Schulen. Zahlreiche Bildungsinstitutionen wie etwa Einzelschulen oder Fortbildungsinstitutionen werden durch begleitende Entwicklungsberatung und durch Fortbildungsangebote bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen unterstützt.

Durch diese Kombination stellt die Abteilung PPP erstens sicher, dass die Praktikerinnen und Praktiker im Schulsystem konkreten Nutzen aus den wissenschaftlichen Ergebnissen ziehen können, und zweitens sorgt sie dafür, dass der wissenschaftliche state of the art durch Konfrontation mit der empirischen Praxis und durch Aufnahme interdisziplinärer Einsichten konsequent weiterentwickelt wird.

Die Forschungsprojekte der Abteilung beziehen sich auf die in (1) angegebenen Bereiche

(3) Lehre

Die Abteilung PPP vermittelt in Lehrveranstaltungen die wissenschaftlich qualifizierte Auseinandersetzung mit aktuellen und grundlegenden Inhalten ebenso wie praktische pädagogische Kompetenzen.

Lehrveranstaltungen. Die Lehrveranstaltungen der Abteilung PPP sind inhaltlich und organisatorisch untereinander abgestimmt und auf die Anforderungen der Diplomprüfung ausgerichtet. Studierende werden zu Beginn jeder Lehrveranstaltung schriftlich über Lernziele, Methodik und Leistungsanforderungen informiert. Die Rückmeldung über Ergebnisse von Tests und schriftlichen Arbeiten erfolgt innerhalb einer überschaubaren, in der Lehrveranstaltung vereinbarten Frist. Durch Lehrveranstaltungsevaluationen wird geprüft, wie erfolgreich die LVA ihre Ziele erreicht hat und wie sie weiterentwickelt werden kann. Eine Reihe von LVAen nutzen eLearning-Plattformen.

Pädagogische Ausbildung. Die Abteilung PPP bildet Studierende vorwiegend für folgende Berufsfelder aus: Personalberatung, Coaching und Training, Erwachsenenbildung, Schule und Universität. Sie vermittelt Kompetenzen für

In ihren Lehrveranstaltungen setzen die Lehrenden aktivierende Arbeitsmethoden und ‑formen ein und leiten methodische Reflexionen der Gestaltung beratender und pädagogischer Arrangements an. Die Lehrenden sind leicht kontaktierbar, sowohl in Sprechstunden als auch in den LVAen, die in der Regel auf 30 Teilnehmende begrenzt und somit keine anonymen Massenveranstaltungen sind.

Verknüpfung von Lehre und Forschung. Die Lehre der Abteilung PPP will eine forschende Haltung gegenüber pädagogischen und psychologischen Aspekten der Tätigkeit in verschiedenen Praxisfeldern fördern. Sie tut dies, indem sie (a) auf praktische Beispiele und aktuelle Entwicklungen Bezug nimmt, (b) die Studierenden regelmäßig an laufender wissenschaftlicher Forschung beteiligt und (c) die Studierenden anregt, eigene Themen zu entwickeln und zu bearbeiten (z. B. in Vertiefungsarbeiten).

Diplomarbeiten und Dissertationen werden von der Abteilung PPP bevorzugt in den unter „Forschungsgebiete“ genannten Bereichen vergeben und betreut.

Linz 2007