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Über die Chancen und Risken autonomer Schulen

13. November 2013 Von: " " " " Kategorie: Presseecho, Publikationen Kommentare deaktiviert für Über die Chancen und Risken autonomer Schulen

Die Leistungen der Schüler sind in Ländern mit einem hohen Grad an Schulautonomie nicht automatisch besser. Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht.

Schulautonomie ist hierzulande ein Thema, das rasch abgehandelt ist: Bestenfalls im Bereich der Lehrpläne können die Schulen eigenständig agieren. Was das Personal betrifft, ist der Spielraum gering: Informell können Schulleiter versuchen, bestimmte Lehrer an ihre Schule zu holen – gesetzlich verankert ist das nicht. Auch im Bezug auf das Budget sieht es mit Eigenverantwortung mager aus. Dass das Thema Schulautonomie, zumindest dem Vernehmen nach, Eingang in die Koalitionsverhandlungen gefunden hat, wird daher begrüßt (sofern es nicht missbraucht wird, um heikle politische Themen zu umschiffen).

Klar ist: Mehr Eigenverantwortung an den Schulen könnte einmal mit einer bisher stets erfolglos diskutierten Verschlankung der Verwaltung einhergehen – und so auch Mittel freimachen, die direkt für den Unterricht eingesetzt werden könnten (bisweilen ist von dreistelligen Millionenbeträgen die Rede). Doch macht mehr Autonomie die Schulen wirklich besser?

Nicht automatisch. Das zeigt etwa der Blick auf die PISA-Ergebnisse, immerhin ein gewisser Gradmesser für die Leistungen eines Schulsystems. Autonomie an sich ist kein Garant für gute Leistungen, heißt es dazu im nationalen Bildungsbericht 2009. Es gibt Länder, die trotz eines hohen Grads an Autonomie bei PISA keine überdurchschnittlichen Ergebnisse erzielen, Dänemark beispielsweise. Der Umkehrschluss aber gilt nicht: Es gibt kein Land mit wenig Schulautonomie, das bei PISA zu den Besten gehört. „Als isolierte Maßnahme wird Autonomie nicht unbedingt mehr Effektivität bedeuten“, sagt der Bildungsforscher Michael Schratz von der Uni Innsbruck.

„Der wesentliche Vorteil ist allerdings, dass die Entscheidungen bedarfsnah, also an den jeweiligen Schulen selbst, getroffen werden“, sagt Schratz. Nach dem Motto: Die Schulen wissen am besten, was sie (und ihre Schüler) brauchen. Was wiederum – so die Annahme – dazu beitragen könnte, dass die Identifikation mit der eigenen Schule gestärkt wird. Und damit auch die Motivation von den Lehrern und den Schulleitern selbst.

Zielvorgaben notwendig

Je autonomer Schulen agieren können, desto wichtiger ist allerdings auch die externe Kontrolle. So zeigen Studien, dass Schulautonomie nur dann zu Verbesserungen führt, wenn die Leistungen auch extern erhoben werden. Mittels Bildungsstandards und Zentralmatura etwa, oder auch – wie in manchen deutschen Bundesländern – durch externe Inspektoren, die sich vor Ort ansehen, wie unterrichtet und was geleistet wird. Wenn die Schulen ihren Weg relativ frei wählen können, braucht es umso klarere Zielvorgaben – und Konsequenzen, falls diese nicht erreicht werden.

Und dann ist da auch noch die Frage nach dem Wettbewerb, der sich zwischen autonomen Schulen entwickeln wird: jener um die besten Konzepte, um die besten Leistungen sowie auch um die besten Lehrer und Schüler. Für Schulen mit schwierigeren Ausgangsbedingungen berge das Gefahren, sagt Herbert Altrichter, Bildungsforscher an der Uni Linz. Die Niederlande, eines der Länder mit dem höchsten Grad an Schulautonomie, haben hier vorgebaut: Je nach der sozialen Lage der Schüler erhalten Schulen mehr Geld – um, autonom, ihr Angebot zu verbessern.

MEHR ZUM THEMA
Symposium. „Schulautonomie als Chance“: Zu diesem Thema sprechen bei einem Symposium von WBS, Bildung grenzenlos und der Wirtschaftskammer am 21.November österreichische und internationale Experten, u.a. Guillermo Montt (OECD) und Julia Bock-Schappelwein (Wifo). 15 bis 19 Uhr in der WKO, Wiedner Hauptstraße 63, 1040 Wien. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Quelle: Die Presse vom 6. November 2013