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Daniel Quathamer

Schreiben als Problem: Grundlagen der Schreibpsychologie

Beim Erstellen von Abstracts hat sich gezeigt, daß Schreiben ein Problem ist: Einerseits soll es kurz und prägnant sein, andererseits soll es möglichst viel informative Einzelheiten enthalten. Außerdem sollte es auch noch als Text lesbar sein. Schreiben erscheint also wirklich als anstrengende Arbeit' (Ludwig, 1983). Warum ist Schreiben so anstrengend, und wie kann man sich einiges der Mühe ersparen?

Um diese Frage zu beantworten, sollte man zunächst die spezifischen Eigenheiten des Schreibens klären. Was unterscheidet das Schreiben von anderen Kommunikationsformen - z.B. sprechen? Man könnte meinen, geschrieben Sprache ist nur eine 'Notlösung' aufgrund der weiten Entfernung zwischen Sender und Empfänger. Goethe sagt z.B.

"Schreiben ist ein Mißbrauch der Sprache, stille für sich lesen ein trauriges Surrogat der Rede." (J.W. Goethe - Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit (Phaidon-Verlag Essen, Ausgabe 1982, S. 523).

Was unterscheidet Sprechen von Schreiben?

Schreiben unterliegt also den verschiedensten Ansprüchen ("constraints"); wie bewältigt man diese?

Die bereits dargestellten Techniken der Erstellung von Abstracts deuten an, daß ein Text selten in einem Durchgang entsteht. Dies wird bereits in der Schule gelehrt: Aufsätze in der Oberstufe werden gemeinhin so geschrieben, daß man auf einem Schmierzettel vorschreibt, dann den 'richtigen' Text verfaßt, und zum Schluß noch einmal korrekturliest. Diese Technik des Schreibens ist auch in der Schreibpädagogik explizit vertreten (Rohman, 1965): Schreiben bedeutet Planen, Schreiben, und Revidieren.

Die Prozesse des Planens bzw. Überarbeitens werden dabei zeitlich vom Schreiben abgesetzt. Dieser Idee vom Schreiben widersprechen die Forschungen von Hayes & Flower (1980). Sie untersuchten das Schreiben kompetenter Schreiber, und stellten fest, daß diese beim Schreiben auch Planungs- und Überarbeitungstätigkeiten ausführten. Schreiben, so stellten die Autoren fest, bedeutet nicht nur Schreiben: Schreiben ist Problemlösen. Es gibt beim Schreiben ein (schlecht definiertes) Ziel, den fertigen Text. Um dieses Ziel zu erreichen, übt man Planungs-, Verschriftungs- und Revisionstätigkeiten beim Schreiben aus. Dabei unterliegen diese einzelnen Prozesse Bedingungen, die sich aus dem Kontext des Schreibens ergeben. Dieser Kontext besteht einerseits im Wissen des Schreibers (Schreibpläne, z.B. der Aufbau von Expra-Berichten), und andererseits in der Zielvorgabe, den Text in Beuzg zu seinen Lesern etc. Die folgende Abbildung verdeutlicht

das Schreibmodell von Flower & Hayes:

Flower & Hayes(1980) analysierten die Prozesse noch weiter: Planen bedeutet Ideen zu generieren, zu organisieren, und Schreibziele zu setzen. Revidieren bedeutet Lesen und Editieren. All dies wird von einem sog. Monitor gesteuert.

Nun fragt sich, was Flower & Hayes NEUES geleistet haben. In ihrem Modell werden nicht nur bekannte Prozesse kognitionspsychologisch differenzierter dargestellt; es werden auch Aussagen über die Organisation dieser Prozesse getroffen. Die Autoren betonen, daß diese Prozesse nicht sequentiell in distinkten Stufen ablaufen:


Quelle: http://www.uni-duisburg.de/FB2/PSYE/quathamer/schreiben/problem.htm (99-12-05)

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